Wer ist Clemens Pig?

Clemens Pig ist der neue ORF-Generaldirektor. Der 51-jährige wurde mit 21 der 35 Stimmen im Stiftungsrat des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gewählt. Er ist damit ab 2027 Nachfolger von Ingrid Thurnher. Die Journalistin, die zuletzt ORF Radiodirektorin war, hat die Position interimistisch. Ihr Vorgänger Roland Weißmann musste wegen eines Skandals zurücktreten.
Wer ist Clemens Pig?
Pig ist ein österreichischer Medienmanager. Er wurde 1974 in Innsbruck geboren. Er studierte dort auch Politikwissenschaft. Eine von ihm mitgegründete Medienbeobachtungsstelle wurde 2001 von der Austria Presse Agentur aufgekauft. 2008 wechselte er in deren Geschäftsleitung nach Wien, 2016 wurde er zum vorsitzenden Geschäftsführer der APA.
Für seine Bewerbung zum ORF-Generaldirektor gab er diese Position auf. Die APA ist österreichs wichtigste Presseagentur und steht im Eigentum der großen heimischen Medien.
Ist Clemens Pig bei der ÖVP oder einer anderen Partei?
Es ist nicht bekannt, dass Clemens Pig einer Partei angehören würde. Das wäre nicht nur als ORF-Generaldirektor, sondern auch für seinen bisherigen Posten als CEO der APA nicht angemessen. Auch bei seiner Kandidatur hat er seine Unabhängigkeit betont.
Die Bestellung von Clemens Pig soll - wie jene zuvor von Weißmann - laut Berichten des Boulevardmediums "Krone" vor allem auf Wunsch der ÖVP passiert und durch Absprachen mit der SPÖ schon im Vorfeld des tatsächlichen Kandidatur- und Wahlprozesses festgestanden haben. (Anmerkung: Ein Medienmanager des Krone-Medienhauses wurde zu diesem Zeitpunkt ebenfalls als Alternative kolportiert.) Pig selbst bestritt stets, dass es eine Zusage gegeben habe.
Wie wird man ORF-Generaldirektor:in?
Der Generaldirektor (oder die Generaldirektorin) wird vom ORF-Stiftungsrat bestellt. Ohne politische Unterstützung wäre es bei der aktuellen Zusammensetzung und Struktur des ORF-Stiftungsrats für jede Bewerber:in sehr unwahrscheinlich, ORF-Generaldirektor:in zu werden.
24 der 35 Stiftungsräte werden von Bundesregierung, Parlamentsparteien und Landesregierungen entsandt. Das bedeutet nicht, dass diese Personen automatisch immer im Sinne einer Partei handeln müssen. Die meisten von ihnen organisieren und besprechen sich aber auch in informellen, parteipolitischen "Freundeskreisen" - grob mit einem Parlamentsklub vergleichbar. Die Zusammensetzung wird häufig als zu politiknah und reformbedürftig kritisiert.
Was wird Clemens Pig als ORF-Generaldirektor machen?
Pig hat angekündigt, mehr auf Kooperation mit anderen Medien setzen zu wollen. Auch die redaktionelle Unabhängigkeit wolle er stärken. Wesentliche Teile seiner Amtszeit werden aber aus einer kommenden Reform der ORF-Gesetze und auch durch ein Sparpaket im ORF geprägt sein, das vom Budget der Bundesregierung vorgegeben wird.
Anmerkung im Sinne der redaktionellen Transparenz: Leonhard Dobusch, der Mitgründer und wissenschaftliche Leiter des Momentum Instituts - zu dem MOMENT.at gehört - ist Mandatar im ORF-Stiftungsrat. Sein Mandat wurde auf Vorschlag der Bundesregierung vergeben, er gehört aber keinem parteipolitisch Freundeskreis an. Bei der Wahl zum Generaldirektor hat er Lisa Totzauer gewählt, die schon bei der vorangegangenen Wahl gegen Roland Weißmann kandidierte. Hier hat er erklärt, weshalb.







