Moment mal - Löhne
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/ 4. Juni 2020

Arbeit muss sich lohnen? „Wer arbeitet, darf nicht der Dumme sein.“ Das hört man von Konservativen und Liberalen immer wieder. Aber nur als Argument gegen Sozialleistungen. Mit obszön niedrigen Löhnen hat man hingegen kein Problem.

„Wer arbeitet, darf nicht der Dumme sein.“ Das klingt doch vertraut. Deswegen setzen sie sich ja auch aktuell für Löhne ein, von denen man auch leben kann, richtig?

Moment mal!

Wir wundern uns gerade, was alles NICHT geht. Von einem Gehalt leben, für das man arbeiten geht, zum Beispiel. Wie in jeder Krise gibt es auch bei Corona ein paar, die diese Krise ausnützen wollen. Jüngstes Beispiel: Laudamotion, Tochter der Dumping-Fluglinie #Ryanair, will die Löhne ihrer FlugbegleiterInnen unter die Armutsgrenze drücken: Koste es, was es wolle!

Der Chef von Ryanair, der sich selbst einen Bonus von 99 Millionen Euro genehmigen ließ, zusätzlich zum Gehalt, wollte seinen Flugbegleiterinnen nur 1.000 Euro brutto zahlen. Für einen Job mit Schichtdienst, Verantwortung für die Sicherheit der Fluggäste, und hoher gesundheitlicher Belastung.

Für das alles: ein Gehalt, das unter der Armutsschwelle liegt. Nochmal. Das heißt. Vollzeit arbeiten. Und dafür so wenig verdienen, dass man offiziell als arm gilt. 

Die Wirtschaftskammer hatte diesem Plan bereits zugestimmt. Natürlich. Die alten Genießer dort. Dabei wurde schon 2017 von den Sozialpartnern verbindlich ausgemacht, dass es einen Mindestlohn von 1.500 Euro für alle geben soll. Mit dieser Einigung wollte man einem gesetzlichen Mindestlohn zuvorkommen.  Den brauche man nicht, hieß es vonseiten der Sozialpartner, man mache sich das schon selbst aus. Und heute ist das Abkommen nichts mehr wert?

Woran uns dieser Arbeitskampf erinnert: Löhne, von denen man leben kann, die waren  historisch gesehen IMMER das Ergebnis von Konflikten. Die müssen wir eben führen.

Und dabei können wir doch auf viel Unterstützung zählen, oder? Eher nein.

Wirtschaftsministerin Schramböck ließ im Kampf um einen Lohn über der Armutsschwelle bei Ryanair übrigens wissen, dass “sich alle bewegen sollen, damit ein Kompromiss zustande kommen kann”. Die ArbeitnehmerInnen halt unter die Armutsgrenze.

Soll also für die ÖVP doch der Dumme sein, wer arbeiten geht? Natürlich, unter einer Voraussetzung: Wer nicht arbeiten geht, soll noch dümmer dastehen. Und das heißt: Noch ärmer. Das ist der Armutslimbo der Konservativen. Löhne zu niedrig? Dann machen wir die Sozialleistungen noch niedriger, statt einen ordentlichen Mindestlohn einzuführen. 

Aktuell haben etwa Angestellte bei ÄrztInnen und ZahnärztInnen, MitarbeiterInnen in Rechtsanwaltskanzleien, im Schuhmacher- und Putzereigewerbe weniger als 1.500 Euro im Monat zur Verfügung. Ein Lohn, von dem man nicht leben kann. Ein gescheiter gesetzlicher Mindestlohn würde das verhindern. 22 EU-Staaten setzen übrigens auf einen Mindestlohn. Drei Argumente für einen einheitlichen Mindestlohn:

  1. Ein Mindestlohn heißt: Menschen können von ihrer Arbeit leben und  brauchen nicht dauerhaft Hilfe vom Staat.
  2. Wer gut verdient, kann auch Geld ausgeben.  Für den Frisör, das Wirtshaus und das neue Fahrrad. Das kurbelt die Wirtschaft insgesamt an. 
  3. Ein Mindestlohn verhindern einen Dumping-Wettbewerb nach unten.  Die Unternehmen können nicht versuchen, die Löhne ihrer Mitarbeiter unter die der Konkurrenz zu drücken.

Links und Quellen:

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