Nahaufnahme eines Buttons mit der Aufschrift "Keine Gewalt gegen Frauen", der an einem Kragen befestigt ist.

Ausstellung 40 Jahre Wiener Frauenhäuser im Volkskundemuseum Wien. Foto: kollektiv fischka/kramar © Volkskundemuseum Wien

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/ 27. Februar 2020

Seit Anfang des Jahres sind sechs Frauen mutmaßlich an Männergewalt gestorben. Wir haben offensichtlich ein Problem in Österreich. 3.284 Frauen und Kinder suchen 2018 Schutz in einem österreichischen Frauenhaus.

Gleichzeitig stellt die Salzburger Landesrätin Andrea Klambauer (Neos) die Arbeit der dortigen Frauenhäuser in Frage. Sie will die Verträge neu ausschreiben. Die eingereichten Konzepte werden zu 40 Prozent nach dem Preis bewertet. “Nirgendwo ist hier etwas weitergegangen”, begründet Klambauer. Die Frauenhäuser hätten bloß stetig mehr Geld gefordert.

Billiger oder besser

Die Leiterinnen der Salzburger Frauenhäuser widersprechen. "Wir haben seit fast 30 Jahren Expertise aufgebaut, wir passen unsere Arbeit permanent an das gesellschaftliche Umfeld an und vernetzen uns mit Partnern vor Ort genauso wie mit den anderen Frauenhäusern in Österreich", sagt etwa Doris Weissenberger zu den Salzburger Nachrichten, sie leitet seit 20 Jahren das Frauenhaus in Hallein. Der Dachverein Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF) startete sogar eine Petition gegen die Ausschreibung.

Auf der einen Seite steht also nun die Landesrätin, die glaubt, sie kann dieselbe Leistung billiger haben. Auf der anderen stehen die Salzburger Frauenhäuser, die für Gewaltbetroffene oft die letzte Zuflucht sind. Seit Jahren kämpfen sie mit unsicherer Finanzierung. Um wie viel Geld geht es hier und wie viel gibt Salzburg im Vergleich zu den anderen Bundesländern für Frauenhäuser aus?

Wir haben bei den Bundesländern nachgefragt. Wie viel Förderung die Frauenhäuser im vergangenen Jahr insgesamt bekommen haben und was das pro Kopf ist, erfährst du auf unserer Datenkarte. Wenn du ein Bundesland anklickst, findest du Extra-Informationen zu der Finanzierung. Bis auf Oberösterreich beziehen sich alle Zahlen auf das Jahr 2019.

Steiermark und Burgenland stellten auch nach mehrmaligem Nachfragen keine aktuellen Zahlen zur Verfügung.

Für die Gesamtübersicht findest du hier die Tabelle mit allen Zahlen und Vergleichswerten aus dem Jahr 2015:

Salzburg liegt bei der Förderung pro Kopf im guten Mittelfeld. Dennoch kämpfen die Frauenhäuser darum, die Qualität trotz finanzieller Engpässe aufrechtzuerhalten. Das Budget werde zwar jährlich erhöht, die Steigerung sei aber geringer als die der Personalkosten. “So wird jedes Jahr eine Lücke aufgerissen”, sagt Birgit Thaler-Haag, Leiterin des Frauenhaus Salzburg zu MOMENT. Im Jahr 2017 mussten sie sogar wegen Platzmangel rund 100 Frauen und Kinder abweisen. Teilweise wäre nur eine einzige Sozialarbeiterin im Haus - und das für 40 Menschen. Im Frauenhaus Hallein wurde schon vor Jahren der Nachtdienst gestrichen. Nach den Berichten der Leiterinnen muss man sich fragen, ob hier nicht an der falschen Stelle gespart werden soll.

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In einer früheren Version der Grafiken waren die Tagessätze der Förderung vom Land Niederösterreich noch nicht inkludiert. Die Zahl wurde am 27.2. aktualisiert und enthält nun die Gesamtförderung. Am Nachmittag lieferte das Land Steiermark noch die Förderung für das Jahr 2019 nach. Die Grafiken wurden ergänzt.

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