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Demokratie

Wegducken bringt nix: Trump sieht Europa als Feind

Wegducken bringt nix: Trump sieht Europa als Feind
"Alles was Trump anfasst verwandelt sich in Scheisse" (Foto: Geoff Livingston - https://www.flickr.com/photos/geoliv/54334609916/, CC BY 2.0, Link)
Europa ist für das Trump-Regime der Feind. Dieses Problem lässt sich nicht mit milden Worten weglächeln. Warum? Natascha Strobl kommentiert.

Die USA sehen Europa als Feind. Diese Tatsache ist offensichtlich, wird aber von den meisten Politiker:innen noch nicht ausreichend anerkannt. Erst langsam wachen sie auf. Honig ums Maul schmieren und wegducken sind hingegen keine passenden Strategien bei Trump.

Vor einigen Monaten, im August, machte die Schweizer Präsidentin einen entscheidenden Fehler. Sie dachte, dass man mit Donald Trump normal verhandeln kann. Nach dem Telefonat kündigte Trump noch höhere Zölle an, insbesondere auf Gold. Das wäre ein entscheidender Schlag für die Schweiz gewesen. Fast noch schlimmer wog allerdings die Schmach, dass die smarte, globalisierte und wirtschaftlich so präzise Schweiz von Trump so vorgeführt wurde. 

Der Makel wurde ausgeglichen, indem wenig später Schweizer Wirtschaftsführer im weißen Haus aufmarschierten und, wie die Heiligen Drei Könige, Geschenke wie Gold überbrachten. Daraufhin war Trump wieder milde gestimmt und sah von Spezialzöllen für die Schweiz ab. 

Aus dieser skurrilen Episode kann man gut lernen, wie man mit einem selbstherrlichen König umgeht. Wenn man etwas von ihm möchte, dann muss man ihm schmeicheln und etwas schenken. Fühlt er sich ausreichend gebauchpinselt, ist er eher bereit zu hören. Das ist ein entwürdigender Vorgang, der die Bittsteller auch noch zu Untertanen macht. 

Gleichzeitig hat diese Peinlichkeit auch ihre Grenzen. Bildet sich der selbstherrliche König nämlich etwas ein, das er jetzt sofort bekommen möchte, dann haben alle Schmeicheleien keinen Sinn. Entweder er bekommt es oder er nimmt es sich und macht alles kaputt. 

So ist Trump leider einfach

Es ist absurd, Politik auf so einer Ebene analysieren zu müssen, aber so arbeitet Trump. Je mehr Leute ihm sagen, dass er Grönland nicht haben kann, desto drängender möchte er es.

Natürlich stehen auch handfeste Interessen dahinter. Grönland ist geografisch ein strategisch wichtiger Posten. Das trifft so nebenbei gesagt auch auf Island zu, die, sollte die Grönland-Einnahme klappen, sicherlich zu den nächsten Begehrlichkeiten gehören. 

Grönland hat unter dem dicken Eis auch zahlreiche Bodenschätze, die in unsicheren Zeiten und für eine immer größer werdende Tech-Bubble, von enormer Bedeutung sind. Das trifft im Übrigen auch auf Venezuela zu, die nicht nur Öl haben (das auf Jahre nicht adäquat gefördert werden kann), sondern viele weitere Bodenschätze wie Gold, Bauxit und seltene Erden. 

Es sind also nicht nur die Launen eines instabilen Narzissten, die die Grönlandkrise befeuern. Aber es sind die Launen eines instabilen Narzissten, womit die politischen Funktionsträger:innen in Europa umgehen müssen. Da gewinnt man durch Arschkriecherei nichts, sondern man verliert viel, nicht zuletzt Würde und Selbstachtung. 

Vance machte klar: Europa ist für Regime der Feind

Der uncharistmatische JD Vance hat es bei der Münchner Sicherheitskonferenz sehr deutlich gemacht: Europa ist der Feind. Die versammelte politische Elite war betroffen, aber mehr darum bemüht, den Schein und die Etikette zu wahren, als diesen Clown auszulachen und diese peinliche Show entsprechend zu beantworten.

Es hat viele Gründe, warum Europa als Feindin gesehen wird. Europa ist zwar schon eine Hauptabnehmerin der Produkte der amerikanischen “Broligarchie”, aber Regulierung, Demokratie und Transparenz (so imperfekt sie uns erscheinen) behindern massiv die entsprechenden Geschäftsmodelle. Man hätte gerne das europäische Geld, aber ohne den Konsumenten-, Klima-, Jugend- und Umweltschutz, ohne Arbeitssicherheit, ohne Mitsprache und ohne Schutz vor Gewalt.

Autoritäre Charaktere wie Trump oder Vance reagieren am besten auf Härte. Wenn europäische Politiker:innen sich lieber in den Staub werfen und die einzige Sprache, die sie kennen, milde Diplomatie ist, dann braucht man sich nicht wundern, wenn die europäische Demokratie einen kläglichen Tod stirbt. 

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