Ein zerbrochenes Sparschwein
Viele Selbstständige, die nun nicht arbeiten können, müssen jetzt ihre Ersparnisse aufbrauchen. Wer keines hat, ist schnell in finanzieller Not. Credit: publicdomainpictures.net/Georg Hodan
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/ 26. März

Viele Menschen, vor allem Selbstständige, erleben gerade einen Totalausfall ihrer Einnahmen. Sie brauchen dringend finanzielle Hilfe - viele wissen nicht mehr, wie sie die Wohnungsmiete, Strom und Gas bezahlen sollen.


Nicole Schöll ist Fußpflegerin und betreibt ein kleines Studio in Wiener Neustadt. Die Corona-Krise hat sie hart erwischt: “Nicht nur, dass ich nicht weiß wie ich die laufenden Firmenkosten wie die Studiomiete bezahlen soll, ich bin außerdem alleinerziehende Mutter und habe keinen Partner, der zumindest die privaten Wohnkosten einstweilen übernehmen kann.” Nicole hat nun die Sozialberatung der Caritas um Hilfe bei der privaten Miete gebeten.

 

Die Corona-Krise trifft viele Selbstständige

Im Gegensatz zu ArbeiterInnen oder Angestellten, die zumindest Arbeitslosengeld bekommen, wenn sie ihren Job verlieren, bekommen Selbstständige auch bei einem kompletten Umsatzausfall gar kein Geld. Zwar hat die Regierung ein milliardenschweres Hilfspaket beschlossen - doch viele der Maßnahmen wie Kurzarbeit sind vor allem für großen Unternehmen gedacht. Erst diesen Freitag soll verkündet werden, wie Selbstständigen und kleinen Betrieben geholfen werden soll. Viele Betroffene wie Schöll brauchen aber jetzt bereits dringend Geld.


Wer keine Rücklagen hat, hat es nun schwer

Die Fußpflegerin rechnet uns vor: Die laufenden Firmenkosten betragen rund 1.200 Euro, Privat muss sie für die Wohnungsmiete, Betriebskosten und private Kredite rund 1.700 Euro aufbringen. Ihr “Einkommen” setzt sich derzeit nur aus Kinderbeihilfe, Wohnzuschuss und Alimente zusammen, die insgesamt rund 790 Euro ausmachen. Kurzum: Wer keine Rücklagen oder viel Erspartes hat, kommt als Selbstständiger oder Selbstständige bei einem Totalausfall nicht über die Runden.

 

Banken sind nicht entgegenkommend

Schöll ärgert, dass die Banken ihr derzeit teilweise gar nicht entgegenkommen. Sie hat ihr Studio noch nicht lange und konnte einfach keine Rücklagen aufbauen, sie muss sogar noch Kredite zurückbezahlen. Die Regierung hat zwar Hilfskredite und Kreditstundungen versprochen, was bedeutet, dass die Ratenzahlungen aufgeschoben werden können - doch in der Praxis schaut das anderes aus. “Meine Hausbank hat sogar abgelehnt, dass ich den Überziehungsrahmen des Kontos ausdehnen kann. Sie hätten ja keine Absicherung, weil ich keine Einnahmen habe,” so Schöll. Eine fast zynische Antwort für jemanden, der wegen der Corona-Krise gerade um sein wirtschaftliches Überleben kämpft.
 

Es braucht schnelle Hilfe für Selbstständige

Schöll würde sich von der Regierung zumindest einen schnellen Hilfskredit wünschen, der die laufenden Kosten abdeckt und der mit niedrigen Zinsen langfristig zurückbezahlt werden kann. “Ich will ja nichts geschenkt. Es reicht ja schon ein Überbrückungskredit. Momentan weiß ich einfach nicht, wann und ob ich eine finanzielle Hilfe bekomme - und wie ich überleben soll bis diese endlich überwiesen wird.”

Auch die Beratung der Wirtschaftskammr war bislang keine Hilfe. Schöll wollte einen sogenannten Existenzsicherungszuschuss beantragen. Dieser soll helfen, die Fixkosten des Studios abzudecken. Doch die Hotline hat sie nur darüber informiert, dass sie diesen Zuschuss lieber später einreichen soll, da dieser nur einmalig beantragt werden kann und für die restlichen Monate, die diese Krise vielleicht noch dauert, nicht mehr um diese Hilfe angesucht werden kann.

Schöll braucht aber wie so viele andere Selbstständige in ihrer Situation aber jetzt sofort dringend Geld. Nun hat sogar ihre achtjährige Tochter das Sparschwein geschlachtet, damit laufende Zahlungen getätigt werden können. “Sie hat gemeint, sie braucht derzeit keine neuen Spielsachen. Die 125 Euro, die ich nun aufs Konto legen kann, werden auch wirklich bitter benötigt,” so die Mutter.
 

Immer mehr Selbstständige wenden sich an Caritas Sozialberatung

Auch Doris Anzengruber, Leiterin der Caritas-Sozialberatung in Wien, ist mit immer mehr Fällen wie Nicole Schöll konfrontiert: “Die Corona-Krise trifft alle. Auch Menschen, die niemals dachten, dass sie jemals Hilfe von uns brauchen.” Die Sozialberatung hilft Menschen in Krisensituationen, die etwa die Miete der Stromrechnungen nicht mehr bezahlen können und von einem Wohnungsverlust bedroht sind. Menschen in prekären Arbeitssituationen, die kein finanzielles Polster haben und nun arbeitslos geworden sind oder einen Totalausfall ihrer Umsätze haben, sind in einer Notlage.

 

Viele Alleinerziehende von Corona-Krise betroffen

Anfang der Woche wandte sich bereits eine Masseurin an die Sozialberatung der Caritas. Auch sie hat nun absolut kein Einkommen, dazu hatte sie in den vergangenen Monaten hohe Ausgaben und konnte deshalb nichts sparen. “Sie erzählte unter Tränen, dass sie kein Geld mehr hat, aber Hunger und der Kühlschrank leer ist,” berichtet Anzengruber. Ihr 16-jähriger Sohn stand daneben, versuchte sie zu trösten, doch die Frau konnte nicht aufhören zu weinen. 

Diese Beispiele zeigen: Die Corona-Krise steht erst am Anfang und bereits jetzt wissen Menschen nicht mehr weiter. Das Motto der Regierung “Niemanden zurücklassen” darf nicht nur für große Unternehmen meinen.

 

Die Caritas bietet übrigens neben Lebensmittelausgaben und der Sozialberatung auch Familienberatung an. Für AlleinerzieherInnen und generell Familien, denen nun die Decke auf den Kopf fällt, stehen Familientherapeuten für Gespräche zur Verfügung. Die Telefonnummer lautet 01/4815481, die Mailadresse familienzentren@caritas-wien.at

 

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