Ein Virus in Detail

Noch gibt es nur wenig gesicherte Kenntnisse zu der neuen Variante B.1.617

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/ 19. April 2021

Indien ist mittlerweile eines der Länder, das am stärksten von der Corona-Krise betroffen ist. Grund dafür könnte eine neue Mutation sein, die erstmals auf dem Subkontinent entdeckt wurde. Auch in Europa ist die Variante bereits angekommen. Was wissen wir über sie?

Das Infektionsgeschehen in Indien ist so schlimm wie nie zuvor. Etwa 15 Millionen Fälle gibt es mittlerweile, aktuell erkranken jeden Tag mehr als 270.000 Menschen an Corona. Dabei sind es auch vermehrt jüngere Menschen zwischen 20 und 40 Jahren, die wegen einer Erkrankung hospitalisiert werden. Neben anderen Gründen wird dieser schnelle Anstieg einer neuen Variante zugeschrieben: B.1.617 wurde im Jänner in Indien zum ersten Mal entdeckt. Jetzt ist sie ist unter den Mutationen, die in den letzten Wochen bei Erkrankten in Indien festgestellt wurden, die häufigste. Im Bundesstaat Maharashtra, wo sie erstmals aufgetreten ist, sind etwa 60% der Fälle auf diese Variante zurückzuführen.

Die Mutation wurde mittlerweile auch in anderen Regionen der Welt entdeckt, so etwa in Kalifornien. Und auch in Großbritannien konnten 77 Erkrankungen mit B.1.617 nachgewiesen werden. Österreich wird über kurz oder lang ebenfalls von dieser Variante betroffen sein. 
 

Warum ist B.1.617 gefährlich?

Die Variante weist - neben vielen anderen - zwei spezifische Mutationen auf: E484Q sowie L452R. Grundsätzlich sind solche Mehrfach-Mutationen nichts ungewöhnliches. Diese Veränderungen der Spike-Proteine sind auch bei anderen Formen des Virus bekannt, treten nun aber zum ersten Mal gemeinsam auf. Das hat zur Folge, dass sich das Virus besser vor einer Immunabwehr des Körpers schützen kann. Gleichzeitig ist es dabei auch ansteckender, als das ursprüngliche Virus. Anzeichen dafür, dass die Verläufe dabei schwerer sind, gibt es aktuell jedoch keine.

Doch wie genau die Mutation wirkt, ist noch unbekannt. Auch ob sie für die Lage in Indien verantwortlich ist, können ExpertInnen noch nicht eindeutig beantworten. Doch ihr Anteil an den Mutationen in Großbritannien scheint aktuell schnell anzusteigen, obwohl dort mittlerweile viele Menschen geimpft sind:

Wirken die Impfungen gegen B.1.617?

Wie für die anderen Mutationen gilt auch hier: Impfungen bieten auf jeden Fall einen Schutz vor schweren oder gar tödlichen Verläufen. Es besteht jedoch bei neuen Varianten immer die Möglichkeit, dass Impfstoffe nicht vor Ansteckungen schützen. Das kann auch bei B.1.617 der Fall sein, denn die Mutation L452R kann das Virus vor dem Immunsystem “verstecken”. Dadurch können bereits bestehende Antikörper das Virus weniger gut bekämpfen. Diese werden entweder durch eine überstandene Krankheit oder eine Impfung vom Körper produziert.

Gesicherte Daten gibt es dazu zwar noch nicht. Aber es würde, gemeinsam mit der höheren Infektionsrate von B.1.617, bedeuten, dass das Infektiongeschehen zunehmen kann. Das wiederum heißt, dass es einen wesentlich größeren Anteil an immunisierten Menschen braucht, um eine Herdenimmunität zu erreichen.

Ob sich diese Variante durchsetzen wird, kann man noch nicht sagen. So galt etwa auch die in Südafrika entdeckte Mutation B.1.351 ansteckender, dennoch dominiert aktuell in Österreich die in Großbritannien erstmal festgestellte Variante B.1.1.7 das Infektionsgeschehen deutlich. Vieles ist also aktuell noch unklar und wird sich erst in den nächsten Wochen weisen. Die Angst vor einer "Super-Mutation", wie sie manche Medien nennen, ist aber auf jeden Fall noch nicht angebracht.
 

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