Was tun gegen Hass im Netz? Natascha Strobl hat Tipps für dich. Man sieht die Politologin vor dem NatsAnalyse Sujet. Daneben sind lauter empörte und wütende Emojis zu sehen.
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Natascha Strobl
/ 10. August 2022

Hass im Netz ist aktueller denn je. Was können Betroffene eigentlich dagegen tun? Diese 5 Tipps gegen Hass im Netz musst du kennen. Eine neue Ausgabe #NatsAnalyse mit Natascha Strobl. 

Was tun gegen Hass im Netz?

Hass im Netz ist ein aktuell viel diskutiertes Thema. Leider aufgrund der vielen traurigen Anlässen, wie der Suizd der Ärztin Lisa-Maria Kellermayr. Aber was können Betroffene eigentlich dagegen tun? Hier sind 5 Tipps.

  1. Begegne dem Ganzen nicht allein. Wenn du angepöbelt, beleidigt oder sogar bedroht wirst, dann ist ein erster, verständlicher Impuls die Scham. Doch der Fehler liegt nicht bei dir. Du musst dir das alles auch nicht ungefiltert alleine antun. Bitte Freund_innen, für dich zu sammeln und zu dokumentieren. Bei schlimmen Fällen kannst du deinen Account auch an vertrauensvolle Personen abgeben.
     
  2. Blockieren. Es ist völlig legitim Menschen, die nur pöbeln, beleidigen oder untergriffig sind, zu blockieren. Deine Timeline und dein Feed sind nicht der Öffentlich Rechtliche Rundfunk, sondern dein Raum. Du kannst entscheiden, mit wem du interagierst, wessen Beiträge du siehst und wer deine Beiträge sieht. Du bist niemandem zu irgendetwas verpflichtet.
     
  3. Korrekte Dokumentation. Solltest du auf Beiträge stoßen, die rechtlich relevant sind (oder du vermutest es), dann ist eine korrekte Dokumentation notwendig. Bei Screenshots ist es wichtig, dass das vollständige Datum und die genaue Uhrzeit des Beitrags zu sehen sind. Das bedeutet, dass „vor 16 Stunden“ zu wenig ist. Uhrzeit und Datum erhältst du, wenn du den Beitrag anklickst (statt ihn nur in Timeline und Feed zu sehen). Neben Screenshots ist es gut, eine Liste mit Namen des Screenshots und Link zum Beitrag anzulegen. So kann er schnell von deiner Anwältin oder den Behörden gefunden werden.
     
  4. Wohin wenden? Eine Anzeige ist kostenlos bei jeder Polizeiinspektion zu machen. Das gilt in jedem Land. Leider hat so eine Anzeige aber oft nur minimale Chancen auf Erfolg. Beachte auch, dass, wenn du eine konkrete Person anzeigst, diese Einsicht nehmen kann und so deinen Namen und deine Adresse kennt. Ein Anwalt /eine Anwältin sind erfolgsversprechendere Wege, kosten aber viel Geld, besonders wenn die Täter unbekannt sind und vielleicht nicht gefunden werden. Das Kostenrisiko kann hier schnell mehrere hundert oder tausend Euro betragen. Es gibt in Österreich den Verein Zara und in Deutschland den Verein HateAid, die beraten, das Kostenrisiko übernehmen und sogar Prozesse führen. Diese Vereine können also sehr gute Anlaufstellen sein. Hier ist man natürlich nicht die einzige Person und die Fälle werden nach Schwere und Erfolgswahrscheinlichkeit priorisiert.
     
  5. Einschreiten. Es bringt nichts, mit Trollen, Bots oder Rechtsextremen zu diskutieren. Man wird sie nicht überzeugen und sie geilen sich an der Aufmerksamkeit auf. Wichtig ist es aber, den Opfern von Bedrohungen und Diffamierungen beizustehen. Das kann man als einzelne Person mit ein paar Worten des Zuspruchs. Gerade bei Accounts, die nicht 10.000 Follower haben, ist es wichtig zu zeigen, dass wer da ist, der nicht zustimmt. Wichtig ist es aber auch, gesellschaftlich und politisch für besseren Schutz einzustehen.

„Hass im Netz“ ist nicht einfach Hass. „Hass im Netz“ ist reale Einschüchterung, Bedrohung oder Diffamierung.

Es ist nicht unwirklicher, weil es via Mail oder Social Media daher kommt. Man muss das auch nicht „aushalten“ oder weglachen. Es ist völlig ok, sich hier Hilfe/Unterstützung zu holen.

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