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Wie baut man Fake News? Rechte Medien, Annalena Baerbock und die Doktorarbeit

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  Natascha Strobl

/ 17. Juni 2021

Wie entstehen Fake News? Ein aktuelles Beispiel rund um die abgebrochene Dissertation der deutschen Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock bietet ein schönes Anschauungsmaterial. Natascha Strobl analysiert und übersetzt dir das.

Annalena Baerbock und die Doktorarbeit

Wie bastelt man sich eine gelungene Fake News Meldung? Heute packen wir den Baukasten aus und stellen ihn mit einem aktuellen Beispiel vor.

Zuerst eine kurze Erklärung. Was ist tatsächlich passiert? Ein Politikwissenschaftler hat eine Dissertation zum Thema “Humanitäre Hilfe und Naturkatastrophen” geschrieben. (Einblendung des Titelblatts: “Humanitarian aid and natural disasters”) 

Die Grüne Spitzenkandidatin bei der Wahl in Deutschland - Annalena Baerbock - hat hingegen ungefähr zur gleichen Zeit eine völkerrechtliche Dissertation zum Thema „Naturkatastrophen und humanitäre Hilfe im Völkerrecht“ begonnen und nie beendet.  

Die Titel klingen ähnlich, die Arbeiten sind aber deshalb nicht dieselben. Schon die Fächer sind es nicht. Politikwissenschaft auf der einen Seite, Völkerrecht auf der anderen. Diese Disziplinen untersuchen unterschiedliche Dinge In einer Arbeit der vergleichenden Politikwissenschaft beantwortet man andere Fragen, als in einer Arbeit zum Völkerrecht. Denselben Titel könnte man auch einer Arbeit in der Wirtschaftswissenschaft, der Geschichtswissenschaft, oder der Soziologie geben. Und in allen Fällen müsste man eine völlig andere Arbeit schreiben.

So weit, so wenig.

Wie macht man daraus nun Fake News?

1. Man nehme ein Medienunternehmen, dessen Markenkern heißt: „Gegen links (oder was wir dafür halten) ist alles erlaubt“

2. Man nehme ein aktuelles Thema und setze sich schamlos drauf, um die Stimmung einfach weiter anzuheizen. In dem Fall gibt es eine kleine Debatte um den Lebenslauf von Annalena Baerböck in Deutschland.

3. Man produziere eine üble Clickbait-Überschrift, die einen vermeintlichen Skandal aufdeckt: 

4. Man leite diesen Artikel mit Emotionalisierung, Suggestion und Kommentar ein. 

5. Man komme erst mitten im Artikel zum Punkt, denn soweit lesen die Meisten nicht.

6. Man verstecke die eigene schwache Argumentationskette in einer Reihe pseudo-großzügiger Erklärungsmodelle, ohne das Offensichtlichste zu nennen. Nämlich, dass es sich um einen sehr allgemeinen Titel handelt, der aus verschiedenen Disziplinen heraus bearbeitet werden kann.

7. Man lasse sich bloß nicht durch Fakten eine Geschichte kaputt machen, sondern bleibe stur bei der skandalisierenden Behauptung der Überschrift

8. Man warte oder betreibe bloß keine Recherche. In der Dissertation von Garavoglia ist klar vermerkt, dass er die Arbeit alleine geschrieben hat und dass selbstverständlich die ganze Arbeit sein eigenes geistiges Tun ist,

9. Man stelle den Artikel ohne Check, Recheck, Doublecheck schnell online

10. Man verbreite einen Tweet, der die Überschrift noch einmal als Fakt darstellt.

11. Man erfreue sich an allen, die nur die Überschrift lesen und der Absicht folgen.

12. Man erfreue sich an den Forumskommentaren, die die unterstellte Wahrheit bereitwillig schlucken.

13. Man warte darauf, dass ein großer Twitter-Account zuschnappt und die Meldung weiter verbreitet.

Fertig ist der Fake News-Cocktail

Aus einer Nullmeldung wird ein völlig irrealer Skandal. 

Im Artikel schwingt immer die Idee mit, dass alle beteiligten Personen unlauter handeln und als eigen ausgegebene Arbeiten nicht eigenständig verfasst worden seien. Und das alles auf Basis von Vermutungen und sehr instabilen Argumentationsketten. 

Das ist Rufmord. Es dient dazu, ohne Beleg den Charakter von Personen öffentlich zu zerstören. Es wird im Artikel lediglich unterstellt, spekuliert und suggeriert.

Aber die Leser:innen wissen ganz genau, wie sie es zu lesen haben: Als in Stein gemeißelten Beleg, dass die Person(en), die sie schon immer hassen, lügen und betrügen.

Das ist ein Treppenwitz. Denn Lug und Trug finden sich bei den Produzent:innen von Fake News.

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