Zwei Stockbetten aus Metall, in der Mitte steht ein kleiner Fernseher, die Gitter sind hinter dem Fenster zu erkennen. Der Haftraum scheint unordentlich.

Haftbedingungen können Gewalt begünstigen. Das zeigt die neue Studie "Gewalt in Haft".

Foto: Veronika Hofinger/IRKS

/ 19. April 2022

Gefängnisse funktionieren nicht. Die meisten Menschen in Österreichs Gefänsnissen sitzen wegen Eigentumsdelikten. Mehr als die Hälfte der Inhaftierten verbringt höchstens 3 Jahre im Gefängnis. Diese Menschen sind nicht die gefährlichen Serientäter, vor denen die Allgemeinheit geschützt werden muss. Deswegen braucht es für den Großteil der Täter:innen Alternativen zum Gefängnis.

Die Rolle von Justiz und Gefängnis unterliegt stetigem Wandel. Mussten Inhaftierte früher zum Beispiel im "schweren Kerker" verweilen (etwa, wenn sie abgetrieben haben), liegt heute der Fokus auf "Resozialisierung", also der Wiedereingliederung in die Gesellschaft. Dass Menschen ihre Haft in großen Anstalten absitzen müssen und dabei von ihrem Umfeld abgeschottet werden, ist kein Naturgesetz.

Deswegen legen wir drei Argumente dafür vor, wieso Gefängnisse in ihrer aktuellen Form in Österreich nicht funktionieren:

#1 Die Rückfallrate nach der Haft ist extrem hoch

Das erklärte Ziel der Haft in Österreich ist die "Resozialisierung". Sie sollte ein "Trainingscenter für Menschen sein, die an der Realität gescheitert sind". So sagte es ein Sprecher der Bewährungshilfe "Neustart" einst zu Addendum. Die Insass:innen sollen wieder in die Gesellschaft eingegliedert werden. Das ist besser für die Gesellschaft und die Inhaftierten.

Das funktioniert in der Wirklichkeit aber schlecht. Wer seine Haftstrafe absitzt, wird in über 50% der Fälle wieder bei einer Straftat erwischt. (Und das sind nur die Taten, die entdeckt werden.)

Wer im Gefängnis sitzt, verliert sein soziales Umfeld. Die Chancen auf eine gute Arbeit nach der Haft, ist klein. Dadurch fehlen oft die Möglichkeiten und Anreize, keine weiteren Straftaten zu begehen.

In Deutschland gibt es Versuche eines alternativen Strafvollzugs. Jugendliche Täter können zum Beispiel auf einem Hof leben und dort mitarbeiten, anstatt die Zeit im Gefängnis abzusitzen. Solche Experimente gibt es in Österreich nicht. Das wäre aber dringend nötig, um wirksame Alternativen zum Gefängnis zu finden.

#2 Gefängnis ist extrem teuer. Inhaftierte leben trotzdem menschenunwürdig.

130€ kostet jeder Tag pro Person im Gefängnis. Der Staat gibt also viel Geld für Inhaftierte aus. Trotzdem bleibt der Erfolg aus und sind die Haftbedingungen in manchen Anstalten menschenunwürdig. Etwa in der Josefstadt in Wien verbringen viele Insass:innen 23 Stunden in der Zelle. Geduscht werden darf nur zwei Mal in der Woche. Zellen sind teilweise von Kakerlaken befallen. "Die Josefstadt wird von manchen als offene Menschenrechtsverletzung bezeichnet", sagt Forscherin Veronika Hofinger.

#3 Gewalt und Suizid sind in Haft weit verbreitet

3 von 4 Insass:innen haben im Gefängnis Gewalt erlebt. 1 von 5 berichten, dass sie geschlagen oder verprügelt wurden. Der Europarat stuft die Suizidrate unter Häftlingen als "sehr hoch" ein. Sie ist im Gefängnis 8x höher als in der allgemeinen Bevölkerung.

"Der Strafvollzug ist kein Paradies." So reagierte die damalige Justizministerin Beatrix Karl 2013 auf Medienberichte einer Vergewaltigung im Jugendstrafvollzug. Opfer war ein 14 Jahre alter Bub. Manche wollen Täter:innen leiden sehen und denken: Geschieht ihnen recht. Doch was soll das bringen? Gewalt macht Inhaftierte nicht zu "besseren" Menschen. Früher oder später sind sie wieder auf freiem Fuß. Und was dann?

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