Barbara Blaha spricht über Wegwerfmode
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/ 2. Oktober 2020

1,2 Milliarden Tonnen CO2 verursacht die Textilindustrie pro Jahr. Das ist mehr als gesamte der Flug- oder Schiffsverkehr. Das heißt: Zirka 5 bis 8 Prozent der weltweiten Treibhausgase tragen wir gewissermaßen am Körper spazieren. Denn bei allem technischen Fortschritt: Kleidung zu produzieren, das braucht Energie. Eine Menge!

Wer ein T-Shirt machen will, braucht Baumwolle, wer Baumwolle anbaut, schafft das nicht ohne Dünger und Pestizide, und um die herzustellen, braucht man wieder mal: enorm viel Energie. Und da reden wir nur von der Baumwolle. Noch gar nicht vom Färben oder von der Herstellung synthetischer Stoffe. Zwei Drittel aller Kleidungsstücke enthalten Polyester – dafür braucht die Modeindustrie jedes Jahr 98 Millionen Tonnen Erdöl. Das ist achtmal soviel wie ganz Österreich im Jahr braucht. Tendenz: steigend. Heute verwenden wir dreimal so viel Kunstfaser in der Kleidung wie vor 20 Jahren.

Wegwerfmode schadet der Umwelt

Und dabei kommt das Plastik, das wir mit enorm viel Arbeit und Energie aus dem Erdöl und damit aus dem Boden “gewinnen”, wieder genau dorthin zurück: Bei jedem Waschgang werden aus den Fasern kleinste Plastikteile gespült. Die landen dann in unseren Flüssen, Seen und Meeren.

Und es wird schlimmer. Heute wird doppelt so viel Kleidung hergestellt wie vor 20 Jahren. Mehr als hundert Milliarden Kleidungsstücke pro Jahr. Wir haben also immer mehr – aber wir tragen sie dafür immer kürzer: All diese Kleidungsstücke leben im Schnitt nur noch halb so lang wie vor 15 Jahren.

Geschäftsstrategie Wegwerfmode

Logisch: Nur so macht man mit Wegwerfmode ein Milliardengeschäft: Am 4 Euro 99 T-Shirt verdient  man pro Stück nur ein paar Cent, aber massenhaft verkauft macht man fantastische Gewinne. Auf Kosten der Umwelt. 3 von 5 Kleidungsstücken landen innerhalb eines Jahres auf der Mülldeponie. Noch schlimmer: 4 von 10 Kleidungsstücken werden gar nicht erst verkauft. 2 bis 4 Wochen liegt die Mode im Geschäft, dann kommt schon die nächste Kollektion. Wer heute ein Billig-Shirt kauft, trägt es nur 4 mal. Dann muss das nächste her. Auch weil das letzte tatsächlich hin ist: Die Billig-Anbieter sparen in der Produktion. Auf Kosten der Qualität.

Und auf Kosten der Menschen, die das T-Shirt nähen: Etwa auf Kosten der  Textilarbeiterinnen in Bangladesch. Dort ist Arbeitskraft billig - spottbillig. Der Mindestlohn in Bangladesch liegt bei 85 Euro, eine Näherin erhält durchschnittlich nur 46 Euro. Im Monat. Die Modeindustrie verheizt die Umwelt und die Arbeiter*innen in einem absurden Wettlauf: Sie ermutigt uns immer mehr und immer billiger zu kaufen, verschiebt ihre Produktionsstätten immer weiter in Länder mit noch niedrigeren Löhnen und noch niedrigeren Umweltstandards.  Damit der Gewinn für die Eigentümer stimmt. Den Preis zahlen wir alle gemeinsam: mit einem kaputten Planeten. 

Was braucht es?

Wir müssen die politischen Spielregeln  ändern. Deutschland diskutiert bereits ein Lieferkettengesetz, das Unternehmen zwingt, auch im Ausland und bei ihren Zuliefern auf Menschenrechte und Umweltschutz zu achten. 

Preise müssen die wahren Kosten widerspiegeln: Kunstfasern, die die Umwelt vergiften und deren Herstellung grotesk viel Energie frisst, dürfen nicht mehr billiger sein als Kleidung aus biologischen und nachwachsenden Rohstoffen. 

Und wir selbst? Wir sollten Wegwerfmode einfach nicht mehr kaufen. Das heißt natürlich nicht, dass wir künftig alle nackt rumrennen müssen. Aber brauchen wir wirklich jede Woche ein neues T-Shirt? Kann man die Jacke nicht flicken? Wäre Qualitätsware, die lange hält und fair hergestellt wird, nicht sogar besser - auch für uns?

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