Viele Menschen verlieren derzeit ihre Jobs, obwohl ihr Unternehmen Staatshilfen in Anspruch nimmt
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Michael Bonvalot

/ 9. November 2020

AUA, Novomatic oder die VW-Tochter MAN: Zahlreiche Firmen haben Kurzarbeit in Anspruch genommen und von staatlicher Unterstützung profitiert. Dennoch kündigen sie jetzt MitarbeiterInnen – während die EigentümerInnen oftmals auf Milliardenvermögen sitzen.

Die Republik Österreich hat in der Corona-Krise zahlreiche Förderungen an Unternehmen ausgezahlt. Vor allem wurden viele Betriebe mit Maßnahmen zur Kurzarbeit unterstützt. Einen umfassenden Überblick, welche Betriebe welche Förderungen kassiert haben, gibt es nicht. Sowohl die Liste der Unternehmen wie die jeweils ausbezahlten Summen werden von der Regierung und den Ländern geheim gehalten.

Bekannt geworden sind einige der Förderungen nur indirekt, nämlich im Zuge von Kündigungen. Die folgende Liste stellt also vermutlich nur die Spitze des Eisbergs dar. Nicht nur, was die Förderungen betrifft sondern auch in Hinblick auf Kündigungen. Denn berichtet wird meist (auch von den Regionalzeitungen) nur über Kündigungen in großen Betrieben – doch auch in vielen kleinen Unternehmen haben Menschen ihren Arbeitsplatz verloren. 

Dennoch ist die folgende Liste sehr spannend. Denn hier findet ihr nicht nur Informationen über Kündigungen und Kurzarbeit – sondern auch über die oftmals milliardenschwerden EigentümerInnen, die die KollegInnen entlassen.

Novomatic, Pechspiel

"Novomatic zahlt alle" wurde zum geflügelten Wort. Doch Novomatic zahlt nicht nur, es wird auch kassiert. Trotz Kurzarbeit hat Eigentümer Johann Graf sich selbst auch noch eine Dividende von 50 Millionen Euro auszahlen lassen. Jetzt entlässt das Unternehmen 120 Menschen.

Magna, Automobil

Der Konzern des rechten Multimilliardärs Frank Stronach hat im Stammwerk Graz 600 KollegInnen zur Kündigung angemeldet. Bei Magna Powertrain sind an den Standorten Lannach, Ilz, Albersdorf und Traiskirchen mindestens 100 weitere KollegInnen betroffen. Gleichzeitig zählt Magna zu den Betrieben in der Steiermark, wo am meisten Personen in Kurzarbeit geschickt wurden. Das Vermögen von Frank Stronach wird auf rund 1,3 Milliarden Euro geschätzt.

Andritz, Maschinenbau

Beim Anlagenbaukonzern Andritz sollen an den Standorten Graz und Wien rund zehn Prozent der Belegschaft abgebaut werden, 180 Arbeitsplätze werden gestrichen. Trotz Corona hat Andritz auch 2020 eine Dividende ausbezahlt, Firmenchef und Milliardär Wolfgang Leitner ist laut Forbes unter den zehn reichsten Personen in Österreich

BWT, Wasseraufbereitung

Am Standort Mondsee in Oberösterreich sollen 60 KollegInnen gekündigt werden. Gleichzeitig hat der BWT-Konzern Unterstützung durch Kurzarbeit erhalten. Eigentümer Andreas Weißenbacher gilt als einer der reichsten Männer des Landes, laut Trend besitzt er zwischen 600 und 800 Millionen Euro.

MAN, LKW

Die Tochter des VW-Konzerns will den Standort Steyr in Oberösterreich komplett dicht machen. 2300 Menschen würden ihren Arbeitsplatz verlieren. Gleichzeitig wurde MAN mit Kurzarbeit unterstützt. Größter Einzelaktionär von VW ist der österreichische Familienclan Piëch/Porsche, mit einem Vermögen von geschätzten 35 bis 37 Milliarden Euro die reichste Familie des Landes.

 

Doka, Bau

Rund 300 KollegInnen des Schalungstechnik-Unternehmens sollen ihren Arbeitsplatz verlieren. Betroffen sind das Hauptquartier im niederösterreichischen Amstetten sowie die Produktion. Zuvor waren zahlreiche KollegInnen in Kurzarbeit. Doka gehört zur Umdasch Group, das Vermögen der Familie Umdasch wird auf über eine Milliarde Euro geschätzt.

Strabag, Bau

Der Baukonzern Strabag, das größte Bauunternehmen des Landes, hat einerseits im Frühjahr tausende KollegInnen in Kurzarbeit geschickt. Dennoch wurde bei der Hauptversammlung von Strabag im Juni 2020 die Auszahlung einer Dividende an die AktionärInnen beschlossen. Größter Einzelaktionär und damit Profiteur ist Hans Peter Haselsteiner. Der Finanzier der neoliberalen Neos ist mit einem Vermögen von rund 1,8 Milliarden Euro auf Platz 24 der reichsten Personen in Österreich.

Saubermacher, Reinigung

Am ersten Tag nach dem Auslaufen der Kurzarbeit meldet die steirische Firma 38 Kolleginnen zur Kündigung an, das sind rund vier Prozent der Belegschaft. Eigentümer Hans Roth ist auf der aktuellen Trend-Liste 2020 der 100 reichsten Menschen des Landes.

Huber, Textil

Mindestens 80 KollegInnen beim Vorarlberger Wäschehersteller sollen ihre Arbeitsplätze verlieren, im Mai hat die Firma Insolvenz angemeldet. Zuvor wurde der Betrieb mit Mitteln aus der Kurzarbeit unterstützt. Der malaysische Eigentümer Robert Ng besitzt laut Forbes ein Vermögen von 13 Milliarden Euro.

Casinos Austria, Glücksspiel

Der teilstaatliche Glücksspielkonzern hat 600 KollegInnen zur Kündigung angemeldet. Davor hatten die Casinos Austria noch die Kurzarbeit genützt. Größter Aktionär ist der tschechische Mischkonzern Sazka/KKCG. Dessen Gründer Karel Komárek ist einer der reichsten Männer Tschechiens, Forbes schätzt sein Vermögen auf 3,1 Milliarden Euro.

FACC, Luftfahrt

Der Luftfahrttechnik-Konzern hat die Kündigung von 650 Kolleginnen an den Standorten Ried, St. Martin und Reichersberg angekündigt. Trotz bereits erfolgter Ankündigung der Entlassungen hat FACC Ende Juni um Fortführung der Kurzarbeit angesucht. Der Eigentümer, die chinesische AVIC-Gruppe, ist ein milliardenschweres globales Luftfahrtunternehmen.

AUA, Luftlinie

Trotz Kurzarbeit, Gehaltskürzungen und massiver Staatshilfe will die Lufthansa-Tochter AUA mindestens 1100 KollegInnen entlassen. Größter Einzelaktionär der Lufthansa ist Heinz Hermann Thiele, Laut Forbes besitzt er ein Vermögen von 13,9 Milliarden Euro.

ATB, Motoren

Insgesamt 360 KollegInnen sollen ihren Arbeitsplatz verlieren, nachdem der ATB-Konzern den Standort Spielberg in der Obersteiermark schließen möchte. Zuvor war der Betrieb auf Kurzarbeit. ATB gehört dem chinesischen Konzern Wolong. 2012 hatte dessen Vorstandschef Jiancheng Chen sowohl eine Arbeitsplatz- wie eine Standortgarantie für Spielfeld abgegeben.

Mahle, Automobil

Fast zehn Prozent der Belegschaft sollen im Kärntner Werk des deutschen Autozulieferers Mahle ihren Arbeitsplatz verlieren. 130 von 1730 KollegInnen im Werk in St. Michael ob Bleiburg sollen gekündigt werden. Zuvor war der Betrieb auf Kurzarbeit. Der Konzern ist einer der 20 größten Automobilzulieferer der Welt und gehört der esoterisch ausgerichteten Mahle-Stiftung.

Voest, Stahl

Rund 500 KollegInnen an den Voest-Standorten Kindberg und Kapfenberg in der Steiermark sollen ihren Arbeitsplatz verlieren. Der Stahlkonzern hat über 10.000 KollegInnen in Kurzarbeit geschickt. Die AktionärInnen dürfen sich dennoch freuen: Trotz Corona zahlt voestalpine auch 2020 eine Dividende aus.

Swarovski, Schmuck

Bereits bis Jahresende sollen 1000 Kolleginnen am Standort Wattens in Tirol ihren Arbeitsplatz verlieren. Weitere Kündigungen stehen im Raum. Zuvor hatte Swarovski zahlreiche KollegInnen in Kurzarbeit geschickt. Die Familie Swarovski steht mit einem Vermögen von rund 4,1 Milliarden Euro in den Top-Ten der Trend-Liste der reichsten ÖsterreicherInnen.

W&H Dentalwerk, Medizinprodukte

Über 50 der 700 KollegInnen hat der Medizin-Produkte Hersteller am Standort Bürmoos im Salzburger Flachgau zur Kündigung angemeldet. Zuvor hatte der Betrieb Kurzarbeit genützt.

AVL List, Automobil

Am Standort Graz wird AVL List rund 220 Kolleginnen kündigen. Das wurde Ende September bekannt. Bereits seit dem Frühjahr waren rund 2000 MitarbeiterInnen, etwa die Hälfte der Belegschaft, in Kurzarbeit. Eigentümer Helmut List besitzt laut Trend-Liste 2020 ein Vermögen von rund 800 Millionen Euro.

Wolford, Textil

Der Vorarlberger Textilhersteller hat für seine MitarbeiterInnen das Modell Kurzarbeit genützt. Dennoch wurden Ende August 54 KollegInnen am Stammsitz in Bregenz zur Kündigung angemeldet. Mehrheitseigentümer ist der große chinesische Multikonzern Fosun. Dessen Vorstandsvorsitzender Guo Guangchang gilt mit einem Vermögen von rund 4,9 Milliarden Euro als einer der reichsten Menschen in China.

Salzburger Aluminium, Metall

Die Salzburger Aluminium AG kündigt 29 der rund 150 MitarbeiterInnen am Standort Lend. Zuvor hatte SAG MitarbeiterInnen in Kurzarbeit geschickt. Das Vermögen der Eigentümerfamilie Wöhrer ist nicht bekannt.

Auch andere haben Menschen inmitten der Krise gekündigt

Diese Liste umfasst ausschließlich Betriebe, von denen bekannt ist, dass sie in der Corona-Krise staatliche Unterstützung in Anspruch genommen haben. Doch auch zahlreiche weitere Unternehmen haben KollegInnen gekündigt. 

Das betrifft etwa den Papierkonzern Mayr-Melnhof. Das Vermögen der ehemaligen Adelsfamilie Mayr-Melnhof wird auf 2,7 Milliarden Euro geschätzt. Oder Isovolta, Zulieferer der Luftfahrtindustrie. Am Standort Wiener Neudorf sollen 80 Arbeitsplätze verloren gehen, die Hälfte der Belegschaft. Isovolta gehört der Familie Turnauer, die mit einem geschätzten Vermögen von über einer Milliarde Euro zu den reichsten Familien des Landes zählt

Was bisher in der COVID-Krise passiert, ist sehr eindeutig: Österreichische  und internationale MultimilliardärInnen nehmen staatliche Hilfen in Anspruch – und danach entlassen sie in vielen Fällen erst recht die KolllegInnen. Das reichste Prozent der privaten Haushalte in Österreich besitzt vermutlich rund 534 Milliarden Euro – mehr als eine halbe Billion. 

Das sind unfassbare Summen. Bsi der VW-Tochter MAN sollen trotz Kurzarbeit 2300 Menschen ihren Job verlieren. Der größte Einzelaktionär, die Familie Porsche/Piëch, besitzt mindestens rund 35 Milliarden Euro. Das Geld wäre da, um die Arbeitsplätze zu erhalten. Es ist eine Frage der Verteilung.

 

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