Morgenmoment
/ 9. März 2021

Guten Morgen!

Ich finde ja wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Qualifikation um sich schmeißen. Die war übrigens auch vor 100 Jahren weniger wert, wenn du eine Frau warst. Dein Morgenmoment kommt heute von Sebastian Panny.

#1 Möchtest du das teilen?

Das Jahr 2000 wurde fast allen Befürchtungen gerecht. Immerhin war Anton aus Tirol von DJ Ötzi damals unser geringstes Problem. Es war ein Jahr der Katastrophen, in dem der Strom ausfiel, Flugzeuge explodierten und Deutschland Europameister wurde. Was außerdem Arschgeweihe und Wolfgang Schüssel gemeinsam haben und warum das Jahr 2000 entgegen einiger Meinungen sehr wohl die Jahrtausendwende bedeutete, erzählen dir die Gebrüder Moped in der neuen Ausgabe ihres Podcast des Jahres. 

#2 HerStory

Wir feiern den ganzen März als “Women’s History Month” und damit jeden Tag große Österreicherinnen. Heute stellen wir dir Elise Richter näher vor. Sie war Österreichs erste Universitätsprofessorin. 

Richter wuchs in einem großbürgerlichen Haushalt auf. Obwohl die Eltern früh starben, waren sie und ihre Schwester durch das Erbe finanziell abgesichert. Das erlaubte es Richter, sich einem Studium zu widmen. Ab 1891 durfte sie als Gasthörerin an der Universität Wien Lehrveranstaltungen besuchen. Die Matura konnte sie 1897 ablegen - erst 1896 wurde dies Frauen gestattet. Ein Jahr später inskribierte sie als eine der ersten drei Studentinnen an der Universität Wien. 

1901 promovierte Richter und wurde Doktorin der Philosophie. Ihr Wunsch zu habilitieren stieß jedoch auf Widerstand. Das Dekanat hatte Bedenken, ob denn eine Frau Männer unterrichten könne. Doch 1905 gelang Richter auch die Habilitation und zwei Jahre später erhielt sie eine Lehrerlaubnis. Damit war sie die erste Privatdozentin Österreichs.  

Studenten mit klerikaler und nationaler Gesinnung demonstrierten gegen ihre erste Vorlesung. Für sie war nicht nur undenkbar, dass eine Frau an der Universität lehren sollte, Richter war noch dazu Jüdin. Doch Richter blieb an der Universität und erhielt 1921 als erste Frau eine außerordentliche Professur. Fast die Hälfte des zuständigen Gremiums hatte sich allerdings dagegen ausgesprochen. Eine ordentliche Professur wurde ihr verwehrt. 

Richter blieb in politischen Fragen ihrer bürgerlichen Herkunft treu. Sie setzte sich in der Bürgerlich-demokratischen Arbeitspartei vor allem für die Bildung von Frauen ein, 1934 trat sie der Vaterländischen Front unter Dollfuß bei. Damals hatte sie dem Judentum schon längst den Rücken gekehrt: Richter hatte sich 1911 protestantisch taufen lassen. Für die Nationalsozialisten machte das keinen Unterschied. Sie entzogen Richter nach dem Anschluss Österreichs 1938 die Lehrbefugnis. 1942 wurde sie in das Ghetto Theresienstadt deportiert, wo sie ein Jahr später verstarb.

#3 Hast du das gesehen?

Frauenministerin Susanna Raab war in der ZiB2 am Sonntag zu Gast, um über den Weltfrauentag und die Situation von Frauen während der Corona-Krise zu sprechen. Klare Antworten hat man bei dem Interview eher vergeblich gesucht. Gefunden haben wir vor allem Widersprüche: Warum sollten wir Frauen "aufqualifizieren", wenn sie bereits besser qualifiziert sind, als Männer? Und wenn Frauen etwa von der Krise stärker betroffen sind, warum bekommen sie dann weniger Hilfsgelder von der Regierung? Wir haben wieder einmal die Pausetaste gedrückt und die Aussagen von Susanne Raab auf Fakten abgeklopft.

#4 Lesetipp

Die Pläne von Umweltministerin Leonore Gewessler sind ambitioniert: Sie will 100.000 neue Klimajobs schaffen, um gleichzeitig die Arbeitslosigkeit und die Klimakrise zu bekämpfen. Die Idee ist nicht schlecht, aber am Weg zum Erfolg stehen einige Hürden. Wo man ansetzen muss, damit die Aktion des Umweltministeriums positive Auswirkungen auf Arbeitsmarkt und Klimakrise hat, kannst du in diesem Artikel nachlesen.

#5 Gegengelesen

Der Brandanschlag auf eine Wiener Trafikantin am Freitag hat großes Entsetzen ausgelöst. Doch wie so oft ist die Medienberichterstattung nach einer Gewalttat gegen eine Frau sehr problematisch. Grund genug für uns, den Rotstift zu zücken und uns an ein Gegengelesen zu machen.

In diesem Fall kommt der Bericht von der Kronen Zeitung: Da wird schon im Vorspann so getan, als hätten sich der Täter und das Opfer in ihrer Beziehung nichts “geschenkt”. Dabei war der Ex-Partner derjenige, von dem die Gewalt ausging. Auch eine Beschreibung der Tat, bei der das Opfer in den Mittelpunkt gestellt wird und der Täter verschwindet, ist verharmlosend: Die Frau stand nicht einfach in Flammen - sie wurde von ihrem Ex-Partner angezündet.

Nicht nur im Boulevard ist die Berichterstattung in solchen Fällen oft schwierig. Dabei tragen Medien große Verantwortung, wenn es um Gewaltprävention geht. Welche Fehler sie in solchen Fällen immer wieder machen und wie man über solche Taten eigentlich berichten sollte, haben wir in diesem Artikel zusammengefasst.

Ich wünsche dir einen schönen Dienstag!

Sebastian

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