Zu sehen ist eine Person, die ein Glas Sekt einschenkt. Man sieht sie nur teilweise von hinten. Im Artikel geht es um Lehre in Österreich.

Viele Lehrlinge würden ihren Beruf nicht noch einmal wählen. Der Lehrlingsmonitor zeigt, wo die Probleme liegen.

Foto: Pelle Martin für Unsplash

/ 22. November 2021

Es gibt doppelt so viele junge Menschen, die eine Lehre suchen, als offene Stellen. Der Bedarf als Ausbildungsplätzen ist also hoch. Aber auch jene, die einen Platz haben, kämpfen in der Corona-Krise mit Problemen.

Grundsätzlich sind die Bedingungen für zwei Drittel der Lehrlinge in Österreich gut. Das ist die positive Nachricht aus dem Lehrlingsmonitor. Einer repräsentativen Befragung unter Lehrlingen vom Österreichischen Institut für Bildungsforschung (ÖIBF). Aber die Befragung zeigt auch Probleme in der Ausbildung von Lehrlingen.

Mehr als ein Drittel fühlt sich nicht ausreichend vorbereitet, um nach der Lehre als Fachkraft in einem anderen Betrieb zu arbeiten. Besonders stark ist das bei Köch:innen, Elektrotechniker:innen, Friseur:innen, Kellner:innen und Maler:innen der Fall.

In der Lehre alleingelassen

Ein Grund dafür könnte sein, dass es für viele Lehrlinge (76%) keine regelmäßige Dokumentation der Ausbildung gibt. Mehr als die Hälfte (57%) hat keinen Ausbildungsplan. Ein Drittel der befragten Lehrlinge gibt an, es gebe im Betrieb keine regelmäßige Besprechung des Ausbildungsfortschritts. Viele Lehrlinge würden praktisch alleine gelassen, kritisiert die Österreichische Gewerkschaftsjugend.

Das ist noch nicht alles. Einige Lehrlinge müssen oft Tätigkeiten übernehmen, die nichts mit der Ausbildung zu tun haben. Lehrlinge für Kfz-Technik gab zum Beispiel an, Unkraut zu entfernen oder Möbel vom Chef anstreichen zu müssen.

Illegale Überstunden in der Lehre

Lehrlinge, die jünger als 18 Jahre sind, dürfen laut Gesetz keine Überstunden machen. Der Lehrlingsmonitor zeigt allerdings, dass sich viele Betriebe nicht daran halten. Insgesamt machen 29% der befragten Lehrlinge Überstunden. Die meisten von ihnen bekommen dafür vorgesehene Zuschläge oder Zeitausgleich. Aber 14% der Betroffenen bekommen die Überstunden überhaupt nicht abgegolten.

Schlechte Arbeitsbedingungen können ein Grund dafür sein, dass 42% der befragten Lehrlinge am Ende der Ausbildung angaben, schon einmal daran gedacht zu haben, die Lehre abzubrechen. Insgesamt zeigt sich, dass viele Lehrlinge sich nicht noch einmal für ihren Beruf entscheiden wurden.

Ein auffällig großer Unterschied zeigt sich zwischen Anfang und Ende der Lehre. Während anfangs noch 93% aller Lehrlinge zur Restaurantfachkraft (also Kellner:innen) nochmal für ihren Beruf entscheiden würden, sind es am Ende der Ausbildung nur noch 62%. Auch Lehrlinge im Einzelhandel würden sich nur zu 63% wieder dafür entscheiden, wenn sie am Ende der Ausbildung angelangt sind.

Ganz anders sieht es zum Beispiel in der Metalltechnik aus. 83% der Lehrlinge am Ende der Ausbildung würden sich wieder für diesen Weg entscheiden.

Es liegt nahe, dass die schlechten Werte im Einzelhandel und unter Kellner:innen auch darauf zurückzuführen ist, dass Bezahlung und Bedingungen in diesen Branchen allgemein schlechter sind als in anderen. Die Corona-Krise hat Probleme im Einzelhandel noch verschärft.

Um die Bedingungen für Lehrlinge unabhängig von der Branche zu verbessern, fordert die Österreichische Gewerkschaftsjugend höhere Mindestlöhne, verpflichtende Kompetenzchecks zur Mitte der Lehrzeit und besser Ausbildungen für Ausbildner:innen.

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