Eine gepackte Reisetasche neben einem Sessel. Im Artikel geht es um Studentenheime in der Corona Krise.

In der Krise leeren sich die Zimmer der Studentenheime. Aber gezahlt wird weiter.

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/ 17. März 2021

Nach monatelanger Online-Lehre sind viele Studierende zurück zu ihren Eltern gezogen. Ihre Heimzimmer an ihrem Studienort benötigen sie nicht mehr. Bezahlen müssen sie aber trotzdem.

Im ersten Lockdown im März 2020 haben alle Unis zugemacht. Sarah, die erst im Herbst davor fürs Studium nach Graz gezogen war, ging zurück zu ihren Eltern nach Niederösterreich. Ihre Lehrveranstaltungen fanden nur noch online statt. Den Mietvertrag für ihr Zimmer im Grazer Studentenheim wollte sie kündigen. Doch der Vertrag galt für das gesamte Semester, ein vorzeitiger Ausstieg war nicht möglich. Lange musste ihre Familie 350 Euro pro Monat für das leere Zimmer bezahlen. “Ich bin noch im März vor dem Lockdown in ein teureres Zimmer gezogen und habe dort starke eineinhalb Wochen gewohnt, bevor wir alles umsonst bezahlt haben”, sagt sie.

David war in einer ähnlichen Situation: Im Oktober 2020 zog er in ein Studentenheim in Wien. Bereits Ende des Monats unterschrieb er die Kündigung seines Mietvertrages. Auch seine Vorlesungen waren komplett in den virtuellen Raum verlegt worden, sein Zimmer in Uni-Nähe war damit überflüssig. Das Heim bestand auf eine dreimonatige Kündigungsfrist. Sollte aber ein neuer Mieter in das Studentenheim einziehen, versprach es, würde dieser Davids Zimmer und seine Kosten übernehmen. Immerhin kostete sein Zimmer 435 Euro pro Monat. Passiert ist das nicht. „Ich habe also für vier Monate bezahlt, obwohl ich nur ein bisschen mehr als einen Monat wirklich dort gewohnt habe“, sagt David.

Studentenheim: Vorzeitige Kündigungen kaum möglich

Sarah und David ärgern sich über das hinausgeschmissene Geld. Im Großen und Ganzen haben sie aber Glück gehabt. Die Mieten für die Zimmer waren für sie und ihre Familien finanziell zu verkraften. Aber nicht alle können die Ausgaben so einfach wegstecken.

„Wir haben bereits über hundert solcher Fälle mietrechtlich bearbeitet“, sagt Josef Iraschko von der Wohn- und Mietberatung der Bundes-ÖH, “Das ist ein riesiges Problem.” Sogar Studierende aus dem Ausland, die wegen der Corona-Maßnahmen in ihren Heimatländern nicht mehr nach Österreich einreisen dürfen, haben sich bei der Beratung gemeldet. Auch sie müssen weiterhin für ihre Heimplätze bezahlen. Iraschko weiß von keinem Fall, wo es gelungen ist, den Mietvertrag frühzeitig zu beenden. „Die Studentenheime blocken ab“, sagt er.

Das bestätigt Viktoria Grubelnik, die sich im Sozialreferat der ÖH Joanneum mit dem Problem beschäftigt hat. „Die Heime haben sich immer darauf berufen, dass man bei einer Mietwohnung auch die gleiche Kündigungsfrist hätte“, sagt sie. In einem der drei Standorte der FH Joanneum, hat sogar die Geschäftsführung der Fachhochschule versucht, einen Kompromiss mit den Studentenheimen zu finden – vergebens.

Corona als „soziale Notlage”?

Im österreichischen Studentenheimgesetz werden die Gründe aufgezählt, die eine vorzeitige Kündigung erlauben. Einer davon ist eine „plötzlich auftretende soziale Notlage“. Befindet sich ein Studierender in einer solchen Notlage, wenn er beispielsweise aufgrund von Corona seinen Nebenjob verloren hat und nun die Miete nicht mehr bezahlen kann? Das müsste ein Gericht entscheiden. “Vor Gericht gehen Studierende aber nicht”, sagt Josef Iraschko, “Das können sie sich nicht leisten.”

Auf Nachfrage bei dem Studentenheim, in dem David gewohnt hat, heißt es nur: „Jeder Wunsch eines Heimbewohners, seinen Benutzungsvertrag vorzeitig zu kündigen, wird individuell von uns geprüft.“

Mehrere Beratungsstellen bestätigen, dass sie aktuell Studierende in finanziellen Nöten betreuen, die ihre Heimplätze weiter bezahlen müssen. Betroffene wollten auf MOMENT-Anfrage allerdings nicht öffentlich darüber sprechen. Konkrete Zahlen, wie viele Studierende das sind, gibt es nicht.

Kosten auf Studierende abgewälzt

Josef Iraschko schlägt vor, die Heime sollten sich bei finanziellen Problemen an die Regierung wenden und um Corona-Hilfsgelder ansuchen. Passiert sei das bis dato noch nicht. „Die Heime setzen sich lieber mit denen auseinander, die sich nicht wehren können: den Studierenden“, sagt er.

Mittlerweile sind David und Sarah die Zimmer im Studentenheim los - und damit auch die finanzielle Belastung. Sarah will trotz allem wieder eine Wohnung in einem Heim, sobald sie ihrem Studium offline nachgehen kann. David wird auch nach der Krise nicht mehr in einem Studentenheim wohnen. Zu sehr ärgert er sich über das fehlende Entgegenkommen.

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