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Arbeitswelt
Ungleichheit

Die Pensionen in Österreich sind nicht sicher? Das Märchen von der Kosten-Explosion

Die Pensionen in Österreich sind nicht sicher? Das Märchen von der Kosten-Explosion
Menschen, die Pensionen in Österreich beziehen, trifft die Teuerung besonders. Dargestellt werden sie aber als Fass ohne Boden, das wir armen Arbeitenden finanzieren müssen und uns bald nicht mehr leisten können. Warum das ein Märchen ist, erklärt Barbara Blaha im neuen Moment Mal.
 

Die hohen Preise, die tun UNS ja viel mehr weh. Also UNS, die arbeiten müssen. Die Alten, die sitzen doch im gemachten Nest. Und wir, wir hackln für die mit und stopfen ihnen das Geld hinten und vorne rein. Moment mal!

Das Gegenteil ist richtig: Wer in Pension ist, kämpft schlimmer mit den steigenden Preisen, als jemand der noch arbeiten geht. Die Teuerung liegt für nämlich bei fast 12 Prozent derzeit, für Leute mit Job bei 10,3 Prozent.

Einmalzahlungen helfen eben nur einmal.

Die Inflation wirkt sich auf Pensionist:innen anders aus, denn erstens hat man in der Pension weniger Geld als im Erwerbsleben. Wer weniger hat, muss anteilig daran mehr ausgeben für das. was grade richtig teuer wird: Heizen und Essen zum Beispiel.

Gerade bei den kleinen und den Mindestpensionen wurden mal wieder nur Einmalzahlungen gegeben, die eben nur einmal helfen. Obwohl also viele ältere Menschen gerade selbst ziemlich ins Straucheln kommen, liest sich das in den Zeitungen … irgendwie anders. Das Pensionsloch! Das ist so arg! Das können wir uns alles nicht mehr leisten.

Also: RUNTER mit der Pension. Und RAUF mit dem Pensionsalter. Die wichtigsten “Argumente” haben wir schon tausendmal in der Zeitung gelesen. Besagte Argumente lauten:

#1 Wir werden alle immer älter! 

Ähm. Entschuldigung. Die einzige Alternative dazu ist: Früher sterben. Wir sollten uns doch freuen, dass wir länger leben und gesünder alt werden. Das ist genau betrachtet: verdammt super.

#2 Immer weniger Junge arbeiten!

Das schwierige mit Prognosen? Sie betreffen die Zukunft. Noch vor 15 Jahren haben wir geglaubt, der Anteil der Leute, die arbeiten gehen können, wird heute viel niedriger sein – als er heute tatsächlich ist. Wovon hängt dieser Anteil ab? Na klar, davon, wie viel Nachwuchs wir bekommen. Aber eben auch: Davon, wie viele Leute nach Österreich arbeiten kommen. Oder überhaupt ganz nach Österreich ziehen. Denn die Leute, die hackeln, stemmen mit ihren Beiträgen unsere Pensionen.

#3 Das Pensionssystem ist zu teuer!

Die Pensionist:innen fressen uns die Haare vom Kopf, mhm. Ja sicher. Da wird gern einfach eine Kurve dazu gezeigt und schon fürchten sich alle. Dabei zeigt das nur, wie viel mehr uns die Pensionen in Euros kosten. Wir müssen uns das aber in Relation zu unserer Wirtschaftsleistung anschauen, weil auf die kommt es an. Und dann schaut die Kurve so aus (gezeigt im Video).

 
Die Kosten für Pensionen in Österreich bleiben gemessen an der Wirtschaftsleistung langfristig stabil

Die Kosten für Pensionen in Österreich bleiben gemessen an der Wirtschaftsleistung langfristig stabil

Das heißt: Natürlich geben wir immer mehr Euros für die Pensionen aus. Aber wir haben als Gesellschaft auch jedes Jahr viel mehr Euros zur Verfügung, weil wir produktiver werden. Und im Verhältnis geht sich das noch immer schön aus.

Wie das geht? Es kommt nicht nur auf das Verhältnis von Jungen und Alten in der Bevölkerung an. Es geht um das Verhältnis von arbeitenden Menschen auf der einen Seite – also denen, die Pensionsbeiträge zahlen. Und PensionistInnen und Arbeitslosen auf der anderen Seite.

Jobs, Pensions-Crash und Privatpensionen

Also geht es um: Jobs. Und fair bezahlte Jobs, die faire Beiträge zahlen. Aber warum hören wir dann dauernd, dass alles den Bach runtergeht und wir uns im Alter schon mal auf eine Zweitkarriere als Bettler einstellen sollen? Genau, wer die Panik vor dem Pensions-Crash schürt, will vor allem teure Privatpensionen verkaufen. Teuer – und unnötig, wenn man ein gscheites Pensionssystem hat, denn das staatliche Umlageverfahren hört sich zwar unsexy an, ist aber ein saucooles und sicheres System. Ein effizienteres haben wir nicht erfunden.
 

Was es also braucht:

Faire Löhne und niedrige Arbeitslosigkeit. Eine Arbeitsmarktpolitik, die Vollbeschäftigung will, ist die mit Abstand beste Pensionsvorsorge. Mehr Unterstützung für Pensionist:innen im Kampf gegen die Teuerung: Statt Werbung für Privatpensionen sollten wir endlich unsere Pensionen armutsfest machen, damit Pensionist:innen nicht auf Einmalzahlungen angewiesen sind, um durch den Winter zu kommen.

Diese Pensionslügen solltest du nicht glauben.

Wer profitiert von der Panikmache rund ums Pensionsloch?

 

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