MOMENTUM "Grafik der Woche" Coverbild zeigt Illustrationen mehrerer Grafiken und Charts.

Grafik der Woche, Momentum

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/ 9. Juli 2020

Keinen Job zu haben, geht nicht nur mit Geldsorgen einher. Arbeit bedeutet Identität und gesellschaftliche Einbindung. Das haben schon 1933 die SozialwissenschafterInnen Marie Jahoda und Paul Lazarsfeld in ihrer berühmten StudieDie Arbeitslosen von Marienthal” eindrucksvoll dokumentiert.

Auch 9 Jahrzehnte später haben wir es noch nicht geschafft, arbeitslosen Menschen ein Leben zu ermöglichen, das sie zumindest vor Ausgrenzung und Krankheit schützt. Auswertungen des Momentum Instituts aus den Daten der Europäischen Union zeigen, welche 6 besonders drastische Auswirkungen die Arbeitslosigkeit auf betroffene Menschen hat:

#6 Die Gemeinschaft fehlt

Alarmierende 12,9% der Menschen ohne Job sagen, dass sie sich von der Gesellschaft ausgeschlossen fühlen. Das ist jeder 8. Arbeitslose. In der Restbevölkerung gibt es das traurige Phänomen zwar auch, allerdings ist nicht einmal jeder 30. betroffen.

#5 Der Kopf wird belastet

Die Neigung zu Depression ist für Menschen ohne Arbeit fast 4 mal so hoch wie für den Rest. 13,9% der Arbeitslosen fühlen sich "meistens niedergeschlagen".  Das birgt die Gefahr einer Spirale, die sich nach unten dreht. Die öffentliche Versorgung psychischer Gesundheit in Österreich sollte ausgebaut werden.

#4 Arbeitslosigkeit macht krank

Nicht arbeiten zu können, belastet nicht nur die Psyche, sondern auch körperlich. Jeder vierte arbeitslose Mensch (24%) fühlt sich gesundheitlich schlecht. Nur 7,4% sonst sagen dasselbe über sich.

#3 Im Leben fehlt etwas

Mehr als 3 von 10 Arbeitslose sind mit ihrem Leben im Allgemeinen unzufrieden. Nur jeder zwölfte Mensch sonst sagt dasselbe.

#2 Es fehlt das Geld

6 von 10 Arbeitslose sind unzufrieden mit ihren Finanzen. Das gilt nur für knapp 2 von 10 Menschen der restlichen Bevölkerung. Von den vorgestellten Problemen betrifft das Arbeitslose am Zweitmeisten, aber auch andere Menschen klagen darüber mehr als die anderen Probleme. Offenbar ist das Arbeitslosengeld zu niedrig, aber auch viele Löhne sollten erhöht werden. Wer keine Arbeit findet, sollte keine großen Geldsorgen haben. Und wer arbeitet, sollte mit dem Geld gut auskommen.

#1 Arbeitslose wollen arbeiten

Menschen, die Arbeitslose mit Strafen belegen wollen, unterstellen gerne, dass viele Menschen auf der faulen Haut liegen wollen. Das ist längst als Unsinn entlarvt. Wer noch einen weiteren Beweis braucht, findet ihn auch in diesen Daten. Dass die allermeisten Menschen unbedingt arbeiten möchten, zeigt sich sehr deutlich: Knapp 9 von 10 Arbeitslosen sind mit ihrer Jobsituation unzufrieden. Das ist der größte Unterschied im Vergleich zur restlichen Bevölkerung, in der nur 1 von 10 Menschen dasselbe sagt.

Und jetzt alles in einer Grafik?

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