Herstory:  Vigdis Finnbogadóttir
/ 21. März 2022

Wir machen den ganzen März zum Herstory-Monat und erzählen dir jeden Tag von wichtigen Frauen aus Politik und Zeitgeschichte. Heute stellen wir dir Vigdis Finnbogadóttir vor.

Die geschiedene, alleinerziehende Mutter eines Adoptivkindes soll Staatspräsidentin werden? Und dann auch noch eine, die für den Abzug US-amerikanischer Truppen demonstriert, obwohl diese ein wichtiger Wirtschaftsfaktor sind? Nicht alle Isländer:innen waren von Vigdis Finnbogadóttir Präsidentschaftskandidatur überzeugt. Sie gewann die Wahl 1980 dennoch knapp. Und die Kritik an ihrer Person sollte schon bald leiser werden.

Finnbogadóttir wurde 1930 in Reykjavik in eine wohlhabende Familie geboren. So konnte sie in Frankreich und Dänemark studieren, bevor sie in Island ihren Abschluss in Englisch und Französisch machte. Finnbogadóttir arbeitete als Lehrerin, Reiseführerin und beim isländischen Fernsehen. Außerdem war sie von 1972 bis 1980 Leiterin des städtischen Theaters in Reykjavik.
 

Finnbogadóttir war parteilos. Aber sie hatte sich bereits 1975 beim Generalstreik der isländischen Frauen politisch engagiert. 90 Prozent der berufstätigen isländischen Frauen forderten dabei gleichen Lohn für gleiche Arbeit. Viele Arbeitsstätten wurden an dem Tag lahmgelegt. “Wir haben bewiesen, dass Frauen eine Säule der Gesellschaft sind - genau wie Männer”, sagt Finnbogadóttir später dazu.

Der Streik sorgte für mehr Anerkennung und wohl auch dafür, dass Finnbogadóttir fünf Jahre später zur Präsidentin gewählt wurde. Sie selbst bewunderte den Mut ihrer Landsleute, sie zu wählen. Die Theaterdirektorin war geschieden und alleinerziehend. Und sie war die erste Isländerin, die als alleinstehende Frau nach harten Auseinandersetzungen mit den Behörden ein Kind adoptiert hatte.

Bei der Wahl erhielt Finnbogadóttir 33,8 Prozent der Stimmen und wurde damit die erste Frau, die in einer demokratischen Wahl als Staatsoberhaupt gewählt wurde. Dieses Amt sollte sie 16 Jahre innehaben. In ihrem politischen Wirken setzte sich Finnbogadóttir weiterhin für Frauenrechte ein - ihr persönliches Motto lautete “Lass die Frauen niemals im Stich”. Außerdem engagierte sie sich für ein Aufforstungsprogramm in Island. 2005 wurde Finnbogadóttir zur bedeutendsten lebenden Persönlichkeit Islands gewählt.
 

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