Land Oberösterreich kürzt bei maiz: "Viele Frauen werden einfach nicht mehr sichtbar sein"
maiz: Eine zentrale Anlaufstelle für migrantische Frauen
maiz gibt es seit über 30 Jahren. Die Angebote reichen von Beratung über Bildung bis hin zu Forschung und Unterstützung im Bereich Sexarbeit.
Ein zentraler Pfeiler ist die Beratungsstelle. „Wir sind eine spezialisierte Frauenberatungsstelle für migrantische Frauen. Grundsätzlich kann jede Frau mit jedem Anliegen zu uns kommen; egal ob es um Arbeitssuche, Wohnprobleme, Schulden, Beziehungskonflikte oder Gewalt geht“, sagt Florina Platzer aus der Geschäftsleitung von maiz.
Die Themen reichen von arbeitsrechtlichen Fragen über den Aufenthaltsstatus bis hin zu komplexen Gewaltsituationen. Gerade für Frauen, die neu in Österreich sind, ist die Orientierung oft schwierig. „Viele wissen nicht: Welche Rechte habe ich? Wie lange gilt mein Aufenthaltstitel? Ist er an meinen Ehemann gekoppelt? Oder: Ich habe im Herkunftsland studiert; wie kann ich meinen Abschluss in Österreich anerkennen lassen?“
Das Angebot ist bewusst niederschwellig aufgebaut und wird von einem fachübergreifenden Team aus Juristinnen und Sozialarbeiterinnen getragen.
Oberösterreich: Förderungen schrittweise gestrichen
Die aktuelle Situation ist nicht durch eine einzelne Kürzung entstanden, sondern durch eine schrittweise Umstrukturierung der Förderungen.
Bis 2023 erhielt maiz rund 150.000 Euro jährlich vom Land Oberösterreich zur Finanzierung der eigenen Infrastruktur.
Danach wurde die Förderung Schritt für Schritt verändert:
2024: 100.000 Euro, davon 60.000 für Beratung, 40.000 für Projekte
2025: 100.000 Euro, davon nur noch 30.000 für Beratung
2026: 0 Euro für Beratung, stattdessen Projektförderungen bis zu 50.000 Euro
Das Problem: Projektförderungen können kontinuierliche Beratungsarbeit nicht ersetzen.
„Projekte sind zeitlich begrenzt und thematisch eingeschränkt. Eine Beratungsstelle ist ein offenes Angebot, wo Frauen mit allen Anliegen kommen können. Genau das fällt jetzt weg.“
Weniger Zeit für mehr Probleme
Die Auswirkungen sind bereits spürbar: kürzere Öffnungszeiten, weniger Personal und eingeschränkte Betreuung.
„Wir beraten weiterhin, weil wir noch andere Fördergeber haben wie etwa das Frauenministerium. Aber statt vier Tagen pro Woche haben wir nur noch drei geöffnet.“
Die Organisation hofft, dass Spenden einen Teil der Kürzungen ausgleichen und ruft dazu auf. Denn gleichzeitig mit den Kürzungen steigt der Bedarf, unter anderem weil Teuerung, andere Kürzungen des Staates und ein schwierigerer Arbeitsmarkt die Situation verschlechtern, in denen sich viele Frauen befinden:
„Wir haben drei Kolleginnen kündigen müssen, während gleichzeitig die Beratungsanfragen mehr werden. Es reicht oft nicht, nur Informationen weiterzugeben. Viele brauchen Unterstützung bei Bewerbungen oder Telefonaten. Vor allem, wenn Deutsch nicht ihre Erstsprache ist. Diese Begleitung können wir jetzt viel weniger leisten“, sagt Platzer.
Bei maiz ist der Erstkontakt oft die Beratung
Die Beratungsstelle ist für viele Frauen der erste Kontaktpunkt. Fällt diese Funktion weg, hat das direkte Folgen. Besonders problematisch sind die Kürzungen im Bereich Gewaltprävention. Die Beratung erfordert Zeit und Sensibilität.
„Für viele migrantische Frauen sind wir die erste Anlaufstelle überhaupt. Von hier aus geht es weiter zu anderen Einrichtungen. Wenn wir diese Rolle nicht mehr erfüllen können, fallen viele einfach durch das System. Wenn wir beispielsweise versuchen, über Gewalt zu sprechen, braucht das Vertrauen und Vertrauen braucht wiederum Zeit. Viele Frauen kennen das System hier nicht. Sie wissen nicht, was ein Frauenhaus ist oder was eine einstweilige Verfügung bedeutet. Man muss traumasensibel, diskriminierungssensibel und kultursensibel arbeiten. Das geht nicht schnell nebenbei.“
„Eine Investition und keine Kostenstelle“
maiz richtet einen klaren Appell an die Politik: „Es ist nicht sinnvoll, Beratungsstellen nur als Kostenfaktor zu sehen. Das ist eine Investition in die Zukunft. Auch wirtschaftlich ist die Situation klar: Jede Frau, die wir in Arbeit bringen, zahlt Steuern, Sozialversicherung, verbessert die Kaufkraft und stärkt die Wirtschaft.“
Kürzungen würden langfristig sogar höhere Kosten verursachen. „Wenn Frauen keine Unterstützung bekommen, entstehen an anderer Stelle höhere Kosten etwa im Gesundheitssystem oder durch Gewaltfolgen.“
Das Fazit ist deutlich: „Viele Frauen werden weniger Unterstützung bekommen. Und einige werden gar nicht mehr sichtbar sein.“










