Morgenmoment Coverbild

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/ 7. April 2020

Guten Morgen!

"Man gewöhnt sich an vieles, auch mal an schlechtes", heißt es in einem österreichischen Liedtext. Wir geloben: Das tun wir nicht. Und du auch nicht. Gemeinsam schon gar nicht. Dein kampflustig eingeleiteter Morgenmoment wird dir heute von Tom Schaffer geschickt.

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#1 Möchtest du das teilen?

Wir haben heute gleich wieder zwei Top-Geschichten für dich! Die erste Story betrifft die schwierige Situation von Heimpflegekräften in Österreich, die derzeit in vollen Flugzeugen eingeflogen und unbezahlt in Quarantäne gesteckt werden. Wie sie dabei behandelt werden und welche Agenturen dabei einiges zu erklären haben. Haarsträubend.

Auch kleine Selbstständige haben es nicht leicht. Alleinerziehende auch nicht. Das gilt eigentlich immer, aber ganz besonders in dieser Zeit der Krise. Und dann gibt es ja noch Alleinerziehende, die selbstständig sind. Zum Beispiel Martina. Wir haben mit der Kleinunternehmerin und Mutter einer neun Jahre alten Tochter darüber geredet, was sie wirklich denkt.

 

#2 Zitat des Tages

Die Krise macht viele Maßnahmen möglich, die weiter in unser demokratisches Leben eingreifen, als wir es normalerweise akzeptieren würden. Das ist teils nötig. Wir dürfen uns aber nicht daran gewöhnen. Dieser Meinung ist auch der bekannte Historiker Yuval Noah Harari. Er weist darauf hin, dass diese Maßnahmen ihre Krisen allzu gerne überleben, und schnell neue Krisen gefunden werden können, um das zu rechtfertigen. Also: merken wir uns die Dinge gut, die wir jetzt schweren Herzens akzeptieren.

#3 Lesetipp

Der österreichische Top-Wirtschaftsprofessor Max Kasy erklärt normalerweise StudentInnen in Oxford und Harvard die Wirtschaft. MOMENT fordert ihn in der neuen Serie "Erklärs mir doch ganz einfach" heraus, komplizierte Konzepte und Begriffe in verständliche Sprache zu übersetzen. Die neueste Folge: Was heißt eigentlich Kapitalismus?

#4 In was für einer Welt leben wir eigentlich?

Ist Arbeitszwang okay? So eine Frage in etwas harmloser klingenden Worten zu stellen, das ist an sich schon eine bedenkliche Grenzverschiebung in einer freien, sozialen Gesellschaft. Aber die Kleine Zeitung hat sogar noch jemanden gefunden, der sie mit "Ja" beantwortet. Wer gerade jetzt nicht dort arbeiten will oder kann, wo normalerweise miserabel bezahlte Menschen aus dem Ausland unser System unter schwierigen Bedingungen am Laufen halten, der soll doch gefälligst das (in Österreich eh schon sehr niedrige) Arbeitslosengeld gekürzt oder gestrichen bekommen, sagt ehemals leitende Redakteur Hans Winkler. Er nennt das: "Die Zumutbarkeitskeitsbestimmungen lockern". Was er sagen würde, wenn er eine außergewöhnliche Arbeitspflicht in Pandemiezeiten stattdessen aus der Sicht der betroffenen Menschen sehen würde: "Die Zumutbarkeitsbestimmungen verschärfen". Aber der prekäre Niedriglohnsektor will ja schließlich am Leben gehalten werden - zur Not auch mit Zwang!

Noch schlimmer kann man diese schreckliche Frage nicht beantworten? Ha! Da legt Winkler noch nach: Man könne doch insbesondere die arbeitslosen Asylberechtigten dazu "verpflichten". Die sind nämlich durch die Rechtslage bei der Sozialhilfe noch viel leichter erpressbar. Klar: In der Zeit, in der diese Menschen auf ihre Asylberechtigung warten, verbieten wir ihnen militant den Zugang zum Arbeitsmarkt und lassen sie von einem kargen Taschengeld in Ungewissheit leben. Aber wenn wir dann endlich behördlich akzeptiert haben, dass diese Leute tatsächlich mit gutem Grund geflohen und schutzbedürftig sind, und wenn auch noch ein tödliches Virus draußen rumfliegt, dann zwingen wir sie dazu.  "Einstieg in den Arbeitsmarkt", nennt Winkler das. "Klar! Das drucken wir", sagt die Kleine Zeitung dazu.

#5 Besser geht doch?

Aus solchen Untiefen der politischen Verrohung zum Guten im Menschen. Ostern steht vor der Tür und vielleicht hast du die Möglichkeit, jemandem etwas Gutes zu tun? Die Caritas sammelt Spenden für eine Reihe an wichtigen Dingen. Das Corona-Nothilfepaket kommt Menschen zugute, die Beratung, Betreuung und zum Beispiel Hilfe bei Miet- und Heizkosten brauchen. Das Nothilfepaket für geflüchtete Menschen behält eine weitere menschliche Krise im Auge: Die dramatische Situation von geflüchteten Menschen auf den griechischen Inseln.

#Fehler? Nicht mit uns!

Im gestrigen Newsletter haben wir behauptet, eine gerechte Entlohnung aller nun zwanghaft verlängerten Zivildiener könnte mit nur 0,00003% des Geldes aus dem Corona-Hilfspakets erreicht werden. Da sind uns zwei Nullen zu viel reingerutscht. Es sind 0,003%. Das ist immer noch eine Ausgabe, die man sich unserer Meinung nach leisten sollte. Danke an alle aufmerksamen LeserInnen, die uns darauf hingewiesen haben. Die Schuldigen werden selbstverständlich ausgeforscht und mit der vollen Härte des Gesetzes in Mathe-Nachhilfe geschickt.

Bis morgen!

Tom

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