Stehen wir vor einem Super El Niño?

Seit Wochen beobachten Expert:innen die Temperaturen im Pazifik vor der südamerikanischen Küste und warnen vor der Möglichkeit eines Super El Niño. Eine genaue Vorhersage ist derzeit noch schwer zu treffen. Warum Expert:innen dennoch angespannt sind und die Situation gar nicht "super" ist, erfährst du hier.
Was ist El Niño?
El Niño ist ein Klimaereignis, das durchschnittlich alle vier Jahre auftritt und zwischen neun Monaten und zwei Jahren anhält. Der Pazifik erwärmt sich dabei vor der südamerikanischen Küste auf Höhe des Äquators besonders stark, da natürliche Winde abschwächen, ausfallen oder sich sogar umdrehen.
El Niño führt dazu, dass die Temperaturen weltweit steigen und kann zu extremen Wetterereignissen führen. Hitzewellen und Dürren auf der einen, Stürme und Starkregen auf der anderen Seite. Auch Tiere leiden unter dem Ereignis. Im warmen Wasser wächst weniger Plankton, weswegen Fische abwandern und wiederum anderen Tieren das Futter fehlt.
Besonders Südamerika und der Süden Afrikas sowie Australien und Südostasien sind von dem Phänomen betroffen. Europa bis jetzt kaum.
Und was ist ein Super El Niño?
“Super El Niño” ist kein wissenschaftlicher Begriff, sondern bezeichnet einfach ein besonders starkes Auftreten des Klimaphänomens. Die Temperatur der Meeresoberfläche im Pazifik steigt dabei um mehr als 2°C. In den vergangenen Jahrzehnten ist das nur sehr selten passiert. Nur einmal sind die Temperaturen um 2,5°C gestiegen.
Den letzten Super El Niño gab es in den Jahren 2015/16. Wie wahrscheinlich es in diesem Jahr dazu kommen wird, ist derzeit noch schwer zu sagen. Die Wahrscheinlichkeit für El Niño liegt derzeit bei 40%.
Doch jeder El Niño ist einzigartig und die Vorhersage von vielen Faktoren beeinflusst. Auch 2014 sagten Forscher:innen einen Super El Niño voraus. Der Pazifik kühlte dann aber doch wieder ab. Dennoch sind Expert:innen diesmal besonders angespannt.
Was ist diesmal anders?
Der letzte Super El Niño ist zehn Jahre her. Seitdem ist die globale Durchschnittstemperatur konstant gestiegen. 2024 lag die Erderwärmung erstmals mehr als 1,5°C über dem vorindustriellen Niveau. Der Kipppunkt, vor dem Expert:innen lange gewarnt hatten, war zum ersten Mal überschritten.
El Niño kann die Temperaturen global erhöhen. Die durch die Klimakrise bereits angespannte Lage, würde sich noch einmal verschärfen. Ein Super El Niño könnte die Temperatur auch langfristig steigern. Dann könnten wir die 1,5-Grad-Grenze noch früher dauerhaft überschreiten. Wetterereignisse werden dadurch noch extremer ausfallen: heißere Hitzewellen, längere Dürren, stärkere Stürme.
Was ist zu erwarten?
Ein Super El Niño wäre also ein natürlicher Verstärker des menschengemachten Klimawandels. Ob er selbst durch den Klimawandel auch häufiger vorkommt, ist noch nicht abschließend geklärt. Klar ist aber, dass durch den Klimawandel natürliche Wetterphänomene immer extremer und gefährlicher werden.
Unabhängig davon, wie stark El Niño dieses Jahr ausfallen wird, warnen Expert:innen vor seinen Auswirkungen. Die Vorhersagen können Menschen in betroffenen Regionen helfen, sich vorzubereiten.
Europa könnte auch "nur" indirekt betroffen sein - etwa durch Lieferengpässe und Preissteigerungen durch Ernteausfälle. Aber auch hier treten extreme Wetterereignisse immer häufiger auf. Auswirkungen durch Ereignisse wie El Niño lassen sich in Zukunft nicht ausschließen. Und solange Europa weiter auf fossile Energie setzt und Emissionen nicht senkt, tragen die Staaten zur Verschärfung der globalen Situation bei.








