Die Fassade des Buchgeschäfts Hartliebs Bücher in Währing.

Keine Abholstationen im Buchhandel: Die Buchgeschäfte in Österreich haben seit Dienstag ihre Rollos hinuntergelassen. Doch dahinter wird teilweise weiter auf Hochtouren gearbeitet.

Foto: Katharina Egg

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/ 19. November 2020

Mit der neuen Verordnung kam eine große Enttäuschung im Buchhandel: Geschäfte dürfen während des Lockdowns keine kontaktlosen Abholstationen einrichten. Dabei würden gerade sie einen großen Mehrwert für die unmittelbare Nachbarschaft haben, sagt Petra Hartlieb.

Sie betreibt mit ihrem Mann eine kleine Buchhandlung in Wien Währing. “Hartliebs Bücher” ist aber auch weit über die Grenzen des Bezirks bekannt. Im Frühling wurde der Familienbetrieb gerne als positives Beispiel für den reibungslosen Online-Versand genannt. Der geht jetzt in die zweite Runde.

Wir haben Petra Hartlieb fünf Fragen zu den aktuellen Regelungen gestellt:

In Frankreich demonstriert der Buchhandel lautstark gegen Schließungen im Lockdown - warum nicht auch in Österreich?

Das weiß ich nicht. Aber im Lockdown sieht man, welche Branchen in Österreich als wichtig erachtet werden und welche nicht. Es zeigt, wie ein Land tickt, wenn die Vinotheken aufsperren, aber die Buchhandlungen nicht. In Berlin waren die Buchhandlungen im ersten Lockdown offen, weil sie als wichtig für “die Deckung der Grundbedürfnisse des täglichen Lebens” definiert wurden.

Ich wünsche mir ein Land, in dem Lesen, gerade für Kinder, unterstützt wird. Und deshalb auch die Buchhandlungen im Viertel. Dabei geht es nicht darum, das Weihnachtsgeschäft zu retten. Es geht darum, dass sich Menschen schnell ein Buch holen können. Ich erhalte verzweifelte Anrufe von Eltern, die ein Reclamheft brauchen oder ein Mathematik-Lösungsheft. Es ist aktuell mühsam an Bücher zu kommen.

Ihr Buchgeschäft wird oft als gutes Beispiel herangezogen, wenn es um Online-Versand und innovative Ideen geht.

Wir und auch viele andere Buchgeschäfte haben den Sommer genutzt, um aufzurüsten. Wir haben unsere Logistik verbessert, eine Telefonanlage gekauft und Personal geschult. Im ersten Lockdown mussten wir das Versandgeschäft schnell lernen. Wir hatten plötzlich 200 statt 20 Bestellungen. Das war schwierig und chaotisch. Jetzt sind wir besser aufgestellt.

Wie läuft das Geschäft nach ein paar Tagen Lockdown?

Bei uns läuft es gut.  Wir machen online einen ähnlichen Umsatz, wie im Normalbetrieb. Aber es ist dreimal so viel Arbeit und es bleibt nur die Hälfte vom Geld übrig. Das ist das Problem. Es geht so viel Arbeitskraft und Ressourcen der MitarbeiterInnen drauf. Es ist so teuer, weil das Porto dazukommt.

Das heißt, eine Abholstation wie in der Gastro wäre eine Erleichterung?

Natürlich, das wäre eine Serviceleistung für all die Leute, die in der Umgebung wohnen. Ich sehe die Adressen, die bei uns bestellen: Die Menschen wohnen teilweise nur drei Häuser weiter. Die meisten bestellen im Umkreis von 1 Kilometer. Das heißt, wenn man zum DM, zur Apotheke, zum Schuster oder zur Vinothek um die Ecke geht, kann man aktuell nicht kurz bei uns kontaktlos ein Buch holen. Ein Versand auf so kurze Wege ist auch ökologisch ein Wahnsinn. Die Post ist weiter weg als die meisten Menschen, die bestellen.

Hat sich da die eigene Lobby vielleicht nicht stark durchgesetzt?

Ja, auf jeden Fall. Man hätte sich von Anfang an gemeinsam auf die Füße stellen müssen. Und gemeinsam sagen müssen: Wir sind wichtig.

Es gibt immer eine Ungleichbehandlung der unterschiedlichen Branchen. Wie aber die Entscheidungen schlussendlich zustande kommen, weiß niemand. Auch die aktuelle Gießkannen-Förderung der Regierung finde ich nicht gut und auch nicht gut durchdacht.

 

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