Moment mal: Zug statt Auto? Nicht mit uns!
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/ 23. Februar 2020

Die Klimakrise zwingt uns alle, die Handbremse anzuziehen. Denn der Verkehr ist dabei besonders wichtig. Seit Jahren reden wir von Schiene statt Straße, bauen brav die Öffis aus ... Und die Zahl der Autos in Österreich war 2019 auf einem … Rekordhoch?!

Moment mal.
 

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Die Klimakrise zwingt uns alle, die Handbremse anzuziehen. Denn der Verkehr ist dabei besonders wichtig. Seit Jahren reden wir von Schiene statt Straße, bauen brav die Öffis aus ... 
Und die Zahl der Autos in Österreich war 2019 auf einem … Rekordhoch?!

Moment mal.

Ja, es stimmt: In Österreich gibt es so viele Autos wie nie zuvor. Fast jeder hat eins, erstmals mehr als fünf Millionen, sagt die Statistik Austria.

Der Verkehr ist der einzige Bereich in Österreich, in dem der CO2-Ausstoß weiter steigt, statt zu sinken. Und das seit Jahren. Was wir in der Industrie oder bei der Heizung  einsparen, das frisst das Auto wieder auf. 

Wir haben also ein riesiges Umweltproblem im Verkehrsbereich. Was tun wir da am besten dagegen?
Eigenverantwortung also. Wir müssen uns also selbst bei der Nase nehmen. Jeder seine eigene Nase. Und ihre eigene Nase. Und seine. So retten wir das Klima!

Wirklich?

Zugegeben: Dass unsere Autos immer schwerer und stärker motorisiert werden, das liegt schon an den Leuten, die solche gepanzerten Straßen-Nashörner dann kaufen. Für den Einsatz im wilden Großstadt-Dschungel.

Dass viele auch für kürzeste Wege ins Auto steigen, obwohl genau die besonders umweltschädlich sind, das ist auch ein Problem.

Aber das sind - trotz allem - Nebenschauplätze. Wahr ist: Menschen orientieren sich an den Rahmenbedingungen, die die Politik setzt. 

Selbst der engagierteste Öko wird sich ins Auto setzen, wenn es keinen Bus UND keinen Radweg gibt. 

Und wie schauen die aus?

Das österreichische Schienennetz ist seit 1970 um ein Fünftel geschrumpft. Das heißt: Mehr als 1000 km Strecke wurden eingestellt.

Die Zahl der Autobahnkilometer hat sich hingegen verfünffacht.  

Jede Studie zeigt: auf das Angebot kommt es an. Dort, wo es gut geht, steigen die meisten auf die Öffis um.

Seit man von Wien nach Salzburg in 2 Stunden 22 Minuten schafft, sind die Fahrgastzahlen um 82 Prozent gestiegen.

Auch in Wien, wo viel Geld in den U-Bahn-Ausbau investiert wurde, hat sich das Verhältnis von Auto und Öffis gedreht: In Wien besitzen seit Jahren mehr Menschen eine Jahreskarte der Wiener Linien als ein eigenes Auto. 
Die Politik kann also den Verkehr schon  umweltfreundlich zu gestalten.t Aber da liegt die Betonung halt auf GESTALTEN. Dafür wird sie ja auch gewählt, die Politik. Nicht dafür, uns daran zu erinnern, was wir moralisch gesehen tun sollten.

Das große Problem: Die Politik beschränkt sich derzeit eben aufs Sagen, tut aber weiter das Falsche. VIEL Falsches. 

Jährlich werden 4,1 Mrd. Euro in Straßen investiert. Alleine bei der staatlichen Autobahngesellschaft ASFINAG laufen aktuell 14 Neubauprojekte parallel. 

Und das, obwohl Österreich schon jetzt eines der dichtesten Autobahnnetze Europas hat. 

Wir bauen also Autobahnen wie die Wahnsinnigen, und appellieren dann also an die Leute, sie nicht zu benutzen. Das ist in etwa so schlau wie dem Kind fünf Kilo Schokolade zu kaufen, diesen Haufen ins Wohnzimmer legen und dann zu appellieren: Das tust jetzt aber nicht essen, gut?

Gleichzeitig hat jede fünfte Stadt in Österreich keinen Bahnanschluss.

Was braucht es also?

Ein Gesamtverkehrskonzept für die Öffis wie in der Schweiz, das für jeden Ort und jede Stadt eine Mindestqualität verlangt. So dass man auch wirklich überall hin mit den Öffis kommt.

Keine neuen  Autobahnen, keine neuen Schnellstraßen.

Stattdessen bauen wir das Schienennetz aus und reaktivieren alte Strecken. Beispiele aus Deutschland zeigen, dass mit verbesserten Linienführungen und einem guten Taktangebot deutliche mehr Fahrgäste für die Bahn zu gewinnen sind.

Das ist eine Frage der politischen Gestaltung. Nicht der Disziplin des Einzelnen.

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