Was steckt hinter Viktor Orbáns Verschwörung? Warum spricht er von Soros? Man sieht die Politologin Natascha Strobl und Ungarns Präsident Victor Orbán.
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Natascha Strobl
/ 6. April 2022

Ungarn hat gewählt: Viktor Orbán und seine Partei Fidesz gewinnen die Wahlen. In seiner Siegesrede kreiert er typische Feindbilder: Er spricht von den bösen Linken und Georg Soros. Aber was steckt genau hinter Victor Orbáns Verschwörung? Politologin Natscha Strobl analysiert.

Was will Viktor Orbán eigentlich?

Ungarn hat gewählt, die Partei von Viktor Orbán Fidesz ist mit einer Zweidrittelmehrheit aus dieser Wahl ausgestiegen. Die vereinigte Opposition, eine Opposition, die von Sozialdemokrat:innen über ganz, ganz viele Parteien bis hin zur rechtsextremen Jobbik reicht, hat es nicht geschafft, auch nur annähernd dorthin zu kommen, wo Orbán ist. Die Siegesrede von Viktor Orbán kann uns hier einige Aufschlüsse geben. Viktor Orbán hat sich an diesem für ihn triumphalen Abend hingestellt und hat gesagt. Er hat triumphiert.

Orbán hat triumphiert gegen sechs Feinde:

  • Die Linke im Inland
  • Die Linke im Ausland
  • Die Medien im Ausland
  • George Soros
  • Die Brüsseler Bürokraten
  • Wolodymyr Selenskyj

Warum diese Ansammlung von Menschen? Schauen wir uns doch mal im Detail an. 

Was steckt hinter Orbáns Verschwörung?

Erstens einmal die Linke, eine konstruierte, übermächtige Linke, die immer nur darauf aus ist, das Schöne und Gute, das in einem Land, in diesem Fall Ungarn, das zu zerstören. Und sie arbeiten hier im Inland und im Ausland miteinander zusammen. Und jetzt muss man sich vorstellen, dass Orbán mit zwei Dritteln gewonnen hat und davor schon Regierungschef war.

Er sieht sich gleichzeitig aber als Opfer, als Getriebener einer fiktiven, übermächtigen Linken an. Das heißt, er ist eigentlich der, der aus dem Untergrund heraus unwahrscheinlich diese Wahl gegen diesen großen, übermächtigen Gegner gewinnt. Man sieht schon, das ist Verschwörungsglaube. Das ist Paranoia.

Und die Idee von Linken, die in der Form, wie er sie beschreibt, gar nicht existieren, dass die zusammenarbeiten, das heißt, dass die im Inland auch noch dem Vaterland der Nation schaden wollen, indem sie mit denen aus dem Ausland zusammenarbeiten, deutet schon darauf hin, dass das eine ganz große Verschwörungsideologie ist.

Georg Soros als antisemitisches Feindbild

In diesem Verschwörungsdenken haben wir immer auch schon diese antisemitischen Codes drinnen und das zeigt sich besonders dann, wenn man sieht, welche Namen genannt werden. Das ist George Soros, ein jüdischer Milliardär, der liberale, weltoffene, gesellschaftspolitische Projekte unterstützt.

Er wird zum Drahtzieher einer international agierenden Linken gesehen. Hier haben wir ganz offen den Antisemitismus drin, genauso wie die internationalen Medien, die eine Kampagne führen. Das heißt, sie berichten gar nicht objektiv, sondern sie führen eine Kampagne gegen Ungarn, gegen Orbán und diese unwahrscheinlichen unterdrückten Opferposition hat Orbán sich hinauf geschwungen und hat obsiegt.

Dazu passen auch die Brüsseler Bürokraten, die keine Nation angehören, sondern auch wieder übernational agieren, die keine Namen haben, sondern eine dunkle, unsympathische Macht sind, die auch übermächtig ist und die versucht hat, Orbán zu schaden. Man sieht, das Muster wiederholt sich. Bemerkenswert ist, dass am Schluss als Gegner auch noch Selenskyj genannt wird, Wolodymyr Selenskyj, der Präsident der Ukraine, einem Land, das gerade mit Krieg überzogen wird, das Opfer von Massakern, von Kriegsverbrechen ist, der wird auf einmal zum Gegner.

Orbán entsagt auch ganz offen die Solidarität mit der Ukraine, mit den Menschen in der Ukraine. Er stellt Selenskyj als Gegner dar, weil Selenskyj gebeten hat, dass Ungarn den Pro-Putin Kurs doch bitte überdenken möchte.

All das ergibt eine Melange aus Paranoia, aus Verschwörungsglauben, aus antisemitischen Codes. Das ist im Jahr 2022 für ein Land in der EU mehr als bedenklich.

Ungarn schlittert nicht nur in Richtung. Autokratie, sondern in Richtung einer hoch ideologisierten Autokratie, wo antisemitische Topoi, wo antisemitische Codes vom Präsidenten am Wahlabend, am Abend seines größten Triumphs ganz selbstverständlich gebracht werden.

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