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Ungleichheit

Erste österreichische Wochen gegen Rassismus: Darum braucht es Antirassismus

Erste österreichische Wochen gegen Rassismus: Darum braucht es Antirassismus
“In a racist society, it is not enough to be non-racist, we must be anti-racist.” - Angela Y. Davis, Foto: Pexels
1966 erklärten die Vereinten Nationen den 21. März zum Internationalen Tag gegen Rassismus. Heuer finden in Österreich in der Woche davor zum ersten Mal Antirassismustage in dieser Form statt. Was steckt dahinter?

Warum gibt es den Internationalen Tag gegen Rassismus?

Am 21. März 1960 demonstrieren im südafrikanischen Sharpeville 20.000 Menschen gegen ein Gesetz der Apartheid. Die Demonstration wurde durch Schüsse der Polizei aufgelöst, 69 Menschen starben schließlich durch Polizeigewalt. Sechs Jahre nach dem Vorfall erklärten die Vereinten Nationen den 21. März als Internationalen Tag zur Beseitigung der Rassendiskriminierung. 

Wie rassistisch ist Österreich?

Österreich ist nicht frei von Rassismus. In einer EU-Studie zu Rassismus gegen Schwarze Menschen hat Österreich neben Deutschland am schlechtesten abgeschnitten. Hierzulande gaben 72 Prozent der Befragten an, in den vergangenen fünf Jahren wegen ihrer Hautfarbe, Herkunft oder Religion benachteiligt worden zu sein. Noch vor einigen Jahren berichteten nur 5 von 10 Personen davon. Auch die Zahl der rechtsextremistisch motivierten Straftaten ist in Österreich 2023 gegenüber dem Vorjahr um rund 30 Prozent gestiegen. Mit 1.208 rassistischen Übergriffen ist die Zahl auf einem Rekordhoch. Die Dunkelziffer, was rassistische Erfahrungen betrifft, ist viel höher. Das zeigt eine Studie der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte zu Minderheiten und Diskriminierung. Nur 14 Prozent der Fälle von rassistischer Belästigung und 36 Prozent rassistisch motivierter Gewalt wurden polizeilich oder bei anderen Stellen gemeldet.

Wie äußert sich dieser Rassismus?

Rassismus hat viele Erscheinungsformen. Er zeigt sich in Hass und Gewalt. Aber auch im Alltag, in unbedachten Äußerungen oder Ausgrenzungspraktiken. Und im strukturellen Rassismus, also Rassismus, der in Handlungsroutinen und Prozessen, in Strukturen und Institutionen wirkt.  Mit jeder rassistischen Handlung und Äußerung – gewollt oder ungewollt – werden Menschen abgewertet und ausgegrenzt. Rassismus trennt in ein „Wir“ und „die Anderen“. Den “Anderen” werden dabei weniger Rechte zugesprochen. Sie erleben persönliche und strukturelle Nachteile. 

Welche Veranstaltungen zum Internationalen Tag gegen Rassismus gibt es in Österreich? 

Der 21. März ist der Internationale Tag gegen Rassismus. Diesem Tag geht seit vielen Jahren ab dem 14. März die in mehreren Ländern begangene Woche gegen Rassismus voraus. In Österreich finden dieses Jahr das erste Mal Antirassismustage statt. Auftakt für diese Tage ist die erste Antirassismusmesse. Parallel dazu werden Antirassismus Workshops für Schulklassen, Podiumsdiskussionen zu den Themen Antirassismus in Bildung, Kultur, Medien und Politik sowie Projektvorstellungen von teilnehmenden Institutionen angeboten. 

Warum braucht es die Veranstaltung?

Um alle Formen von Rassismus nachhaltig zu bekämpfen, muss dieser erst einmal sichtbar gemacht werden. Vor allem für Menschen, die selbst keine rassistischen Erfahrungen machen. Denn: Sie profitieren meist von rassistischen Strukturen, ohne sich dessen bewusst zu sein. Und sie haben die Entscheidungsfreiheit, sich gar nicht erst (selbst)kritisch mit dem Thema auseinandersetzen zu müssen. Je unsichtbarerer ein Thema ist, desto weniger Auseinandersetzung findet damit statt. Deshalb braucht es Räume für Austausch und um Menschen miteinander gegen Rassismus zu verbünden und zu solidarisieren. 

Warum braucht es Antirassismus?

Die österreichische Verfassung legt fest, dass kein Mensch aufgrund „seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen und politischen Anschauungen“ und „seiner Behinderung“ benachteiligt werden darf. Rassistische Übergriffe, Anschläge und Morde sowie Berichte über rechtsextreme Netzwerke auch in staatlichen Institutionen zeigen aber: In der Praxis wird der Grundsatz oft nicht gelebt. Um Betroffene zu schützen und Rassismus nachhaltig zu bekämpfen, reicht es nicht, gegen Rassismus zu sein, es braucht Antirassismus. Antirassismus ist der aktive Kampf gegen Rassismus. Antirassistisch zu handeln bedeutet, Betroffenen zuzuhören, ihnen zu glauben und sich für sie einzusetzen. 

Was ist ein “Ally”?

Neben Aufklärung, Strafverfolgung und Prävention braucht es für die Betroffenen auch Solidarität. Und zwar nicht nur als Aufforderung nach schlimmen Taten, sondern dauerhaft. Wie? Indem Nicht-Betroffene versuchen, gute Allys von Betroffenen zu sein. Der Begriff Ally kommt aus dem Englischen und bedeutet so viel wie Verbündete:r. Jede:r kann ein Ally werden, wenn er oder sie selbst nicht Teil einer marginalisierten oder diskriminierten Gruppe ist. 

Was kann ich selbst dazu beitragen?

Prüfe deine Privilegien
Erkenne Alltagsdiskriminierung und reagiere
Höre Betroffenen zu und glaube ihnen
Lass Betroffenen genug Raum
Bilde dich weiter und informiere dich
Unterstütze Menschen, die Diskriminierung erfahren
Setze dich aktiv gegen Rassismus ein 

Hier kannst du noch mehr darüber erfahren, lesen und Betroffene unterstützen 

Black Voices Volksbegehren
How to Ally
ZARA Rassismus Report 
Antirassistische Initiativen Österreich
Aktiv werden 
Antirassismustage

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