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Menschliche Dummheit ist gefährlicher als Künstliche Intelligenz

KI-Hype und technologische Entwicklungen bringen Gefahren mit sich. Doch diese liegen woanders begründet, als uns Tech-Konzerne glauben machen wollen.

Die Warnungen vor superintelligenten, alles fressenden, in Katastrophen führenden KI-Hirnen reißen nicht ab. Die Branche hat sich selbst in einen Strudel aus Apokalypse-Szenarien manövriert. Es scheint fast so, als wolle man sich mit immer neuen Superlativen gegenseitig übertrumpfen. Aus dem ursprünglichen KI-Hype wurde ein KI-Weltuntergangs-Hype. Was man als Durchschnittsbürger:in davon halten soll, ist zunehmend undurchsichtig. Denn - wie schon einmal an dieser Stelle ausgeführt - werden die Schreckensbilder von den großen Konzernen auch zur Eigen-PR genutzt.


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Dabei rücken die realen Gefahren und Risiken rund um das Thema Künstliche Intelligenz zunehmend in den Hintergrund. Menschen verlieren ihre Jobs oder geraten unter Druck, weil Unternehmen KI als Argument für Einsparungen verwenden. Algorithmen “entscheiden” mittlerweile über Dinge wie Kredite, Bewerbungen, Weiterbildungen oder Versicherungen. Deepfakes und automatisiert erzeugte Desinformationskampgangen bringen unsere Demokratie in Gefahr - denn sie machen es schwieriger, zwischen echt und manipuliert zu unterscheiden. Der Einsatz von KI als Cyberwaffe ist ein reales Bedrohungsszenario. 

Doch während über die Selbstermächtigung von angeblicher Superintelligenz philosophiert wird, bleibt oft erstaunlich wenig Raum für die Frage, wer diese Systeme eigentlich kontrolliert – und mit welchen wirtschaftlichen Interessen. Die meisten KI-Hacks der vergangenen Wochen und Monate geschahen nicht einfach, weil die Technologie so hyperintelligent ist. Sondern weil die Firmen bei ihren Tests schludrig, unvorsichtig, ja teilweise fahrlässig gehandelt haben. 

Blinder Glaube

Hinzu kommt, dass immer mehr Menschen das eigene Denken im wahrsten Sinne des Wortes an die KI abgeben. Anstatt selbst etwas zu lesen, zu schreiben oder zu recherchieren, wird ChatGPT gefragt. Anstatt eine Mail selbst zu verfassen, lässt man die KI persönliche Nachrichten schreiben. Anstatt Quellen auf den Grund zu gehen, wird KI-Zusammenfassungen in Suchmaschinen blind vertraut. Das Internet vermüllt mit sogenanntem AI-Slop und es wirkt, als würde qualitativ minderwertiger KI-Content immer mehr die Gehirne von uns Menschen verkleben. 

Aus der IT-Branche ist zu vernehmen, dass Programmierer:innen grundlegende Fähigkeiten nicht mehr beherrschen, weil sie das Coden ohne KI nicht mehr richtig lernen. An Universitäten hat man zu kämpfen, weil kaum noch jemand Arbeiten ohne Künstliche Intelligenz schreibt. Und in Chefetagen von Unternehmen herrscht vielfach der Glaube vor, KI könne ohnehin alles besser und effizienter als menschliche Arbeitskraft. Das dem nicht so ist und der Einsatz von Künstlicher Intelligenz in vielen Fällen Arbeitsabläufe sogar noch umständlicher macht, wird gerne unter den Tisch fallen gelassen. 

KI ist ein Werkzeug

Keine Frage - der Einsatz von KI kann natürlich in vielen Fällen sinnvoll sein. In der Wissenschaft, zur Datenauswertung, zur Automatisierung von standardisierten Abläufen. Es gibt vieles, wo uns diese Technologie nach vorne gebracht hat und weiter nach vorne bringen wird. Ein Grundübel liegt jedoch auch darin, dass KI vermenschlicht und ihr Fähigkeiten zugeschrieben werden, die sie nicht hat. Vielleicht nie haben wird. Künstliche Intelligenz ist ein technologisches Werkzeug. Ein Tool, das nur das wiedergibt, was man ihm zuvor an Informationen gefüttert hat. Eines, das gut darin ist zu halluzinieren - also Dinge von sich zu geben, die wahnsinnig überzeugend klingen, deshalb aber keineswegs korrekt sein müssen.

Im allgemeinen Hype und der aktuellen Katastrophenstimmung wird all das oft gerne vergessen. Das Pendel der Debatte schlägt zwischen “Oh mein Gott, die KI wird uns alle umbringen” und “Hui, ohne KI geht ja heute überhaupt nichts mehr” wie wild hin und her. Die vernünfige Mitte, also der sinnvolle Einsatz und das Abwägen, wo etwas überhaupt nützlich ist, geht dabei immer mehr verloren. 

Widerspruch

Das Ganze gipfelt dann darin, dass Firmen wie Anthropic einerseits vor ihren eigenen Technologien warnen. Dass sie nach Entwicklungsbremsen rufen. Und gleichzeitig bekannt wird, dass Anthropic in den USA ein Labor betreibt, in dem KI-Systeme biologische Experimente durchführen. Man muss sich also schon fragen: Wie ernst gemeint sind die Warnungen, wenn die tatsächlichen Handlungen alles andere als verlangsamend oder vorsichtig sind? 

Wer hält die Techkonzerne denn davon ab, die Geschwindigkeit aus ihren Entwicklungen heraus zu nehmen? Es wird laut danach geschrien, aber in Wirklichkeit geht alles in rasendem Tempo weiter. Es wird mit Begriffen wie “Regulierung” umher geworfen, doch meinen die Unternehmen damit keine echten rechtlichen Konsequenzen. Vielmehr entsteht der Eindruck, dass es sich hier ein paar milliardenschwere Konzerne untereinander ausmachen wollen. Und zwar so, dass es möglichst keinem von ihnen wirklich wehtut.

Wir sollten den Techbros und ihren Absichten nicht in die Falle gehen. Und wir sollten KI real bewerten, anstatt sie ständig in die eine oder die andere Richtung zu überhöhen. Sonst wird der Untergang der Menschheit am Ende tatsächlich die eigene Dummheit sein. 


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