Der “Remigrations-Song” der FPÖ oder: Rechtsextreme Normalisierung auf österreichisch
Die Aufregung ist genauso einkalkuliert wie die Nicht-Aufregung. In der Reaktion auf die neueste Provokation der FPÖ kann man nicht gewinnen. Sie liefert wieder einmal ein zweifelhaftes Lied ab.
Zur Erinnerung: Die FPÖ hat ein erstaunlich reiches Angebot an Liedgut, vom Strache-Rap über den FPÖ-Song bis zur John Otti Band ist vieles dabei. Das ist natürlich kein Zufall, denn die FPÖ hat wie Donald Trump verstanden, dass die rein intellektuelle und politische Ansprache nicht reicht. Ihr Publikum möchte gerne unterhalten werden und genau das tut man mit Liedern, Videos oder Show-Kämpfen.
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Die FPÖ hat deshalb auch jetzt wieder einmal ein Lied herausgebracht. Ob das die korrekte Bezeichnung für das Machwerk ist, bleibt abzuwarten. Der "Remigrations-Song" scheint von vorne bis hinten von KI hergestellt und womöglich auch gesungen worden zu sein. Bemerkenswert ist, dass der Text im bundesdeutschen Zungenschlag daherkommt. Früher war man deutlich bemühter, österreichisches Deutsch zu verwenden, aber einer KI ist das wohl einerlei.
Das ändert natürlich nichts an der Ausrichtung des Songs und des dazu gehörenden Videos. Enervierend fröhliche Menschen winken Deportationsfliegern hinterher, während eine animierte männliche Schlagerstimme "Lalala" schunkelt. Bemerkenswert sind auch Reime wie “frei” auf “frei”.
Einmal ist das Flugzeug “leicht” und “frei” und einmal ist Österreich “frei”. Das ist eine historische Anspielung auf Leopold Figls “Österreich ist frei” vom Staatsvertrag 1955. Die Assoziation, dass Österreich frei von einer bestimmten religiösen oder gesellschaftlichen Gruppe ist, ist aber auch nicht weit hergeholt.
Fröhlich in den Faschismus
Das Video ist voller KI-Stock-Bilder. Alles ist bunt, alles ist perfekt, alle sind fröhlich und tanzen, weil die “Airbert One” abhebt und - “lalala” - Menschen deportiert. “Remigration” sind aber nicht “bloß” Abschiebungen. Das “Remigrations”-Konzept der extremen Rechten sieht keine rechtsstaatlichen Prozesse mehr vor, sondern möchte “unpassende” Leute loswerden. Kleinigkeiten wie Aufenthaltstitel oder gar Staatsbürgerschaften spielen da eine untergeordnete bis irrelevante Rolle.
Wer nicht glauben will, dass Rechtsextreme so etwas ernsthaft anstreben, muss nur sehen, wie viele Menschen seit dem neuerlichen Amtsantritt von Donald Trump ohne jede Rechtsgrundlage und Schuld in den USA gejagt, festgenommen, in Lagern gefangengehalten oder gar in ausländische Gefängnisse gebracht wurden. Der dafür mitverantwortliche Trump-Scherge Greg Bovino war jüngst auch bei einem “Remigrationsgipfel” in Europa. Dort fotografierte er sich begeistern mit Rechtsextremen, die das Konzept von Vertreibungen und ethnischen Säuberungen vor allem auch in Österreich und Deutschland propagieren. In der AfD - und noch mehr in der FPÖ - wird das längst schamlos übernommen.
Das Leid anderer zu feiern ist ein Merkmal des Faschismus
Im Video der FPÖ werden primär Menschen aus Afghanistan dargestellt, schließlich erhofft man sich hier die meiste Zustimmung für jegliche brutale Maßnahme. “Remigration” meint aber ausdrücklich alle Menschen mit Migrationshintergrund.
Sich am Leid anderer Menschen so nervenzehrend fröhlich zu ergötzen, ist ein Markenkern des Faschismus. Es reicht nicht nur, anderen Gewalt und Leid anzutun, man muss es auch genießen und feiern. Das Leid der Anderen ist immer auch Selbstbestätigung und spirituelle Reinigung. Die FPÖ radikalisiert sich mit diesem Lied weiter und nähert sich den trump’schen Methoden an. Der affirmative Einsatz von KI in sämtlichen Lebenslagen ist nur konsequent. KI ist schließlich die Ästehtik des digitalen Faschismus geworden
Österreich zuckt mit den Schultern
In Österreich ist das nicht einmal mehr ein großer Skandal. Es wird stirnrunzelnd bis feixend zur Kenntnis genommen. Beides sind inadäquate Reaktionen. Schlimmer wäre nur noch das immer neue Entsetzen, als würde man die FPÖ zum ersten Mal treffen.
Die bittere Wahrheit ist doch, dass keine demokratische Kraft willens ist, sich ernsthaft mit dem auseinanderzusetzen, was sich hier abspielt. Man liefert die immer selben Reaktionen oder Nichtreaktionen ab. Aber man macht nichts, um die nächste weitere normalisierte Radikalisierung zu verhindern. Die FPÖ steht bei etwas unter 40 Prozent - und die demokratischen Parteien stecken den Kopf in den Sand.
Dann braucht man sich auch nicht weiter wundern, wenn man vom niederträchtigen KI-Slop überrannt wird. Österreich ist ein Paradebeispiel für ein Land geworden, in dem sich (fast) alle damit arrangiert haben, dass Rechtsextrem das neue Normal ist.
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