Raus aus Gas: Hand schraubt an einer Gastherme
/ 6. Oktober 2022

„Raus aus Öl und Gas“ – unter diesem Namen bewirbt die Regierung eine Förderung zum Tausch von Gasheizungen. Der Appell ist einleuchtend. Wer möchte bei diesen Gaspreisen zu Zeiten der Klimakrise noch fossil heizen? Aber hilft die Förderung wirklich allen? So kommst du raus aus Gas.

Was ist die „Raus aus Öl und Gas“-Förderung?

Die Förderaktion des Klimaschutzministeriums soll den Umstieg auf nachhaltige Heizsysteme beschleunigen. Wer 2021 oder 2022 von Öl-, Kohle- oder Gasheizung auf Nah-, Fernwärme, Wärmepumpe oder Holzheizung wechselt, kann einen Teil der Kosten rückerstattet bekommen. Insgesamt sind dafür 650 Millionen Euro vorgesehen, für die Jahre 2023 bis 2025 sind weitere 1,14 Milliarden Euro im Budget reserviert.

Wer kann die „Raus aus Öl und Gas“-Förderung beantragen?

Seit Februar 2021 können Förderanträge gestellt werden. Das können Eigentümer:innen, Bauberechtigte oder Mieter:innen eines Ein- bzw. Zweifamilienhauses sowie eines Reihenhauses tun. Auch die Besitzer:innen von mehrgeschoßigem Wohnbau, worunter die meisten Mietshäuser fallen. Betriebe und Vereine können ebenfalls um Förderung ansuchen. 

Neu ist nun, dass auch Eigentümer:innen und Mieter:innen einzelner Wohnungen mit dezentralen Heizkesseln gefördert werden – sofern die Vermieter:innen einverstanden sind. Das kann leicht zum Problem werden.

Welche Investitionen kann ich fördern lassen?

Wer bis jetzt mit fossilen Brennstoffen wie Kohle, Öl und Gas geheizt hat, wird beim Umstieg auf klimafreundliche Heizsysteme unterstützt. Zu diesen zählt in erster Linie der Nah- und Fernwärmeanschluss. Ist dieser Anschluss nicht möglich, wird auch der Einbau einer Wärmepumpe oder einer Holzzentralheizung gefördert. Zusätzlich gibt es einen Bonus für die Zentralisierung einer klimafreundlichen Heizung. Wenn gleichzeitig eine thermische Solaranlage installiert wird, bekommt man ebenfalls mehr.

Die Förderung gilt für Material-, Montage- und Planungskosten, sowie Demontage- und Entsorgungskosten für die Altanlagen. Sie erfasst Leistungen ab 01.01.2021, für baureif geplante Projekte oder im Nachhinein.

Wie hoch ist die Förderung?

Die Förderung deckt bis zur Hälfte der förderungsfähigen Kosten des neuen Heizsystems. Je nach Gebäudetyp gibt es eine Obergrenze zwischen 7.500 und 15.000 Euro. Dazu kann ein Solarbonus von höchstens 1.500 Euro sowie eine Zentralisierungspauschale im mehrgeschoßigen Wohnbau von 3.000 Euro kommen.

Seit September 2022 gibt es einen zusätzlichen „Raus aus Gas“ -Bonus, um den nationalen Gasbedarf zu senken. Für Ein-, Zweifamilien- und Reihenhäusern, die bisher mit Gas geheizt haben, beträgt dieser 2.000 Euro. Im mehrgeschoßigen Wohnbau können - abhängig von der Leistung der Anlagen - zwischen 2.000 und 4.000 Euro gefördert werden. Wer die Wohnungen an eine zentrale Heizanlage anschließt, erhält pro Wohneinheit 600 Euro Zuschuss.

Außerdem kann der Heizkesseltausch sowie eine thermische Sanierung seit Jahresanfang steuermindernd geltend gemacht und abgeschrieben werden. 400 beziehungsweise 800 Euro können pro Jahr und maximal fünf Jahre lang in der Steuererklärung angegeben werden.

Zusätzlich können Förderungen von Land oder Gemeinde beantragt werden.

Gibt es mehr Geld für ärmere Haushalte?

Für Haushalte mit geringem Einkommen, die ein Ein-, Zweifamilien- oder Reihenhaus besitzen, gibt es die „Sauber heizen für Alle“-Förderung. Die unteren 20 Prozent der Einkommen haben Anspruch darauf. Das entspricht bei einem Einpersonenhaushalt einem Netto-Monatseinkommen von höchstens 1.454 Euro zwölf Mal im Jahr. Pro Kind unter 14 wird diese Grenze um 436,20 Euro erhöht, mit jeder weiteren erwachsenen Person im Haushalt um 727 Euro. 

Auch Haushalte, die Sozialhilfe erhalten oder GIS-befreit sind, haben Anspruch auf diese Förderung. Im Rahmen dieses Programms können bis zu 100 Prozent der umweltrelevanten und förderungsfähigen Kosten rückerstattet werden. Haushalte mit einem Monatseinkommen von höchstens 1.694 Euro können bis zu 75 Prozent der Kosten erhalten.
 

Wie viel kostet ein Umstieg?

Diese Förderung bedeutet bei Weitem nicht, dass nun alle klimaschädlichen Heizsysteme ausgetauscht werden können. Mindestens 50 Prozent der Kosten müssen die meisten selbst tragen und das muss man sich erst mal leisten können. Der Umbau ist nämlich teuer.

Am günstigsten ist die Gebühr für den Anschluss an das Nah- bzw. Fernwärmenetz mit etwa 3.000 bis 8.000 Euro. Das geht aber nur, wenn das Haus bereits im Leitungsnetz ist. Ist das nicht der Fall, müssen Versorger und Gemeinden überhaupt erst einmal die Rohre zu den Häusern legen. Die Installation von Biomasse-Heizungen, die mit Pellets, Hackschitzeln oder Holz betrieben werden, kosten ungefördert mindestens 15.000 bis 25.000 Euro. Mit diesen Kosten ist auch bei der Installation einer Wärmepumpe zu rechnen. 

Das Hexit-Tool des Energieinstituts Vorarlberg gibt einen schnellen Überblick der Optionen inklusive einer Einschätzung der kurz- und langfristigen Kosten.

Wie kann ich die Förderung beantragen?

Eigentümer:innen, Bauberechtigte oder Mieter:innen eines Ein- oder Zweifamilienhauses sowie eines Reihenhauses müssen sich bis 31. Dezember 2022 online unter www.raus-aus-öl.at registrieren. Art, Kosten und Leistung des neuen Systems sollen dort bereits angegeben werden. Dann muss innerhalb von 24 Wochen ein Antrag gestellt werden. Für den Antrag ist das Protokoll einer professionellen Energieberatung, ein gültiger Energieausweis der Immobilie oder ein Gesamtsanierungskonzept notwendig. Es wird empfohlen, sich zuerst bezüglich Heizungstausch und Energiesparmaßnahmen professionell beraten zu lassen.

Bei mehrgeschoßigem Wohnbau wird der Antrag ohne Registrierung auf der Onlineplattform eingereicht. Die Antragstellung muss bis 31. Dezember 2022 erfolgen. Die Angaben und Unterlagen bleiben dieselben.
 

Bleib immer bequem auf dem Laufenden mit unseren gratis E-Mail-Newslettern!

Ich bin einverstanden, einen regelmäßigen Newsletter zu erhalten. Mehr Informationen: Datenschutz.