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Klimakrise

Österreich stößt etwas weniger CO2 aus: Gut, aber kein Grund zum Jubeln

Treibhausgase in Österreich gehen zurück (c) Marcin Jozwiak
Im vergangenen Jahr sank der Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase in Österreich um 6,4 Prozent. Insgesamt sind das so wenig wie seit 1990 nicht mehr. Das ist erfreulich. Aber: Österreich sollte schon viel weiter sein. Die Reduktion jetzt sei “nur ein erster Babyschritt”, kritisiert Global 2000. Um bis 2040 klimaneutral zu sein, braucht es viel mehr.

Rückblick: Weltklimakonferenz 2015 in Paris. Die Staaten beschließen ein richtungsweisendes Klimaabkommen.  Bis 2030 soll der weltweite Temperaturanstieg auf unter 1,5 Grad gegenüber dem Niveau vor der Industriellen Revolution gehalten werden. Dafür müssen weltweit massiv weniger klimaschädliche Treibhausgase ausgestoßen werden.

In Österreich bewegte sich seit 1990 kaum etwas: Der Ausstoß an Treibhausgasen, der in sogenannten CO2-Äquivalenten angegeben wird, blieb fast gleich. Dabei will das Land 2040 rechnerisch  klimaneutral sein. 

Heilsbringer: Klimaticket

Jetzt präsentierte Klimaschutzministerin Leonore Gewessler (Grüne) Österriechs Treibhausgas-Bilanz 2022. Und das nicht ohne Stolz und Selbstlob: Gegenüber 2021 wurden um 6,4 Prozent weniger Treibhausgase ausgestoßen. Die politischen Bemühungen würden Wirkung zeigen, sagte Gewessler. Klimaticket, Ökostromausbau, die thermische Sanierungsoffensive, die Transformation der Industrie und der Klimabonus seien Gründe für die positive Entwicklung in Sachen Treibhausgas-Emissionen. 

Aber: Die gefeierten politischen Maßnahmen waren nicht allein dafür zuständig. Die Emissionen sanken auch, weil der Winter mild war und die Energiepreise hoch.Österreicher:innen heizten 2022 vergleichsweise wenig. 

Das Treibhausgasbudget geht uns aus 

Die Entwicklung zeigt, dass geeignete Maßnahmen wirken können. Die Klimasprecherin von Global 2000 Viktoria Auer sagt jedoch: „Die Reduktion, die wir hier sehen können, ist nur ein erster Babyschritt.” Noch 280 Millionen Tonnen Treibhausgase darf Österreich laut dem Pariser Klimaabkommen bis 2030 ausstoßen. Trotz der gefeierten Einsparungen lagen die Treibhausgasemissionen im letzten Jahr bei 72,6 Millionen Tonnen. Das ist immer noch viel zu viel. Sinken die Zahlen nicht weiter, hätten wir in 3,8 Jahren unser Treibhausgasbudget aufgebraucht. 

Klimapolitik sollte nicht dem Zufall überlassen werden 

Was in Österreich fehle, sei die gesetzliche Verankerung des Klimaschutzes. Seit 2020 gibt es kein gültiges Klimaschutzgesetz. Die ÖVP von Kanzler Karl Nehammer blockiert es beharrlich. Nicht nur Umweltaktivist:innen von Global 2000 fordern, das endlich umzusetzen. Auch das sogenannte Erneuerbare-Wärme-Gesetz müsse endlich auf den Weg gebracht werden. “Damit kann die Regierung sicherstellen, dass wir langfristig auf dem richtigen Weg sind und Emissionsreduktionen keine Frage des Zufalls sind”, sagt Auer. Um bis 2040 klimaneutral zu werden, müssten die Treibhausgasemissionen von 2021 halbiert werden. Dafür braucht es dringend eine effektive Klimapolitik. 

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