Familie
Plötzlich zu Hause im Corona-Zeitalter: Familienidylle 24/7?
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/ 15. März

Nicht nur Menschen in Quarantäne oder so genannte Risikogruppen sollen die nächsten Tage lieber zu Hause bleiben und ihr soziales Leben auf ein Minimum reduzieren. Aber wie stehen wir diese Zeit psychisch durch? Wie verhindern wir Stress, Streit und Langeweile? Unsere fünf Tipps gegen den Lagerkoller.

 

Um einen explosionsartigen Ausbruch des Coronavirus zu verhindern, hat die Bundesregierung drastische Schritte beschlossen. Zwei Gebiete in Tirol wurden unter Quarantäne gestellt. Ab Montag bleiben sämtliche Geschäfte geschlossen, nur der Lebensmittelhandel, Apotheken, Drogerien, Post und Banken haben geöffnet. Restaurants, Bars und Kaffeehäuser müssen um 15 Uhr zusperren. Besuche in Altersheimen und Krankenhäusern sind untersagt. Viele SchülerInnen und Kindergartenkinder werden zu Hause bleiben, so viele ArbeitnehmerInnen wie möglich machen Homeoffice. 

 

Der Coronavirus fordert uns alle mental

Alle sind wir gefordert, die Schutzmaßnahmen ernst zu nehmen, unnötige Reisen, Besuche und Treffen abzusagen - und einfach mal so viel wie möglich zu Hause zu bleiben. Doch wie sollen wir diese Zeit durchstehen? 


#1 Tagesablauf schaffen

Der gewohnte Alltag ist für viele erstmal dahin. Umso wichtiger ist es, neue Tagesabläufe zu erstellen. Vor allem für Kinder ist das wichtig - am besten eine Lernzeit definieren und klarmachen, dass währenddessen nicht mit der Playstation gespielt werden darf. Geplante Treffen mit FreundInnen können als Videotelefonat geführt werden - der Austausch mit Gleichaltrigen ist für Kinder und Jugendliche wichtig. Der Kinderpsychotherapeut Karl-Ernst Heidegger rät: “Kinder brauchen klare Worte. Sie können sehr viel Verständnis und Rücksicht aufbringen. Hier sind die Erwachsenen gefordert, in ruhigen Gesprächen die aktuellen Geschehnisse zu erklären.” Sie verstehen dann schon, dass Papa nicht frei hat, sondern zu Hause im Homeoffice arbeiten muss und nicht gestört werden darf. Ein Tipp für alle, die zu Hause neben herumtollendem Nachwuchs arbeiten: White Noise-Geräuschkulissen schirmen gut den Umgebungslärm ab und tragen zu einer besseren Konzentration bei, es sind unzählige kostenlos auf Youtube zu finden.


#2 Beruhige dich!

In der jüngsten Geschichte haben wir noch nie solche tiefgreifenden Einschnitte in unserem Alltag erlebt. Die aktuelle Situation beschäftigt alle, viele Menschen sind beunruhigt oder verspüren Angst und Panik. Vor allem auf Kinder übertragen sich leicht negative Emotionen. Aber auch Erwachsene lassen sich gerne angesichts der leer gekauften Regale im Supermarkt anstecken und beginnen selbst mit Hamsterkäufen. Die Psychologin und Therapeutin Elisabeth Unterweger erklärt: “Es gibt einfache Übungen, die schnell zur Entspannung führen und Angst mindern. In Zeiten wie diesen sollten alle Medien längst davon berichten!” Wer extremen Stress oder Panik verspürt, soll laut Unterweger die Handgelenke unter einen kühlen Wasserstrahl halten - das beruhigt den Puls. Auch Atemübungen helfen: Die Hand auf den Bauch legen, tief einatmen und noch länger ausatmen. Auch das führt zu einem ruhigen Herzschlag.


#3 Lümmel nicht nur auf der Couch herum!

Die Verlockung ist groß, die Abende zu Hause mit einem Streaming-Marathon oder Computerspielen zu verbringen. Wie wär es zur Abwechslung mal wieder mit einem guten Buch? Wer nicht unter Quarantäne steht, darf sehr wohl ins Freie gehen: Spaziergänge beruhigen, auch Laufen tut gut. Natürlich sind Hygiene-Maßnahmen einzuhalten: Kinderspielplätze und Menschenansammlungen meiden, triffst du Bekannte, gib ihnen nicht die Hand, halte genug Abstand, wasche dir die Hände regelmäßig, fasse dir nicht ins Gesicht und niese in die Ellbeuge. Aber auch zu Hause ist Bewegung und Sport möglich. Tipp von der Moment-Redakteurin: Mit dem Video-Kanal “Yoga with Adriene” kostenlos zu Hause Yoga machen.



#4 Sei kreativ!

Du wolltest schon längst die Möbel im Wohnzimmer umstellen und Ausmisten? Oder endlich diesen Online-Malkurs beginnen, vielleicht die verstaubte Gitarre aus der Ecke holen? Jetzt ist die perfekte Zeit für längst aufgeschobene Vorhaben! Auch Kinder haben Spaß, wenn sie ihren Raum neu gestalten dürfen. Hol die guten alten Brettspiele hervor und mach einen Spieleabend. Wer neue Beschäftigungsideen für Kinder sucht, findet auf sozialen Medien unzählige Bastel- und Spieletipps. Und wie wäre es, wenn sich jeden Tag ein anderes Familienmitglied eine kreative Abendgestaltung überlegt? Damit ist für Abwechslung garantiert.


#5 Geh bei Streit weg

Wenn die gesamte Familie nun tage- und wochenlang zusammen in der Wohnung sitzt, sind Spannungen und Streitereien fast vorprogrammiert. Psychologin und Therapeutin Elisabeth Unterweger rät: “Am besten schon, bevor der Geduldsfaden reißt, in ein anderes Zimmer gehen. Wenn das nicht möglich ist, dann ins Badezimmer oder auf die Toilette.” Mit kühlem Kopf lassen sich Konflikte leichter bereinigen. Viele Menschen vergessen, sich auch zu Hause Zeit für sich zu nehmen. 

 

Gegenseitiges Verständnis und Solidarität sind in Zeiten wie diesen essenziell. Frag deine Nachbarn, ob sie Hilfe brauchen, verhalte dich in Geschäften rücksichtsvoll und halte auch dort ausreichend Abstand von deinen Mitmenschen!

In Italien ist der Zusammenhalt jedenfalls groß: Menschen singen sogar gemeinsam von Balkonen.

 

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