Man sieht Katharina Rogenhofer, hinter ihr eine brennende Erdkugel und daneben Kanzler Karl Nehammer.
/ 15. März 2023

In seiner Rede zur "Zukunft der Nation" meint Kanzler Nehammer, die Klimakrise wäre "Untergangs-Irrsinn." Wie kommt er eigentlich auf sowas, fragt Katharina Rogenhofer. 

 

 

Leute! Die Klimakrise ist abgeblasen! Phew, jetzt kann ich mich endlich mit anderen Themen beschäftigen. Vielleicht kommt ja wirklich endlich die „coole Zeit“ auf uns zu, die schon Sebastian Kurz versprochen hat! Das muss doch jetzt sicher überall in den Medien sein – oooooder stimmt es vielleicht gar nicht, was Karl Nehammer in seiner Kanzlerrede gesagt hat?

Aber mal an den Anfang. Wie kommt Nehammer darauf, dass die Klimakrise abgeblasen ist? Sein Sprecher Daniel Kosak erklärt, welche „herausragenden“ Autoren Nehammer hier meint. Es ist ein einziger: Der Anthropologe und PR-Mensch Michael Shellenberger mit seinem Buch „Apocalypse never“.

Klimakrise-Leugner als Experten nehmen?

Und es lohnt sich, diese Literatur-Wahl zu hinterfragen. Das Buch wurde von renommierten Wissenschafter:innen nämlich zerrissen: es enthält  Fehlschlüsse, ideologetriebene Argumente und es werden vereinzelt Details herausgepickt, die zum Argument passen, statt im Sinne der Wissenschaftlichkeit alle Fakten miteinzubeziehen. Das Buch wurde wohl nicht zufällig von vielen Medien beworben, die normalerweise Verschwörungstheorien oder rechtsradikale Inhalte verbreiten oder von fossilen Konzernen bezahlt werden.

Ein Artikel von Shellenberg, der vielen dieser Medien geteilt wurde, ist von sechs Wissenschafter:innen untersucht und die Glaubwürdigkeit als „niedrig“ eingestuft worden. Der Artikel sei irreführend und mit vielen Fehlern behaftet. Und das soll der „herausragende“ Autor sein, auf den sich der Bundeskanzler von Österreich in seiner Argumentation stützt?

Hören wir doch lieber auf renommierte Wissenschafter:innen

Statt irgendein random Buch zu lesen, sollte sich der Kanzler vielleicht einmal mit wirklich renommierten Wissenschafter:innen unterhalten. Das Climate Change Centre Austria steht jedenfalls gerne für einen Austausch zur Verfügung. Und auch Landwirt:innen erzählen ihm sicher gern von der übermäßigen Trockenheit und ihren Ernteausfällen der letzten Jahre. Oder er kann Forstwirt:innen besuchen und fragen, warum Borkenkäfer gerade vermehrt unsere Wälder sterben lassen.

Nehammer könnte aber auch einen Weltklimarat-Bericht lesen. Der Weltklimarat besteht aus über 600 international anerkannten Forscher:innen. Sie fassen ALLE Veröffentlichungen der Welt zum heutigen Stand der Wissenschaft zur Klimakrise zusammen. Einer der neuesten sagt: Wenn sich die Erde um 1,7-1,8°C erhitzt, könnte das lebensbedrohliche Auswirkungen auf die Hälfte der Weltbevölkerung haben. Das sind MILLIARDEN Menschen! 

Die Zukunft sieht nicht gut aus

Der aktuelle Kurs unserer nachlässigen Politik bedeutet aber: Wir steuern auf eine 3°C heißere Erde zu. Das ist eine Zukunft, in der Nahrungsmittelknappheit, Dürrekatastrophen, Extremwetter, Überflutungen, Waldbrände und der Zusammenbruch von Lieferketten auf der Tagesordnung stehen und große Regionen der Welt zur Todeszone werden.

So viel zu den ECHTEN Zukunftsszenarien von Leuten, die sich auskennen und deren Arbeiten einer Überprüfung standhalten. Die Auswirkungen der Klimakrise spüren wir aber schon heute. Überflutungskatastrophen treten 15 Mal so häufig auf, wie noch 1950, extreme Temperaturen kommen sogar 20 Mal öfter vor  – und das bei bisher „nur“ 1,2°C Erhitzung.

Wo bleibt das Klimaschutzgesetz?

Statt das weiter zu leugnen und kleinzureden, braucht es Taten: ein Klimaschutzgesetz ist seit über 800 Tagen ausständig, das Erneuerbaren-Wärme-Gesetz fehlt. Damit fehlt auch ein Plan dazu, wie wir endlich langfristig unabhängig von Gas- und Ölheizungen werden. Und eine wirklich durchdachte Mobilitätspolitik abseits vom “Autoland” gibt es seit Jahrzehnten nicht.

Aber ein Vorschlag zur Güte: lieber Herr Nehammer, ich werde Ihnen mein Buch schicken, darin finden Sie neben Fakten und Ausführungen zu notwendigen Maßnahmen auch eine würdige Vision für die Zukunft Österreichs. Und wenn du nicht Karl Nehammer persönlich bist, dann teile doch dieses Video und tagge den Bundeskanzler, um ihm klarzumachen, dass das Herunterspielen der Klimakrise nicht mehr drin ist.

Apropos wichtige Mobilitätspolitik: ein einfacher erster Schritt wäre Tempo 100 auf der Autobahn einzuführen. Was das bringen würde? Das erfährst du hier.

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