Steuervermeidung: Jeff Bezos kaum Einkommenssteuer

Steuervermeidung in gigantischem Ausmaß: Jeff Bezos, der wohl reichste Mensch der Welt, zahlt Bruchteile an Einkommenssteuer. // Foto: Seattle City Council (CC BY 2.0)

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/ 8. Juni 2021

Es sind Zahlen mit Sprengkraft. Zahlen, die zeigen, wie die Reichsten der Reichen trotz Milliarden an Einkommen, nur Bruchteile davon an Steuern zahlen. Sie betreiben Steuervermeidung in gigantischem Ausmaß. Die investigative Redaktion von ProPublica veröffentlichte geheime Unterlagen der US-Steuerbehörden. Dabei kommt heraus: Jeff Bezos, Amazon-Gründer und der wohl reichste Mensch der Welt, steigerte sein Vermögen zwischen 2014 und 2018 um gigantische 99 Milliarden Dollar – und zahlte im gleichen Zeitraum 973 Millionen Dollar an Steuern.

Steuervermeidung: Jeff Bezos zahlt nur ein Prozent Steuern

Das entspricht nicht einmal einem Prozent seines Vermögenszuwachses. Vor den Steuerbehörden gab Bezos ein Einkommen von 4,22 Milliarden Dollar an. Berücksichtigt man nur dieses Einkommen, hat Bezos nicht einmal 25 Prozent an Steuern darauf gezahlt. Dabei galt für ihn eigentlich der Höchststeuersatz von 37 Prozent. Die umfangreichen Daten, die ProPublica vorliegen, zeigen, wie die Reichsten das US-Steuersystem umgehen.

Steuervermeidung heißt: Sie nutzen gezielt legale Steuerschlupflöcher, etwa mit dem Ehegattensplitting oder indem sie Vermögenswerte auf ihre Kinder übertragen. Beliebt ist das sogenannte Tax-Loss-Harvesting: Wertpapiere, die verloren haben, werden verkauft und dieser Verlust mit gemachten Gewinnen bei anderen Wertpapieren gegengerechnet. Auf diese Weise sinkt der Netto-Gewinn und die Person muss weniger oder gar keine Steuern zahlen.

Für normale Menschen unerreichbare Strategien der Steuervermeidung

So wie Jeff Bezos: Im Jahr 2011 - sein Vermögen betrug damals rund 18 Milliarden Dollar - gab er in seiner Steuererklärung an, Geld verloren zu haben. Ergebnis: Er erhielt sogar eine Steuergutschrift von 4.000 US-Dollar für seine Kinder.

„Zusammengenommen zerstört es den Eckpfeiler des amerikanischen Steuersystems: dass jeder seinen gerechten Anteil zahlt und die reichsten Amerikaner am meisten zahlen“, schreibt ProPublica. „Amerikas Milliardäre bedienen sich Strategien der Steuervermeidung, die für den Normalbürger unerreichbar sind.“ Und: Diese Strategien sind legal.

Reichste wurden um 400 Milliarden reicher, zahlten 3,4 Prozent Steuern

Bezos ist nur einer derjenigen, die das Steuersystem aushebeln. ProPublica verglich, wie viel die 25 reichsten Personen aus den USA - darunter Elon Musk, Mark Zuckerberg, Bill Gates, George Soros - jedes Jahr an Steuern zahlen mit den Schätzungen von Forbes darüber, wie ihr Vermögen im selben Zeitraum gewachsen ist. ProPublica nennt das den „wahren Steuersatz“.

Die Ergebnisse sind bedrückend: Um 401 Milliarden Dollar wuchsen die Vermögen der 25 Reichsten zwischen 2014 und 2018. In diesen fünf Jahren zahlten alle zusammen 13,6 Milliarden Dollar Bundeseinkommenssteuer. Viel Geld, ja. Aber es entspricht gerade einmal 3,4 Prozent des Vermögenszuwachses.

 

Die wahre Steuerrate von Warren Buffett, Jeff Bezos, Michael Bloomberg und Elon Musk: Zwischen 2014 und 2018 wuchsen die Vermögen rasant, die Steuerleistung blieb aber mies.

Wahrer Steuersatz: Warren Buffett zahlt ein Tausendstel auf sein Einkommen

Warren Buffett hat unter den Reichsten anscheinend die gerissensten SteuerberaterInnen: Er zahlte nur 0,1 Prozent wahre Steuern auf seinen Vermögenszuwachs von fast 25 Milliarden Dollar. Zwischen 2014 und 2018 gab er aber nur 125 Millionen Dollar Einkommen an – und zahlte nicht einmal ein Fünftel davon an Steuern.

Zum Vergleich: Angehörige der Mittelschicht konnten ihr Vermögen im Durchschnitt um 65.000 Dollar nach Steuern steigern. Gleichzeitig mussten sie durchschnittlich 62.000 Dollar an Einkommenssteuern zahlen.

Normalverdienende tragen Vielfaches der Steuern, bei einem Bruchteil der Einkommen

Im Jahr 2018 besaßen die reichsten 25 Vermögen im Wert von 1,1 Billionen. Es bräuchte 14,3 Millionen normale LohnempfängerInnen, um auf den gleichen Betrag zu kommen. Aber: Unter dem Strich zahlten die Reichsten im selben Jahr 1,9 Milliarden Dollar Steuern. Die Normalverdienenden jedoch 143 Milliarden Dollar. Sie trugen also ein Vielfaches der Steuerleistung, bei einem Bruchteil der Einkommen. Ein schwer zu ertragendes Ungleichgewicht: „Niemand liebt es, sein hart verdientes Geld an die Regierung zu geben“, schreibt ProPublica. „Aber das System funktioniert nur so lange, wie es als fair empfunden wird.“

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