Kennst du Angelo Soliman?
/ 2. Februar 2022

Der Februar ist Black History Month bei MOMENT. Wir bringen täglich Biografien, Fakten oder Artikel über das Leben von Schwarzen Menschen in Österreich. Heute stellen wir dir Angelo Soliman vor.

Als versklavte Person kam Angelo Soliman von Afrika über Sizilien an den österreichischen Hof und verkehrte dort sogar mit dem Kaiser. Bei der Wiener Bevölkerung war er beliebt, durch eine Hochzeit entkam er schließlich der Sklaverei. Soliman starb als freier und durchaus wohlhabender Mann. Eine Geschichte, die wie ein Abenteuerroman wirkt. Doch auch wenn er gewisse Privilegien erfahren hat: Das Leben und der Umgang mit der Leiche von Angelo Soliman lehrt uns einiges über die Wurzeln von Rassismus und Kolonialismus in Österreich.

Soliman, der vermutlich um 1721 im Nordosten des heutigen Nigeria geboren wurde, kam als gebildeter Mann im Gefolge von Fürst Joseph Wenzel von Liechtenstein an den österreichischen Hof. Er war eine von mehreren hundert Schwarzen Personen, die vor allem als versklavte Menschen in Wien lebten. Da die Habsburger praktisch keine Kolonien besaßen, blieb ihre Zahl im Gegensatz zu anderen Ländern sehr niedrig. 
 

In Wien kam Soliman unter anderem durch Glücksspiel zu so viel Geld, dass er sich ein eigenes Haus leisten konnte. Und er schaffte es, seinem Status als versklavte Person zu entkommen. Soliman setzte sich heimlich über ein Heiratsverbot von Fürst Liechtenstein hinweg. Als der davon erfuhr, entließ er Soliman aus seinem Dienst. Gegen die Hochzeit selbst konnte der Fürst nämlich nicht vorgehen - das war nur Vertretern der Kirche möglich. Soliman war dadurch ein freier Mann. Später wurde er als Prinzenerzieher eingestellt und wurde so wieder Teil der adeligen Gesellschaft.

 Zwar hatte Soliman Zeit seines Lebens einen recht hohen gesellschaftlichen Status. Trotzdem wurde er nach seinem Tod auf schändlich unmenschliche Weise behandelt. Sein Leichnam wurde an das “kaiserliche Naturalienkabinett” übergeben. Dort wurde ihm die Haut abgezogen und ausgestopft. Soliman wurde schließlich im rassistischen Verständnis der Zeit halbnackt als “Wilder” zur Schau gestellt. Kaiser Franz II. wollte dadurch am aufklärerischen Wien ein Exempel statuieren. Die Begründung, dass Soliman das selbst so wollte, weisen Historiker:innen entschieden zurück.

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