Eine Frau fährt mit einem Lastenfahrrad durch die Stadt.

Foto: Ben Kerckx/Pixabay

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/ 25. August 2021

In Deutschland gehen aktuell die Wogen hoch. Nein, nicht, wegen eines handfesten Skandals der Dimension Dieselgate. Sondern wegen einer Milliarde Fördergelder für Lastenfahrräder, die die Grünen vorgeschlagen haben. In Österreich gibt es eine solche Förderung bereits. Der Kauf von Transporträdern wird auch hier mit bis zu 1.000 Euro gefördert - in einzelnen Bundesländern können noch zusätzliche Förderungen dazu kommen.

Im Vergleich zu anderen Ausgaben im Verkehrswesen ist eine Verkehrsmilliarde in Deutschland nicht viel Geld. Für andere Verkehrsteilnehmer wird viel mehr Geld ausgegeben. Die “Abwrackprämie” für Autos belohnte etwa das Verschrotten alter und den Kauf neuer Autos mit bis zu 2.500 Euro und kostete allein 2009 5 Milliarden Euro. Und schon wenige Kilometer Autobahnbau kosten mehr als die komplette vorgeschlagene Lastenradförderung.

Trotzdem stören sich viele schon an der bloßen Idee. Auch weil die sozial ungerecht verteilten Kosten des Autos gerne übersehen werden, Lastenräder aber den Ruf haben, etwas für Besserverdiener zu sein. Aber stimmt das überhaupt? Und ist die Idee einer Förderung prinzipiell so schlecht?

Wir haben drei Gründe gesammelt, die für die Förderung und die Lastenfahrräder an sich sprechen.

#1 Lastenfahrräder sind natürlich besser für die Umwelt

Lastenfahrräder können laut einer Studie der EU in Städten jede zweite Transportfahrt mit dem Auto ersetzen. Die Berechnung ging damals von Strecken bis fünf Kilometer Länge und einem Höchstgewicht der transportierten Güter von 200 Kilogramm aus. Das sind sehr viele Alltagswege. Eine Bierkiste vom Supermarkt, ein paar Säcke Erde vom Baumarkt zu holen oder auch Werkzeug zu einem Termin zu transportieren, ist mit einem Lastenrad kein Problem.
Bewahrheitet sich auch nur annähernd, dass so viele Wege ersetzt werden können, würde der CO2-Ausstoß deutlich sinken (und andere negative Effekte des motorisierten Verkehrs wie Lärm, Platzverbrauch und Umweltbelastung auch kleiner werden). Autos sind bekanntermaßen ein Klimakiller. In Österreich ist der Verkehrssektor einer der Hauptgründe, weshalb die Klimabilanz so schlecht ist. Der Verkehr macht alles zunichte, was an Treibhausgasen in anderen Sektoren eingespart wird.

#2 Lastenfahrräder sparen Geld und machen gesünder

Eine Verlagerung hin zu mehr Radverkehr ist nicht nur gut für die Klimaziele, sondern spart der Gesellschaft auch Geld. Die versteckten Kosten des Autoverkehrs, beispielsweise durch Unfälle, Lärm und Umweltverschmutzung, liegen in Österreich bei rund 15 Cent pro Kilometer.
Ein Kilometer, der mit dem Fahrrad zurückgelegt wird, spart hingegen rund 16 Cent. Grund dafür ist vor allem der Gesundheitsnutzen aus der zusätzlichen Bewegung.

#3 Die Förderung von Lastenfahrrädern kann die soziale Ungerechtigkeit im Verkehr verringern

Lastenfahrräder kosten deutlich weniger als etwa Autos, aber sie sind nicht billig und können mehrere Tausend Euro kosten. Ohne Förderung können sich nur Menschen mit hohen Einkommen die Alternative auf zwei Rädern leisten. (Das gilt übrigens noch viel mehr für das Auto, deshalb haben fast die Hälfte der Menschen im niedrigsten Einkommensviertel auch keines.)

Das heißt aber nicht, dass das Lastenrad Menschen mit weniger Geld nicht interessiert. Eine Untersuchung des Sinus-Instituts in Deutschland (2019) zeigt, obwohl 46% der Bevölkerung noch gar nichts von Lastenrädern gehört haben, haben 10% der Bevölkerung schon heute ein Interesse daran, eines zu kaufen. Und das Kaufinteresse hänge nicht „erkennbar von der Höhe des Einkommens“ ab, berichtet der Spiegel.

Eine Förderung ist also auch ein Beitrag zu mehr Verkehrsgerechtigkeit und aus dieser Sicht zu begrüßen. Das Argument wird natürlich umso stärker, wenn die Förderung besonders ärmeren Menschen zu einem Lastenrad verhilft, die es sich sonst nicht leisten können. Pauschal 1.000 Euro Unterstützung beim Kauf sind natürlich für viele eine große Hilfe, für Menschen mit kleinen Einkommen aber oft eher zu wenig.

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