Astrid Linder mit einem Prototyp von EvaRID
Astrid Linder hat die ersten Prototype für Crash Test Dummies gebaut, die einer durchschnittlichen Frau entsprechen. Foto: Hejdlösa bilder/VTI
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/ 14. Februar

Seit Jahren wissen wir, dass Frauen bei Autounfällen eher verletzt werden als Männer. Laut einem EU-Bericht aus dem Jahr 2013 tragen sie um 47 Prozent wahrscheinlicher eine schwere Verletzung davon. Und das mit Gurt, gleicher Körpergröße, Gewicht und Alter.

Das liegt unter anderem daran, dass die allermeisten Autos nicht für Frauen gebaut sind. Noch heute gibt es kein einziges Zulassungsverfahren für Autos in der EU, das einen Test an einem weiblichen Crash Test Dummy vorgibt.

Astrid Linder arbeitet daran, das zu ändern. Die schwedische Ingenieurin hat gemeinsam mit ihrem Team den ersten Crash Test Dummy entwickelt, der EvaRID heißt und einer durchschnittlichen Frau nachgebildet ist. Im Gespräch mit MOMENT erklärt sie die Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Oberkörpern und was passieren muss, damit Autos auch für Frauen sicher werden.
 

Frauen tragen eher Verletzungen davon, wenn sie in einen Autounfall haben und sterben sogar eher. Wieso?

Wir können nicht genau sagen, woran es konkret liegt, weil wir nicht genug Modelle haben, die wir in Crash Tests verwenden können. Daher können wir die Unfälle in Laboren noch nicht reproduzieren. Wir wissen aber, dass es diesen Unterschied gibt.
 

Für mich ist es schwer zu verstehen, wieso es bis heute gedauert hat, einen weiblichen Crash Test Dummy zu entwickeln.

Ich habe schon vor 20 Jahren gesagt, dass wir solche Modelle entwickeln müssen. Um die Finanzierung für EvaRID aufzustellen, habe ich zehn Jahre lang gebraucht. Wir haben das Modell für Heckaufprall-Unfälle gebaut. Neben den physischen Prototypen haben wir ein mathematisches Modell für die durchschnittliche Frau gebaut. Die Daten sind also da.

Astrid Linder mit EvaRID. Foto: Hejdlösa bilder/VTI

Es muss gar nicht zu einem Unfall kommen. Viele Frauen haben Probleme mit Sitzgurten, weil sie nicht für Menschen mit Brüsten gemacht sind.

Dabei ist es einfach, ein Modell zu bauen, das den weiblichen Torso repräsentiert. Das ist keine Raketenwissenschaft. Wir als Gesellschaft haben uns bisher dazu entschieden, es einfach nicht zu tun. In den Zulassungsverfahren der EU ist explizit vorgegeben, dass Sitzgurte an Modellen von durchschnittlichen männlichen Oberkörpern getestet werden müssen.
 

Welche Unterschiede gibt es denn zwischen dem weiblichen und dem männlichen Oberkörper?

Für unsere Forschung zu Heckaufprall-Unfällen ist einer der wichtigsten anatomischen Unterschiede die Form des Oberkörpers, Schultern, Taille, wo der Schwerpunkt liegt. Diese Aspekte beeinflussen, wie unser Körper auf einen Crash reagiert. Frauen tragen öfter Schleudertraumata davon. Deswegen bringt es nichts, die männliches Dummies einfach kleiner zu machen. Frauen sind nicht einfach nur kleinere Männer, ihr Körper ist anders gebaut.

Wie geht es weiter mit EvaRID?

Das Modell wird über einen der größten Verkäufer von Crash Test Dummies kommerziell angeboten. Bisher benutzt es aber niemand. Die Zulassungsverfahren in der EU werden mit physischen Modellen gemacht, wir haben bisher nur die zwei Prototypen für die Heckaufprälle. Wir brauchen also physische Modelle für andere Arten von Unfällen. Wichtig ist dabei aber, dass Autos auch tatsächlich verpflichtend mit weiblichen Crash Test Dummies getestet werden müssen. Ohne Zwang werden die Unternehmen das nicht tun. Wir haben zumindest gezeigt, dass es geht. Wir wissen nun, wie so ein Modell aussehen muss. Wir müssen das Wissen nur anwenden.


 

Astrid Linder ist Forschungsleiterin für Verkehrssicherheit am schwedischen VTI.

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