Morgenmoment
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/ 1. Juni 2021

Guten Morgen!

Heute erfährst du, warum Joe Biden quasi der Bruno Kreisky der USA ist. Also, zumindest in einem klitzekleinen Punkt. Welcher das ist, liest du ganz zum Schluss. Vorher erfährst du aber noch, was Wolfgang Schüssel und eine alte Rindersorte gemeinsam haben. Heute gibt es einen Morgenmoment voll ehemaliger Kanzler, zusammengetragen von Sebastian Panny.

#1 Möchtest du das teilen?

Für viele Frauen sind extrem starke Regelschmerzen normal. Nur wenige wissen, dass dieses Symptom auf eine Krankheit hinweisen kann: Eine von zehn Frauen erkrankt in ihrem Leben an Endometriose. Doch diese Krankheit ist immer noch relativ unbekannt - sowohl bei PatientInnen, aber auch bei ÄrztInnen. Warum Schmerzen bei der Regelblutung eigentlich nicht normal sein sollten und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt, haben wir in diesem Artikel für dich beschrieben.

#2 Zahl des Tages

In kaum einem Land in der EU sind die Vermögen so ungleich verteilt, wie in Österreich. Vermögenssteuern könnten dem entgegenwirken. Und die Mehrheit der Bevölkerung befürwortet deren Einführung auch schon seit 2009 in fast allen Umfragen. Die Steuern wären außerdem ein gutes Werkzeug, um die Kosten der Corona-Krise zumindest teilweise zu finanzieren.

Eine aktuelle Recherche des Momentum Instituts zeigt jedoch, dass in österreichischen Tageszeitungen auffallend negativ darüber geschrieben wird. Dazu wurden Artikel aus den Jahren 2005-2020 analysiert, die in fünf Zeitungen erschienen sind. In allen Qualitätsmedien überwog dabei die ablehnende Haltung gegenüber Vermögenssteuern. 69% der Berichte waren negativ, nur 22% zustimmend. Die restlichen 9% waren ausgeglichen. Besonders extrem war die Berichterstattung in der “Presse”, in der 82% der Artikel negativ waren. Aber sogar im liberalen “Standard” lag dieser Wert bei 52%. Die ganze Recherche kannst du hier nachlesen.
 

#3 Hast du das gehört?

2002 brachte gleich zwei Premieren: Die Einführung des Euro und einen Wahlsieg Wolfgang Schüssels. Der hatte ja vorher nur die Bronzemedaille bei den Wahlen erreicht. Kanzler war er trotzdem. Was das alles mit dem "Angler Rind alter Zuchtrichtung" zu tun hat? Das erklären dir die Gebrüder Moped in der neuen Ausgabe ihres Podcast des Jahres am besten selbst.

#4 Die Nachrichten erklärt

Von 31. Mai bis zum 1. Juni 1921 kam es in Tulsa, Oklahoma, zu einem der schlimmsten Fälle von Lynchjustiz in der US-amerikanischen Geschichte. Dabei wurde das Stadtviertel Greenwood, wo aufgrund der Rassentrennungsgesetze nur Schwarze Menschen lebten, fast vollständig zerstört. Ein Mob ermordete bis zu 300 Menschen, mehr als 8.000 Personen wurden dadurch obdachlos. 

Ausgangspunkt war der Bericht über eine angebliche Vergewaltigung einer Weißen Frau durch einen Bewohner von Greenwood in der “Tulsa Tribune”. Tatsächlich gab es dafür allerdings nie Beweise. Lynchjustiz war besonders in den Südstaaten der USA weit verbreitet, sehr häufig wurde dafür von Weißen Menschen ein Vorwand erfunden. Als einige Bewohner von Greenwood der Polizei ihre Unterstützung anboten, um den Beschuldigten gegen den Mob zu schützen, eskalierte die Situation. Bei Handgreiflichkeiten löste sich ein Schuss und traf einen Schwarzen Mann in die Brust.

Daraufhin flohen die BewohnerInnen von Greenwood in ihr Stadtviertel. Die Polizei von Tulsa bewaffnete die Weiße Bevölkerung und gemeinsam organisierte man den Angriff auf den Stadtteil. Es wurden unterschiedliche Gruppen eingeteilt. Die einen sollten nach Greenwood vordringen und Menschen umbringen, die anderen verhindern, dass Schwarze Menschen entkommen konnten. Zu diesem Zweck und zur Bombardierung wurden auch sechs Flugzeuge eingesetzt. Außerdem wurde ein Maschinengewehr auf einem Turm montiert und Gebäude mit Dynamit gesprengt.

Am 1. Juni traf die Nationalgarde in der Stadt ein, zu diesem Zeitpunkt war das Massaker allerdings schon am Abklingen. Die Schwarzen Menschen, die sie in Greenwood noch antrafen, wurden verhaftet und in Internierungslager gebracht. Die Angreifer wurden entwaffnet, festgenommen wurde jedoch niemand. Bei der rechtlichen Aufarbeitung wurde die Weiße Bevölkerung von allen Vorwürfen freigesprochen. Bis heute sind die Gebäude und das dortige Land im Besitz von Weißen Menschen.
 

#5 Zitat des Tages

In den USA findet ein Umdenken über die Arbeitsmarktpolitik statt. Das wird an einer Rede von Präsident Joe Biden ersichtlich, die er vergangene Woche einem College in Ohio gehalten hat. Darin sagt er, dass es nicht die Angestellten sein sollen, die sich um zu wenige Arbeitsplätze streiten müssen. Vielmehr sollten sich die Unternehmen, etwa mit höheren Löhnen, um Angestellte bemühen. 

Daher strebt Biden mit seiner Regierung eine Vollbeschäftigung an, wie er in der Rede betont. Denn so bekämen ArbeiterInnen nicht nur mehr Möglichkeiten, höhere Löhne einzufordern. Sie hätten dadurch auch die Macht, eine bessere Behandlung durch die Unternehmen und ihre Vorgesetzten einzufordern. Denn diese wären auf ihre Arbeitskraft angewiesen. Auch Frauen und Minderheiten würden davon stark profitieren.

"Höhere Löhne sind kein Fehler, sondern unser Ziel. Wir wollen, dass die Unternehmen darum kämpfen, ArbeiterInnen anzulocken", sagte Biden. Seine Aussagen gelten als Abkehr von der US-Arbeitsmarktpolitik der letzten Jahrzehnte. Diese hätte eine Verknappung von Arbeitskräften als Problem gesehen - jetzt wird Vollbeschäftigung als wichtiges Mittel betrachtet. Bidens Aussagen kommen in einer Phase, in der in den USA viele Unternehmen immer mehr Probleme damit haben, Arbeitskräfte zu bekommen. Das hängt vielfach mit niedriger Bezahlung und den schlechten Arbeitsbedingungen zusammen, die ArbeiterInnen dort geboten wird. 

Von Seiten der ArbeitgeberInnen heißt es dann oft, dass die Menschen zu faul seien. Warum diese Erzählung auch in Österreich wieder aktuell wird und weshalb Neoliberale diesen Mythos benötigen, hat dir Natascha Strobl in diesem Video übersetzt.
 

#6 In eigener Sache

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Einen kanzlerfreien Dienstag!

Sebastian

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