Moment mal! Steuern zahlen? Das machen doch nur Anfänger!
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/ 16. Februar

Prosit Neujahr! Na nicht für euch. Für die Konzerne! Das neue Steuerjahr startet heute. Weil: Konzerne zahlen nicht jeden Tag Steuern auf ihre Gewinne, so wie wir. Bis jetzt haben sie keinen Cent für das Jahr 2020 gezahlt.

Moment mal mit Barbara Blaha!
 

Du liest lieber? Hier der Text zum Video:

Je größer der Konzern, desto kreativer die Tricks, um Steuern zu vermeiden. Also: möglichst wenig für die Allgemeinheit beizutragen.

Der beliebteste Trick: Konzerne  versuchen ihre Gewinne, für die sie Körperschaftssteuern bezahlen müssen, möglichst dorthin zu verschieben, wo die Steuer auf Gewinne am niedrigsten ist. Wie das geht?

So funktioniert es

Schritt 1: Der Konzern gründet eine Niederlassung. Also nicht mit Büro und Mitarbeitern, mit Topfplanzen und Bürotratsch. Nein, da reicht ein Briefkasten, in den beliebten Steuersümpfen, schön weit weg, schön dunkel, damit niemand sieht, was sich da drinnen alles versteckt.

Schritt 2: Die Briefkastenfirma stellt anderen Teilen des Konzerns Rechnungen aus. Aber bitte bloß nicht für ECHTE Waren, die man wirklich herumschippern müsste, nein, für Lizenz- und Markenrechte oder für Finanzprodukte. Je fiktiver der Wert, den man festsetzen kann … desto BESSER!

Schritt 3: Diese “Rechnungen” schmälern den Gewinn gezielt dort, wo er hoch besteuert werden würde. Und steigern den Gewinn des Briefkastens im Steuersumpf, wo er so gut wie gar nicht besteuert wird.

Alles legal

Tatkräftig unterstützt werden die Multis dabei von einer ganzen Branche an Steuervermeidungs-Experten.

In ganz Europa schleusen die Konzerne ihre Gewinne an der Allgemeinheit vorbei. Ganz legal natürlich.

Laut Europäischem Parlament gehen „in der EU pro Jahr schätzungsweise eine Billion Euro durch Steuerbetrug, Steuerhinterziehung, Steuerumgehung und aggressive Steuerplanung verloren“. Dies entspricht einer „jährliche[n] Kostenbelastung von annähernd 2000 Euro pro EU-Bürger“

Allein in Österreich werden wir auf diese Weise um Steuereinnahmen von 1,3 Milliarden Euro gebracht.

Das Geld fehlt

Mit diesem Geld könnten wir die durchschnittliche Pension aller Frauen in Österreich wie von Zauberhand: Verdoppeln! Wir könnten eine Kindergrundsicherung einführen und Kinderarmut in Österreich schlicht abschaffen.

Und wir stellen den Unternehmen ja jede Menge zur Verfügung: Schulen und Unis, wir sorgen für qualifizierte Arbeitskräfte, geben Industrie- und Gewerbeflächen her, halten ein ausgebautes Schienen- und Straßennetz in Schuss.

Das nehmen sie gern - ihre Gewinne versteuern sie dann aber lieber woanders. Und wer zahlt den Schaden? Wir! Die ArbeitnehmerInnen, die KonsumentInnen: Was DIE weniger beitragen, müssen WIR ausgleichen. Und natürlich  die kleinen und mittleren Unternehmer: Die zahlen ihre Steuern ja hier, während die Großen die “eingesparten” Steuergelder noch dazu nutzen können, kleinere Konkurrenten vom Markt zu drängen.

So bekämpfen wir es

Es wäre gar nicht so schwierig, die Gewinnverschiebung mit Milliarden-Schäden zu beenden. Wenn wir es in allen  EU-Mitgliedsstaaten gemeinsam angehen.

Schritt 1: Wir berechnen den Gewinn eines Unternehmens weltweit. Bisher schaut jedes Land nur auf den Gewinn, der in diesem Land ausgewiesen wird. Das ist so zeitgemäß wie ein Festnetz-Vierteltelefon.

Schritt 2: Wir schauen uns an, in welchen Ländern dieses Unternehmen Beschäftigte hat oder Umsatz macht.

Schritt 3: Wir teilen den Gewinn entlang dieser Indikatoren auf - und besteuern ihn dann auch dort. Wenn ein Konzern also zehn Prozent der Umsätze und Beschäftigten in Österreich hat, dann können wir zehn Prozent des Gewinns besteuern. Und zwar mit unserem Steuersatz.

Die kleine Briefkastenfirma im Steuersumpf hat keine Beschäftigen und keinen Umsatz? Dann kann dort nicht mehr der Löwenanteil des Gewinns versteuert werden.

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