Gebäude auf dem das Logo des US-Konzerns Amazon angebracht ist.

Bryan Angelo, Unsplash

/ 27. März 2020

US-Riese Amazon und Corona: Arbeit unter gefährlichen Bedingungen

Der ohnehin schon den Online-Handel dominierende US-Konzern Amazon gehört zu den Gewinnern der Corona-Krise. Die Menschen bleiben zu Hause, viele Geschäfte haben geschlossen oder ausverkaufte Produkte. Während der Großteil der Wirtschaft stillsteht und viele Menschen ihre Arbeitsplätze verlieren, hat das Unternehmen angekündigt, sein Personal aufzustocken. Um mit der steigenden Nachfrage zurechtzukommen, sollen bis zu 100.000 Mitarbeiter neu eingestellt werden. Doch während die Pandemie fortschreitet, behält Amazon seine prekären Krankenstand-Bestimmungen bei. 

Wenig Schutz für MitarbeiterInnen

Und das Unternehmen verschärft sogar die Arbeitslast: Während die MitarbeiterInnen der Amazon-Lager vor der Pandemie vier Tage pro Woche 10 Stunden am Tag arbeiten mussten, hat sich dies durch die steigende Nachfrage geändert, erzählt eine Lagerarbeiterin aus den USA. Ihre MitarbeiterInnen und sie müssten jetzt fünf Tage in der Woche, 10 Stunden am Tag arbeiten.

Zwar gibt es Handschuhe und Desinfektionsmittel, doch sonst würden fast keine Maßnahmen zum Schutz der ArbeitnehmerInnen getroffen. Die Waren haben in der Lieferkette Kontakt mit sehr vielen Menschen. Und im Lager selbst gibt es nicht einmal eine Belüftung: Ein Mal Niesen und die Bakterien bleiben im Haus, erzählt die Amazon-Mitarbeiterin.   

Corona-Fälle in mindestens 11 Amazon-Lagern

Die prekären Maßnahmen von Amazon tragen Früchte: Laut CNN gab es in mindestens 11 Amazon-Lager in den USA Fälle des Corona-Virus. Amazon hat zwar mittlerweile einige Standorte vorübergehend geschlossen, hat aber auf Massenschließungen weitgehend verzichtet.

Kein Krankenstand trotz Coronavirus

Mit der Krise wird wieder deutlich, unter welchen harten Bedingungen Amazon-MitarbeiterInnen arbeiten müssen. Ein großer Teil der Beschäftigten bei Amazon in den USA - insbesondere Teilzeitkräfte und VertragsarbeiterInnen - erhält keine bezahlten Krankenstand-Zeiten

Krank zu werden ist bei vielen Unternehmen in den USA etwas, das sich MitarbeiterInnen kaum leisten können. Es ist eine Folge des schlecht ausgebauten Sozialstaats und der schwachen Arbeitsrechte in den Vereinigten Staaten. Gerade für so einen reichen Konzern und noch dazu in einer so schwierigen Situation ist es aber besonders beschämend.

Als Reaktion auf die Pandemie kündigte Amazon an, dass es "allen Amazon-Mitarbeitern, bei denen COVID-19 diagnostiziert wurde oder die unter Quarantäne stehen", zwei Wochen Krankenstand zur Verfügung stellen würde. Doch wer bloß Symptome zeigt oder sich um kranke Familienangehörige kümmern muss, ist von dieser Regelung ausgeschlossen.

KundInnen sollen für Amazon-MitarbeiterInnen spenden

Noch schlimmer trifft es Amazons Vertragsarbeitskräfte, die Pakete ausliefern müssen. Diesen gewährt Amazon überhaupt keinen Krankenstand, selbst wenn sie positiv auf das Coronavirus getestet werden. In diesem Fall müssen diese einen Antrag bei "Amazon-Hilfsfonds" stellen und einen Zuschuss zur Finanzierung ihres Krankenstandes beantragen.

Der Fond konzentriert sich Amazon zufolge “auf die Unterstützung unserer in den USA ansässigen Lieferpartner, die aufgrund einer COVID-19-Diagnose oder einer Quarantäne finanziell in Not sind". Amazon stellte dem Fond 25 Millionen Dollar bereit. 

Besonders absurd: Der Megakonzern bat zusätzlich um Spenden seiner KundInnen per SMS. Schon bald hagelte von vielen Seiten an Kritik: Ausgerechnet das Unternehmen, das sich im Besitz der reichsten Menschen der Welt befindet, wirbt um KundInnen-Spenden für den Krankenstand der MitarbeiterInnen.

Unternehmen reagiert nur mit kleinen Schritten

Doch anstatt ihre Krankenstand-Bestimmungen zu bezahlen, änderte Amazon den Wortlaut ihres Aufrufs und schaffte die Option der SMS-Spende ab.

Mittlerweile hat Amazon hat seinen Stundenlohn um 2 Dollar pro Stunde erhöht und die Bezahlung von Überstunden verdoppelt. Das ist zwar löblich, doch scheint in Verbindung mit einem kaum bezahlten Krankenstand ein zusätzlichen Anreiz zu sein, krank zur Arbeit erscheinen. 

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