Eine Hand mit Hausschlüssel vor einer verschlossenen Tür

Ein Umzug ist teuer. Nicht zuletzt wegen der Maklerprovisionen. Foto: Maria Ziegler für Unsplash

/ Lisa Wölfl
/ 16. Oktober

Du kennst das vielleicht: Du suchst im Internet nach einer passenden Wohnung, durchforstest zig Anzeigen, schreibst Mails, telefonierst den Maklerfirmen nach und kommst zur Besichtigung. Der Makler sperrt die Wohnung auf, beantwortet deine Fragen mehr oder weniger gut und gibt dir die Möglichkeit ein Mietanbot zu stellen.

Wie dich eine Maklerprovision an eine Wohnung binden kann, hat Nora (Name geändert), 35, erlebt. Sie hat eine kleine Wohnung besichtigt, bevor sie renoviert wurde. Die Wohnung wurde dann aber anders hergerichtet, als sie es sich vorgestellt hatte. Ihr Vermieter gab ihr zwar die Chance, vom Mietvertrag zurückzutreten. Aber Nora hatte da schon die Provision von 1.500 Euro bezahlen müssen. Um die Provision für eine neue Wohnung zu bezahlen, hat sie einfach kein Geld.

Die Lösung scheint einfach: Wieso zahlen nicht einfach die VermieterInnen die Maklerprovision?

Mietervereinigung, Arbeiterkammer und die SPÖ fordern genau das nach deutschem Vorbild. Wer MaklerInnen bestellt, bezahlt sie. In den meisten Fällen sind das dann die VermieterInnen.

Kurzzeitig sah es sogar so aus, als würde diese Forderung durchgehen. Sebastian Kurz von der ÖVP sagte noch im September in der ORF-Pressestunde: “Wir sind dafür, dass wir auf das System des Beauftragenden übergehen, so wie es die Deutschen haben.” Man nennt das “Bestellerprinzip” - die VermieterInnen bezahlen die MaklerInnen.

Abgelehnt

Die SPÖ brachte daraufhin einen Antrag im Parlament ein. Die ÖVP lehnte ihn aber ab. Sie brachte einen eigenen ein, über den noch nicht abgestimmt wurde.

Wirtschaftskammer-Maklersprecher Arno Wimmer ist froh darüber, dass aus dem SPÖ-Antrag nichts geworden ist. Er sagt, wenn VermieterInnen die MaklerInnen zahlen, führt das dazu, dass MaklerInnen ihre Dienst für MieterInnen einschränken.

MaklerInnen haben in Österreich derzeit eine Doppelfunktion. Sie sollen sowohl VermieterInnen als auch MieterInnen helfen. Beim Bestellerprinzip wären sie hingegen nur noch einer Seite verpflichtet.

Durch die Blume

Das ist abseits der Theorie heute allerdings auch schon so. “Ich kann einem potenziellen Mieter nicht sagen, dass der Mietzins zu hoch ist”, sagt ein Makler zu MOMENT, “dann kriege ich den Auftrag nicht. Durch die Blume kann ich es versuchen.”

Wenn die VermieterInnen Provision zahlen müssen, könnten sie die Anzeige selbst schalten, statt MaklerInnen zu beauftragen. Für Maklerfirmen steht also viel Geld auf dem Spiel.

Die Gefahr besteht, dass die VermieterInnen einfach die Miete um die Kosten erhöhen, die wegen der Provision für sie anfallen. Das geht allerdings nur bei einem Teil der Wohnungen. Etwa bei Altbauten gibt es eine Obergrenze für Mieten.

MaklerInnen werden oft als schwarze Schafe gesehen, die fürs bloße Aufsperren tausende Euro Provision kassieren. Dabei leisten sie natürlich viel Arbeit. Wem sie nützt, der sollte sie auch bezahlen.

Danke an Leo, der das Thema Maklerprovision vorgeschlagen hat!

 


 

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