Austrian Airlines Jet steht auf dem Rollfeld in Düsseldorf.
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/ 19. August 2020

Die Coronavirus-Pandemie traf die Austrian Airlines mit voller Wucht: Weil sie kaum noch fliegen konnte, stand Österreichs Vorzeige-Fluglinie offenbar kurz vor der Pleite, der Staat sprang ein. 150 Millionen Euro an Steuergeldern steckte die Regierung der Fluglinie zu, bedingungslos. Dazu bürgt der Staat für Bankkredite in Höhe von 300 Millionen Euro.

Fast 100 Millionen Euro Verlust machte die Austrian Airlines seitdem die Coronavirus-Pandemie ihre Flugzeuge zu Boden zwang. In den nächsten Monaten wird die AUA weitere Millionen Euro an Verlusten anhäufen, kündigte das Unternehmen vorab an. Derweil warten noch immer Tausende Passagierer darauf, dass ihnen das Geld von bezahlten Tickets für abgesagte Flüge zurückgezahlt wird, wir berichteten darüber.

Boni in Millionenhöhe

Trotzdem zahlte die AUA ihrem Vorstand und 200 Führungskräften jetzt stattliche Boni aus: Insgesamt 2,9 Millionen Euro erhielten sie mit Ende Juli. Belohnung für das Jahr 2019, das die Fluglinie mit einem schmalen Gewinn von 19 Millionen Euro beendete. Das Plus wurde auf Kosten des Personals erzielt: Die AUA hatte Ende 2019 fast 100 MitarbeiterInnen weniger als ein Jahr zuvor. Bis 2021 sollen bis zu 800 Stellen gestrichen werden. Das ist jeder achte Job im Unternehmen. In der Corona-Krise sank die Zahl der MitarbeiterInnen um mehr als 150. Austrian Airlines beanspruchte die staatlich geförderte Kurzarbeit und will sie noch bis Anfang 2022 nutzen.

Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP), der maßgeblich am Rettungsdeal mitverhandelte, fand gar nicht gut, dass die AUA jetzt ihre ManagerInnen belohnt und gleichzeitig Staatshilfen kassiert: “Diese Vorgangsweise ist für mich unverständlich”, heißt es auf Anfrage von MOMENT. Wie AUA hier vorgeht, lasse “jede Sensibilität vermissen”. Dieser zaghaften Kritik folgt am Mittwoch eine Forderung: “Ich erwarte, dass der Vorstand den Bonus umgehend zurückbezahlt”, so Blümel zu ÖSTERREICH laut Vorabmeldung.

Dann ruderte auch der AUA-Vorstand zurück: "Wir haben heute nach Rücksprache mit Finanzminister Gernot Blümel beschlossen, die für 2019 ausgezahlten Boni des Vorstands freiwillig zurückzulegen", schrieb AUA-Chef Alexis von Hoensbroech am Mittwochnachmittag auf Twitter. Ob das auch für die 200 belohnten Führungskräfte gilt, die nicht Teil des Vorstands sind, ist nicht klar.

Späte Einsicht

Bravo Herr Finanzminister, könnte man da sagen. Allerdings kann man auch fragen, warum Blümel in den Verhandlungen um die Rettung der AUA nicht darauf bestanden hat: Wer Staatshilfen bekommt, soll keine Boni an ManagerInnen auszahlen dürfen - auch nicht für vergangene Geschäftsjahre. MOMENT fragte im Finanzministerium nach, warum die Staatshilfen nicht an eine solche Klausel gebunden worden sind. Bis zum Redaktionsschluss dieses Artikels erhielten wir keine Antwort.

Tatsächlich drängt sich der Eindruck auf, dass die Millionenhilfe des Staates auch für die Boni der Führungskräfte herhalten hätten müssen - und eben nicht, um Arbeitsplätze zu retten, den Betrieb am Laufen zu halten und KundInnen zu entschädigen. Gut, dass der Finanzminister die Boni-Zahlungen kritisiert. Es lag aber an ihm, sie überhaupt zu verhindern. Getan hat er es nicht und gehandelt hat er erst, nachdem öffentlich bekannt wurde, dass die AUA ihren ManagerInnen die Boni in Millionenhöhe ausgezahlt hat.

Update 19.8., 16.25: Der Artikel wurde um die Aussagen von Austrian-CEO Alexis von Hoensbroech ergänzt und angepasst.

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