Masken auf Wäscheleine_Corona
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  Alexander Huber

/ 14. Juli 2021

Nach rund 500 Tagen lässt sich erstmals eine Art Krisenbilanz ziehen. Wie kam Österreich durch die Corona-Krise? Ökonom Alexander Huber vom Momentum Institut hat die Lage analysiert.
 

Rund 500 Tage ist es her, als sich in Österreich alles änderte. Die erste Person wurde am 25. Februar 2020 positiv auf das Coronavirus getestet. Seither sind hierzulande über 10.000 Menschen an oder mit Corona verstorben, Überlebende kämpfen mit Langzeitfolgen.

Die Gesundheitskrise hat auch eine beispiellose Wirtschaftskrise ausgelöst. Während 2020 die Wirtschaftsleistung in Österreich um 6,3 Prozent schrumpfte, ist die Arbeitslosigkeit hingegen explodiert - sie liegt immer noch fast 20 Prozent über dem Wert vor der Krise. Nachdem sich die gesundheitliche Situation in den vergangenen Wochen zumindest vorerst entspannt hat, lässt sich nun erstmals eine Art Krisenbilanz ziehen: Im Vergleich mit 37 OECD-Ländern schneidet Österreich dabei nur mittelmäßig ab.

Erste Corona-Krisenbilanz: Covid Misery Index

Um das Elend darzustellen, das die Corona-Krise verursacht hat, errechnet das Momentum Institut den "Covid Misery Index". Dabei fließen gesundheitliche (Infizierte, Todesfälle) und wirtschaftliche (Wachstumseinbruch, Arbeitslosigkeit) Zahlen ein. Die einzelnen Länder erhalten in der Folge eine Schulnote zwischen 1 und 5. Österreich erreicht eine 3,03 und landet damit im unteren Mittelfeld der OECD-Länder. Durch den Vergleich ist es möglich sich anzusehen, welche Strategien gut funktioniert haben.

Der Covid Misery Index berücksichtigt je zwei gesundheitliche und wirtschaftliche Variablen. Insgesamt schnitt Österreich mit einer Note von 3,03 schlechter ab als der Großteil der OECD-Länder.

Am besten schneiden Südkorea, Neuseeland und Australien ab. Wie haben sie das geschafft? Die Strategie dieser Länder war es, die Fallzahlen möglichst niedrig zu halten, auch bekannt als Zero-Covid-Strategie. Sehr rasche und strenge Lockdowns über einen kurzen Zeitraum radierten das Virus aus und ermöglichten danach vergleichsweise schnell weitreichende Öffnungsschritte ohne Gefahr. Wenn doch wieder erste Fälle auftraten, wurde lokal kurz wieder beschränkt, bis der Ausbruch vorbei war. Die wirtschaftlichen Schäden konnten kleiner gehalten werden.

Die Erfolge dieser Länder stehen in starkem Kontrast zur in Europa oft vertretenen Ansicht, bei den Corona-Maßnahmen müsse man dauernd zwischen Gesundheit und Wirtschaft abwägen. Weder das eine noch das andere wurde dadurch so gut geschützt, wie in den Top-Ländern außerhalb Europas. Durch die im Vergleich vielen geöffneten Bereiche blieb das Virus im Umlauf und es kam immer wieder zu großen Ausbrüchen. Hohe Fallzahlen, Arbeitslosigkeit und der Einbruch des Wirtschaftswachstums waren die Folge.

Österreich erlebte in der Corona-Krise einen der stärksten wirtschaftlichen Einbrüche. Die Wirtschaftsleistung schrumpfte hierzulande im Vergleich zu 2019 um 7,5 Prozent. Nur vier Länder schnitten noch schlechter ab. Auch die Arbeitslosigkeit liegt in Österreich trotz Kurzarbeit noch immer fast 20 Prozent über dem Vergleichswert aus dem Jahr 2019.

Wege aus der Corona-Krise

Wann wird sich die österreichische Wirtschaft erholen? Nur langsam, laut Prognosen der OECD und der heimischen Forschungsinstitute WIFO und IHS. Die Rückkehr zum Vorkrisenniveau des Bruttoinlandsproduktes wird erst Mitte 2022 erfolgen. Die USA haben dieses Niveau dank massiver Konjunkturprogramme bereits im Frühjahr wieder erreicht. An den Vorkrisenwachstumspfad wird die österreichische Wirtschaft frühestens 2023 wieder anschließen können.

Was muss jetzt passieren?

Für einen Weg aus der Krise, der auch den Vielen zugutekommt, empfiehlt das Momentum Institut folgende Maßnahmen:

  • Gerechte Verteilung der Krisenkosten durch Erhöhung der Körperschaftssteuer oder Corona-Gewinnsteuer
  • Nutzen des günstigen Zinsumfeldes für expansive fiskalpolitische Maßnahmen
  • Erhöhung des Arbeitslosengeldes auf 70 Prozent
  • Ein-Personen-Unternehmen (EPU) sollten in die Arbeitslosenversicherung aufgenommen werden
  • Ausbau des öffentlichen Sektors in den Bereichen Klima, Pflege, Justiz und Bildung. 

 
Der ganze detaillierte Bericht ist hier zu finden.

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