Coronavirus

Die Mutationen des Coronavirus sind am Vormarsch. Wie gut wirken die Impfstoffe noch dagegen?

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/ 16. Februar 2021

Die schnelle Entwicklung der Corona-Impfstoffe brachte die Hoffnung, dass die Pandemie bald eingedämmt werden könnte. Neue Mutationen des Corona-Virus werfen jetzt aber die Frage auf, wie wirksam diese Impfstoffe dagegen sind. Wir geben dir einen Überblick über die aktuelle Forschungslage.

Der Kampf gegen das Corona-Virus ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Denn das Virus mutiert laufend - und je länger die Pandemie andauert, desto häufiger wird das passieren. Aktuell stehen zwei Mutationen im Zentrum der Aufmerksamkeit: B.1.1.7, die zuerst in Großbritannien entdeckt wurde, sowie B.1.351, die Mutation, die erstmals in Südafrika festgestellt wurde. Mittlerweile könnte auch die Variante B.1.1.28 in Österreich angekommen sein, die vor allem in Brasilien zirkuliert - ein erster Verdachtsfall wird aktuell geprüft. Alle Varianten gelten als ansteckender als das ursprüngliche Virus. Bis Mitte Februar wurde  B.1.1.7 in Österreich 1096 Mal bestätigt, B.1.351 297 Mal. 

Letztere sorgt besonders in Österreich für Sorgen: Tirol galt schließlich als eines der größten Cluster der Mutation außerhalb Südafrikas. Von den bis Mitte Februar österreichweit 279 bestätigten Fällen sind dort 271 aufgetreten. Besonders der Impfstoff von AstraZeneca, der jetzt vermehrt in Österreich eingesetzt wird, soll nicht gegen diese Variante schützen. Doch diese Darstellung ist etwas vereinfacht. Vor den Details zu den einzelnen Impfstoffen sollte aber eine Frage geklärt werden:

Was bedeutet "Wirksamkeit" bei den Impfstoffen eigentlich?

Wie gut und ob Impfstoffe überhaupt wirken, wird oft mit den Werten ihrer Wirksamkeit gleichgesetzt. Doch die sind irreführend und nicht der einzige Faktor, den man berücksichtigen sollte. Dazu ein Beispiel:

Nehmen wir an es gäbe einen Impfstoff, der eine Wirksamkeit von 50% aufweist. Es wäre naheliegend zu glauben, dass ich nur zu 50% geschützt bin oder er bei der Hälfte der Menschen nicht wirkt. Doch das ist nicht ganz richtig: Die Wirksamkeit bezeichnet die Verminderung des Risikos im Vergleich zu denen, die nicht geimpft sind. Wenn von 1000 Personen theoretisch 100 an Corona erkranken, würden mit der Impfung nur mehr 50 erkranken.

Das heißt aber nicht, dass der Impfstoff die 50 erkrankten Personen nicht schützt. Denn erkrankt ist auch, wer nach der Impfung nur leichte Symptome wie Halsschmerzen oder Husten aufweist. Und der entscheidende Punkt ist, dass durch alle bisher zugelassenen Impfungen keine schweren Verläufe mehr auftreten - das Risiko, an Corona zu sterben, wird also für alle geimpften Personen gestoppt. Außerdem wird das Gesundheitssystem geschont, weil wesentlich weniger Menschen mit schweren Verläufen in das Krankenhaus müssen.
 

Wie gut wirken die Corona-Impfstoffe gegen die Mutationen?

Aktuell sind in der EU drei Impfstoffe zugelassen: Jener von Biontech/Pfizer, der von Moderna und schließlich der AstraZeneca-Impfstoff. Schützen diese Impfstoffe gegen die aktuellen Mutationen?

Biontech/Pfizer-Impfstoff:

Wirkung gegen das Corona-Virus: Der Impfstoff verhindert zu 95% symptomatische Erkrankungen. In Israel, wo mittlerweile drei Viertel der Bevölkerung geimpft wurde, hat man diesen Wert nun bestätigen können. Der Impfstoff schützt zu 100% gegen schwere oder tödliche Verläufe.

Wirkung gegen die in Großbritannien entdeckte Variante B.1.1.7: Der Biontech-Impfstoff bietet ausreichend Schutz gegen die Mutation, auch wenn die Schutzwirkung leicht abgeschwächt war

Wirkung gegen die in Südafrika entdeckte Variante B.1.351: Auch für diese Mutation wurde ein ausreichender Schutz durch eine externe Studie bestätigt. Es wurde zwar eine niedrigere Konzentration an Antikörpern im Vergleich zum ursprünglichen Virusstrang festgestellt, allerdings reicht diese als Schutz immer noch aus.

Moderna-Impfstoff:

Wirkung gegen das Corona-Virus: Der Impfstoff verhindert zu 94% symptomatische Erkrankungen. Er schützt zu 100% gegen schwere oder tödliche Verläufe.

Wirkung gegen die in Großbritannien entdeckte Variante B.1.1.7: Die Schutzwirkung gegen die britische Variante ist für den Moderna-Impfstoff ebenfalls leicht abgeschwächt, sie reicht aber für eine neutralisierende Wirkung weiterhin aus.

Wirkung gegen die in Südafrika entdeckte Variante B.1.351: Bei der südafrikanischen Variante ist die Wirksamkeit noch etwas niedriger, die Antikörper-Konzentration soll aber bei frisch geimpften Personen gegen die Mutation ausreichen. Moderna arbeitet aktuell an einem Auffrischungsimpfstoff, um auch einen längerfristige Schutz zu garantieren.
 

AstraZeneca-Impfstoff:

Wirkung gegen das Corona-Virus: Der Impfstoff verhindert zu 70% symptomatische Erkrankungen. Er schützt zu 100% gegen schwere oder tödliche Verläufe.

Wirkung gegen die in Großbritannien entdeckte Variante B.1.1.7: Auch beim AstraZeneca-Impfstoff wurde in Tests eine geringere Konzentration an Antikörpern bei der Mutation gemessen, der Schutz ist wie bei den anderen Impfstoffen aber dennoch gegeben.

Wirkung gegen die in Südafrika entdeckte Variante B.1.351: Bestätigt wurde bisher, dass der Impfstoff nur sehr wenig Schutz gegen leichte und moderate Verläufe der Mutation bietet. Nicht bestätigt ist jedoch, dass der Impfstoff keinen Schutz gegen schwere Verläufe bietet, denn bei der Testreihe haben überwiegend junge und gesunde Teilnehmer mitgemacht. Experten gehen davon aus, dass ein Schutz gegen schwere Verläufe durchaus gegeben ist.

Dass in Südafrika die Impfung mit dem Wirkstoff ausgesetzt wurde liegt auch daran, dass der Impfstoff auf jeden Fall nicht verhindert, dass geimpfte Menschen das mutierte Virus weiter übertragen. Wichtig ist allerdings, dass der Impfstoff von AstraZeneca einzelnen Personen immer noch Schutz vor der Krankheit bietet und auch gegen die britische Variante wirkt. Er ist also keineswegs sinnlos.

Mittlerweile belegen auch Daten aus Schottland die positiven Auswirkungen des Impfstoffs: Selbst bei nur einer erhaltenen Dosis kann das Risiko eines Spitalaufenthalts wegen Corona um 94% reduziert werden. Damit wirkt er noch etwas besser als der Impfstoff von Biontech/Pfizer, hier lag der Wert bei 85%. Dass der Impfstoff in vielen Ländern dennoch nicht bei Menschen über 65 Jahren, die besonders betroffen sind, eingesetzt wird, hat einen einfachen Grund: Es gibt zu wenige Daten von klinischen Studien zu dieser Altersgruppe.

AstraZeneca bietet also guten Schutz gegen das Virus - doch die Akzeptanz in der Bevölkerung gegenüber dem Impfstoff ist sehr niedrig. So füllen sich in einigen Ländern mittlerweile die Lager mit dem Impfstoff, unter anderem weil Menschen eine Impfung verweigern. Um die Impfdosen rechtzeitig verabreichen zu können, wird in einigen Ländern überlegt, andere Gruppen vorzuziehen.
 

Welche Corona-Impfstoffe werden bald zugelassen?

Johnson&Johnson-Impfstoff: 

Der Impfstoff des US-amerikanischen Herstellers Johnson&Johnson wird möglicherweise noch im März in der EU zugelassen. Im Oktober hat man sich 200 Millionen Dosen des Impfstoffs gesichert. In den USA erhielt er bereits am Anfang des Monats eine Notfallzulassung. Für dieses schnellere Verfahren müssen die Vorteile des Impfstoffes die Risiken überwiegen, was laut der Zulassungsbehörde FDA eindeutig gegeben sei. Kritik an einer langsamen Zulassung in der EU ist übrigens fehl am Platz, denn Johnson&Johnson hat den Antrag in der EU einfach später gestellt als in den USA. 

Bei der Impfung handelt sich wie bei AstraZeneca um einen Vektorimpfstoff, der im Kühlschrank gelagert werden kann. Und er hat noch einen sehr großen Vorteil: Im Gegensatz zu allen anderen Impfstoffen muss er nur ein Mal geimpft werden, um seine volle Wirkung zu erreichen. Damit kann die Immunisierung der Bevölkerung wesentlich schneller erreicht werden.

Wirkung gegen das Corona-Virus sowie Mutationen: Ähnlich wie bei AstraZeneca weist er eine etwas niedrigere Effektivität als Biontech/Pfizer und Moderna auf. Die globalen Tests ergeben eine Wirksamkeit von 66% nach einem Zeitraum von vier Wochen, in den USA liegt der Wert bei 72%. Diese Zahlen direkt mit denen der anderen Impfstoffe zu vergleichen, ist aber nicht ganz korrekt. Denn das Testumfeld hat sich verändert: Mittlerweile sind mehr Varianten des Virus im Umlauf, was die Effektivität des Impfstoffes in den Tests etwas senkt.

Doch wie oben erwähnt, ist diese Zahl nicht alleine entscheidend für die Qualität des Impfstoffs. Denn auch bei dem Impfstoff von Johnson&Johnson musste keine einzige geimpfte Person in den Studien wegen Corona ins Krankenhaus, niemand starb an Corona.

Die Wirksamkeit des Impfstoffes gegen unterschiedliche Varianten wurde nicht separat überprüft. Er musste sich jedoch gegen schon vorhandene Mutationen behaupten und wurde auch in Südafrika getestet, wo B.1.351 dominant ist. Dort zeigte sich eine Wirksamkeit von 64%.
 

Soll ich mich überhaupt impfen lassen?

Ja. Denn bei den Impfstoffen geht es nicht nur um die Frage, ob man eine Ansteckung verhindern kann. Es geht vielmehr darum, schwere Verläufe zu verhindern und das erreichen die Impfstoffe. Bei den Versuchsreihen in der Testphase starb niemand an Corona und es kam zu keinen schweren Verläufen, wie du hier auch sehen kannst:

 

Wie wirken die Corona-Impfstoffe?

Die Corona-Impfstoffe haben unterschiedliche Wirkweisen: Biontech/Pfizer und Moderna haben mRNA-Impfstoffe entwickelt, bei denen dem Körper die “Bauanleitung” für einen Teil der Virushülle geimpft wird. Die Zellen produzieren dadurch selbst die sogenannten Spike-Proteine, wogegen eine Immunreaktion erfolgt. Kommt es zu einer tatsächlichen Infektion, kann der Körper gezielter gegen das Virus vorgehen, weil er es schon kennt. Die menschliche DNA wird dabei übrigens keineswegs verändert, die mRNA-Botschaft wird von den Zellen einfach abgebaut.

AstraZeneca hat hingegen einen klassischeren Vektorimpfstoff entwickelt. Der wesentlichste Unterschied zum mRNA-Impfstoff ist, wie die Bauanleitung für die Spike-Proteine in den Körper gelangt. Dabei ist ein für den Menschen harmloses Virus der Träger (lateinisch “vector”) dieser Information, der es in einige Zellen einschleust. 

Was bedeutet eine Mutation eigentlich?

Viren mutieren ständig. Denn sie vermehren sich laufend, und dabei passieren regelmäßig kleine Fehler, wodurch sich das Erbgut der Viren verändert. Das muss allerdings nicht immer problematisch oder gar gefährlich sein - tatsächlich ist das relativ selten. Bisher wurden seit Beginn der Pandemie etwa 12.000 veränderte Virenstränge entdeckt. 

Bei den aktuell ansteckenderen Mutationen haben sich besonders die Spike-Proteine leicht verändert, dadurch erkennen die Antikörper diese Viren nicht mehr vollständig und diese können sich leichter an Zellen anheften. Die Antikörper können jedoch immer noch andere Teile des Virus blockieren, die sie erkennen. “Resistenz” gegen Impfungen ist ein etwas irreführender Begriff. Wenn etwa Bakterien gegen Antibiotika resistent werden, erzielt das Medikament keine Wirkung mehr. Impfungen hingegen sind mehr ein Werkzeug als ein Medikament. Sie trainieren das Immunsystem, das auch auf veränderte Viren noch reagieren kann.

Was passiert, wenn neue Corona-Mutationen auftreten?

Die schlechte Nachricht zuerst: Das Virus wird auch weiterhin in neuen Varianten auftreten. Je weiter es sich verbreitet, desto höher ist das Risiko einer Mutation, die das Virus ansteckender macht. Die Frage ist also nicht ob, sondern wann diese auftreten. Die gute Nachricht ist jedoch einerseits, dass laufend weitere Impfstoffe entwickelt werden, die auch gegen Mutationen wirksam sein können. Andererseits können aktuelle Impfstoffe an neue Mutationen angepasst werden, so arbeitet AstraZeneca bereits an einer neuen Impfung. Und speziell mRNA-Impfstoffe können innerhalb von nur wenigen Wochen aktualisiert werden. Die EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides hat angekündigt, dass es für solche Anpassungen ein schnelleres Zulassungsverfahren geben wird, wenn sie auf bereits zugelassene Impfstoffe basieren. Einen Überblick über den Stand der Impfstoff-Entwicklungen kannst du hier sehen.

Kann es einen Impfstoff gegen alle Corona-Viren geben?

Aktuell wird auch einer Impfung geforscht, die gegen alle Corona-Viren wirksam sein kann. Denn auch in Zukunft wird es wohl neue Pandemien geben, die von Corona-Viren hervorgerufen werden. Erste Forschungen für so einen “Pancorona-Impfstoff” verlaufen durchaus vielversprechend, es wird allerdings noch einige Jahre dauern, bis dieser bereit ist.
 


 

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