Videokommentar von Tom Schaffer: Profitiert das Klima von Corona?
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/ 22. März 2020

Man könnte von der Natur derzeit ein romantisches Bild zeichnen. Das Wasser in den Kanälen von Venedig ist plötzlich sauber. Delfine schwimmen angeblich näher an Küsten und Vögel zwitschern lauter. Der CO2-Ausstoß geht gerade drastisch zurück. Europäische Staaten könnten deshalb sogar die Klimaziele 2020 erreichen. In China werden angeblich wegen der saubereren Luft 77.000 Menschen weniger an Lungenkrankheiten sterben.

Der Grund dafür ist aber nicht zu feiern: Die Krise durch den Coronavirus legt unser normales Leben lahm. Ja. Wir fahren weniger Auto, konsumieren weniger, produzieren weniger. Aber ist das wirklich ein Lichtblick für den Planeten?

Die klare Antwort ist: Das hängt von uns ab, und was wir in der (nahen) Zukunft tun.

Die Klimakatastrophe rückt näher

Diese auf den ersten Blick guten Effekte auf unsere Umwelt sind nämlich im Moment nicht nachhaltig. Von einem positiven Umbau unserer Wirtschafts- und Lebensweise ist wenig zu spüren und sehen. Dass wir genau das im Kampf gegen die Klimakatastrophe brauchen würde, hat sich aber nicht geändert. Derzeit wird alle Kraft investiert, um unser normales Leben wieder einigermaßen herzustellen. Wenn wir das schaffen, rasen wir in der Klimakrise aber einfach nur wieder dort weiter, wo wir vor Monaten schon waren: kurz vor der Klippe und mit klarem Kurs darauf.

Der Virus könnte sich für die Menschen auch in der Klimakrise sogar als schädlich entpuppen. Denn wir verursachen derzeit zwar nicht so viel Umwelt- und Klimazerstörung wie sonst, aber immer noch mehr als unser Planet eigentlich verkraften kann. Zugespitzt: Auch in Quarantäne sind wir nicht klimaneutral.

Die Klimakatastrophe rückt in Wahrheit also auch jetzt immer noch jeden Tag ein bisschen näher. Die Aufmerksamkeit dafür ist derzeit sowohl in der Gesellschaft als auch Politik komplett weg - aus verständlichen Gründen aber eben doch. Wir verlieren Zeit. 

Zurück in eine bessere Normalität

Unterdessen müssen wir enorme Ressourcen aufwenden, um überhaupt wieder in Schuss zu kommen. Wir stehen immer noch relativ früh in einer Krise, in der am Ende wohl Millionen Menschen rund um die Welt erkrankt sein werden, tausende schon gestorben sind und Gesundheitssysteme alles tun, um nicht überfordert zu werden. Währenddessen werfen Staaten zur Rettung der Leben, von Arbeitsplätzen und der Wirtschaft mit Megasummen um sich.

All das kostet Geld, das vorher angeblich nicht da war und uns hinterher fehlen kann. Mit nur einem größeren Bruchteil der 38 Milliarden Euro, die Österreich nun als Krisenhilfe vorsieht, hätte man vorher sehr viel für das Klima tun können. 

Hoffnungslos ist die Situation aber nicht! Wenn wir die eingangs erwähnten positiven Effekte dauerhaft wollen, gibt es einen Weg dorthin. Einen, der uns sowohl aus der gesundheitlichen und wirtschaftlichen Krise als auch in eine klimafreundlichere Zukunft führt. Wir können auch jetzt in unseren Maßnahmen gegen die Wirtschaftskrise dafür sorgen, dass die Welt, die wir da wieder aufbauen, eine modernere, gerechtere und umweltfreundlichere ist.

Die Politik muss es sich aber bewusst zur Aufgabe machen, dass die jetzt beschlossenen Investitionsprogramme auch mit diesen Zielen in Einklang gebracht werden.

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