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Klimakrise

Beton vs. Natur: Wir verbauen uns die Zukunft

Beton vs. Natur: Wir verbauen uns die Zukunft
Solche Bilder hast du bestimmt auch schon gesehen: Ein Supermarkt, ein Möbelgeschäft, Baumarkt oder Klamottenladen. Irgendwo an einem Ortsrand, häufig von grünen Wiesen umgeben und ein paar Straßen. Oft sind sie ebenerdig und immer gibt es ganz viele Parkplätze. Man könnte fast glauben, es wäre gut, möglichst viel Boden zu verbrauchen. Das absolute Gegenteil ist aber der Fall. Wir verbauen uns die Zukunft.

Boden ist die Grundlage für unser Leben. Wir brauchen intakte, natürliche Böden, um Lebensmittel anzubauen.

Aber nicht nur darum: Böden speichern und reinigen Wasser. Sie versorgen uns also mit Trinkwasser. Außerdem schützen sie uns damit bei viel Regen vor Hochwasser.
Und sie kühlen die Umgebung. Erinnern wir uns kurz zurück, wie heiß es vergangenen Sommer war – vor allem in den Städten. Ein paar Kilometer weiter draußen im Grünen sind die Temperaturen schon viel angenehmer. 

Intakte Böden sind also wichtig, damit wir mit der Erderhitzung einigermaßen zurecht kommen. Sie sind aber auch wichtig, um die Erhitzung einzudämmen. Boden speichert nämlich CO2 und ist damit extrem wichtig im Kampf gegen die Klimakrise.

Auch in Bezug auf die zweite große Umweltkrise – das Artensterben – sind natürliche Böden essentiell: Sie sind Lebensraum unzähliger Tiere, Pflanzen und Mikroorganismen. Aber nur, solange sie intakt sind. Und das sind eben immer weniger.

Österreich hält die eigenen Ziele nicht ein: Fast fünfmal so viel Bodenverbrauch

Wir verbrauchen in Österreich nämlich fast 12 Hektar Acker- und Naturflächen – pro Tag … Das sind 4.380 Hektar im Jahr und mehr als 15 mal die Innere Stadt in Wien. So viel Fläche betonieren, verbauen, verdichten wir. Und sorgen damit dafür, dass die Böden all diese Funktionen nicht mehr erfüllen können. Laut einer Studie hatten wir 2020 über 72.000 Hektar Ackerflächen weniger als noch 1999. Damit könnte man 480.000 Menschen im Jahr ernähren. Mehr als in Vorarlberg leben. 

Das ist viel zu viel. Das weiß auch die Bundesregierung. Bereits 2002 hat sie sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 nur mehr maximal 2,5 Hektar Boden pro Tag zu versiegeln. 20 Jahre später waren es mit den 12 Hektar fast fünfmal so viel. Und eine Kehrtwende ist nicht in Sicht.

Bund, Länder, Städte und Gemeinden verhandeln schon länger eine Bodenschutzstrategie. Darin soll festgeschrieben werden, wie man den Flächenfraß beendet. Aber sie werden sich nicht einig. Größter Streitpunkt: Die Grenze von 2,5 Hektar pro Tag soll festgeschrieben und damit verbindlich werden. Inzwischen stimmen dem die meisten Beteiligten sogar zu. Nicht aber das schwarz-blaue Oberösterreich und der Gemeindebund.

Was es braucht:

Aber: Einfach weiter betonieren wie bisher ist keine Option. Die Entscheidungsträger:innen müssen sich auf eine ökologische Raumordnung einige. Was es dabei braucht:

  • Der Bodenschutz muss bei Bauvorhaben wichtiger werden. Und es braucht eine festgeschriebene Obergrenze, wie viel Fläche noch verbaut werden darf. Die 2,5 Hektar am Tag, die man einmal erreichen wollte, könnten mittlerweile auch schon zu viel sein.  
  • Stattdessen könnte man die leerstehenden Flächen nutzen, die eh schon versiegelt sind. Das sind laut Schätzungen rund 40.000 Hektar an Industrie-, Gewerbe- und Wohngebäuden, die nicht genutzt werden. Das ist etwa die Fläche Wiens.
  • Intakte Natur und vor allem Naturschutzflächen wie Gletscher, Moore, Sümpfe, Feuchtwiesen oder Trockenrasen dürfen gar nicht mehr verbaut werden. Und sie sollen mehr werden.
  • Es braucht die richtigen finanziellen Anreize. Es darf nicht günstiger oder lukrativer sein, Boden zu versiegeln als ihn zu schützen. Das muss das Steuersystem und die Raumordnung garantieren.

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