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Kapitalismus
Fortschritt

Der unstillbare Energiehunger von Künstlicher Intelligenz

Der unstillbare Energiehunger von Künstlicher Intelligenz
Gegen das Rechenzentrum von Google in Kronstorf wurde bereits protestiert. Auch der hohe Energieverbrauch wird kritisiert. Foto: Bürger:inneninitiative Rechenzentrum Kronstorf
Mega-Rechenzentren verbrauchen immer mehr Wasser und Strom - das der Bevölkerung dann fehlt. Das ruft Widerstand hervor - aktuell auch in Österreich.

KI-Anwendungen sollen uns das Leben vereinfachen und Arbeitsprozesse effizienter machen. Das versprechen die Anbieter hinter ChatGPT und Co. Doch die rasante Verbreitung von KI bringt auch Schattenseiten mit sich. Eine davon ist der massive Ressourcenverbrauch durch Künstliche Intelligenz. 

KI-Systeme erfordern immer größere Rechenzentren. Diese wiederum verbrauchen Unmengen an Energie und Wasser und tragen nicht zuletzt zu einer weiteren Bodenversiegelung bei. Aktuell ist darüber auch eine heftige Debatte in Österreich entbrannt. Google hat mit dem Bau eines Mega-Rechenzentrums im oberösterreichischen Kronstorf begonnen. Das sorgte bereits für Demonstrationen und Widerstand aus der Bevölkerung. 

Das Rechenzentrum in Kronstorf wurde in zwei Ausbaustufen geplant. Sollte die zweite tatsächlich kommen, würde das Rechenzentrum jährlich bis zu 4,4 Terawattstunden (TWh) Strom verbrauchen. Um das in Relation zu setzen: Das gesamte Bundesland Oberösterreich kommt im Jahr auf etwa 14 TWh Stromverbrauch.

KI braucht besonders viel Energie

Dass wir grundsätzlich Rechenzentren brauchen, um den technologischen Fortschritt weiter voranzutreiben, steht außer Frage. Das Problem an den KI-Anwendungen ist, dass sie um ein Vielfaches mehr an Ressourcen fressen als “herkömmliche” Onlinedienste. Auch die UNO warnte bereits vor den Auswirkungen. KI-Suchanfragen benötigen im Schnitt rund zehnmal so viel Energie wie beispielsweise eine klassische Google-Suche. Schon aufgrund der Art und Weise, wie KI benutzt wird, ist der Stromverbrauch höher. Das fängt bei Kleinigkeiten an: “Bitte” und “Danke” der ChatGPT-Nutzer:innen benötigen umgerechnet so viel Strom wie 2.500 Haushalte pro Jahr. Die meiste Energie wird allerdings aufgrund des enormen Rechenaufwands verbraucht, insbesondere beim Training der KI-Modelle. 

Weltweit wird der Stromverbrauch durch Rechenzentren derzeit auf einen Anteil von etwa 1,5 Prozent am Gesamtbedarf geschätzt. Das klingt erstmal nach nicht besonders viel. Geht die aktuelle Entwicklung so weiter, dann könnten es bis 2030 drei Prozent sein. Die Universität der Vereinten Nationen (UNU) rechnet bis 2030 mit einem Verbrauch von mehr als 945 TWh. Damit könnten alle Menschen in Subsahara-Afrika, das sind 1,3 Milliarden Menschen, 5,5 Jahre lang mit Elektrizität versorgt werden. Dass KI-Unternehmen den Hype um Künstliche Intelligenz bewusst antreiben, dürfte den Energiebedarf noch zusätzlich anheizen.  

Verschärfung der Klimakrise befürchtet

Umweltorganisationen wie Greenpeace fürchten sogar, dass der KI-Boom zu einer weiteren Verschärfung der Klimakrise führen wird. Die Befürchtung ist, dass der Ausbau der erneuerbaren Energien nicht mit dem Tempo der KI-Entwicklung mithalten kann. Der große Energiehunger der Rechenzentren wird demnach dazu beitragen, dass Gas- und Kohlekraftwerke länger aktiv bleiben. Dessen sind sich im Grunde auch die großen Konzerne von Google über Microsoft bis hin zu OpenAI bewusst. Sie reagieren darauf allerdings immer öfter mit dem Wunsch nach mehr Atomkraft. Das sorgt bei Umweltschützer:innen für Kopfzerbrechen. Auch deswegen, weil mit der zunehmenden Trockenheit in der Klimakrise wohl auch das Wasser fehlt, um die Atomkraftwerke zu kühlen und zu betreiben. Frankreich musste deswegen kürzlich erst Reaktoren abschalten. 

Wasser für die Kühlung brauchen auch die Rechenzentren - und zwar viel. In Kronstorf sollen bis zu 200 Liter pro Sekunde aus der Enns entnommen werden. Es wird um Chemikalien angereichert, kühlt die Server und wird später wärmer wieder in die Enns zurückgeleitet. Laut UNU könnte der Wasserbedarf der Rechenzentren weltweit bis 2030 dem von 1,3 Milliarden Menschen in Subsahara-Afrika entsprechen.

Strom und Wasser fehlen anderswo

Besonderer Druck entsteht in Ländern, in denen die Wasserversorgung oder die Stromabdeckung ohnehin schon schlecht sind. Jenes Wasser, das zur Kühlung der Mega-Rechenzentren gebraucht wird, fehlt der Bevölkerung zum Überleben. Denn Rechenzentren benötigen Wasser in Trinkqualität. 

Bei der Energie sieht es nicht anders aus: Strom, der zum Betreiben der großen Computerfarmen eingesetzt wird, fehlt für andere Zwecke - bei Haushalten, aber auch in anderen Industriezweigen. 

Proteste gegen Tech-Konzerne und ihre Serverfarmen

Vertreter:innen der KI-Industrie versuchen zu beruhigen. Sie argumentieren, dass dank Künstlicher Intelligenz auch Effizienzsteigerungen in vielen Bereichen möglich werden. Das leiste wiederum einen Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit. Diese Argumente sind nicht ganz falsch, bleiben aber bislang sehr undurchsichtig. Handfeste Daten zu Strom- und Wasserverbrauch geben die Tech-Konzerne nämlich nicht heraus. Viele Berechnungen basieren daher auf theoretischen Annahmen. 

Deswegen formt sich immer mehr Protest, der immer öfter auch erfolgreich ist. In Chile sorgten die Pläne für große Google-Rechenzentren für so viel Widerstand in der Bevölkerung, dass Projekte verkleinert oder gar wieder abgesagt wurden. Auch in den USA sind die Serverfarmen ein Reiz-Thema, das sogar manche Republikaner:innen und Demokrat:innen vereint. Der US-Bundesstaat New York verhängte einen vorläufigen Baustopp für neue Serverfarmen. 

Klare Regeln und Transparenz

Für einen nachhaltigen und vernünftigen technologischen Fortschritt brauchen wir klare Regeln und Transparenz im Umgang mit KI. Die Unternehmen sollten klar in die Pflicht genommen werden und sicherstellen, dass erneuerbare Energien für die KI-Infrastruktur zum Einsatz kommen. Ebenso sollten beim Bau von Rechenzentren genaue Umweltverträglichkeitsprüfungen vorgenommen werden. Das war in Kronstorf beispielsweise nicht der Fall. 

Nicht zuletzt müssen KI-Firmen zu mehr Transparenz verpflichtet werden: Wie viel Energie wird tatsächlich benötigt? Ist mit einer weiteren Zunahme an Stromverbrauch an einem Standort zu rechnen? Fragen, die die Konzerne klar beantworten sollten. 

Wir sollten uns nicht die sprichwörtliche Katze im Sack verkaufen lassen. Die Tech-Konzerne und teils auch die politischen Vertreter:innen versuchen, die Rechenzentren schönzureden. Da wird dann gerne argumentiert, sie würden den Wirtschaftsstandort stärken. Allerdings schaffen Datencenter kaum Arbeitsplätze in relevantem Ausmaß. Eine Kosten-Nutzen-Abwägung hat also mit Vorsicht zu erfolgen. Und letzten Endes wird man sich auch fragen müssen, wie viele Ressourcen wir für massenhaft produzierten KI-Slop aufwenden wollen, der niemandem etwas bringt. 

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