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Ungleichheit

Frauen bei Ski-WM am selben Kurs nur knapp hinter Männern: Warum man das nicht kleinreden muss

Die Wahrheit bei einem Skilauf ist ganz einfach. Wer schneller ist, ist besser. Männer und Frauen fahren selten am selben Kurs. Bei der Ski-WM 2021 in Cortina war das anders. Im Bewerb "Super-Kombination" fuhren Männer und Frauen in einem der zwei Läufe am gleichen Kurs - im sogenannten Super-G.

Manche stachelt das deshalb zum Vergleich der Geschlechter an - auch Ex-Skifahrer Marc Girardelli in der "Heute".
 
Marc Girardelli in der Heute zum vergleich von Männern und Frauen bei der Ski-WM

Marc Girardelli in der Heute zum vergleich von Männern und Frauen bei der Ski-WM 

Er fantasiert dabei darüber, dass der Abstand zwischen dem besten Mann und der besten Frau am „echten“ Kurs wohl 6, 7, oder 8 Sekunden gewesen wären. Er meint mit „echtem“ Super-G eine andere Disziplin. Ob seine Schätzung stimmt, werden wir deshalb nie erfahren, denn diese Disziplin wird nicht am selben Kurs gefahren.

Die „Heute“ hebt diese Behauptung aber sogar in die Titelzeile des Kommentar – sie gibt der fantasierten Behauptung mehr Bedeutung als der Wahrheit.

Dabei ist diese Wahrheit ganz einfach: Der Kurs war echt. Er wurde schließlich sogar bei einer echten Weltmeisterschaft als Super-G befahren. Von Männer und Frauen. Und die Frauen waren nur 2 Sekunden langsamer. Fakt.

Androzentrismus: Der Mann ist die Norm

Wie unsicher muss man sein, um das relativieren und vor einer „Überbewertung“ warnen zu müssen? Warum ist das überhaupt ein Thema?

Dahinter steckt ein bisschen, was Geschlechter-ForscherInnen „Androzentrismus“ nennen. Es bedeutet, dass das als „normal“ empfunden wird, was eher Männer tun. Und vieles in unserer Welt – nicht nur beim Skifahren – wurde in einer langen Geschichte von Diskriminierung und auch Gewalt von Männern geprägt. Als Folge werden – oft ganz ohne bewusste und böse Absicht – häufig Dinge, in denen Frauen besser oder gleichwertig oder einfach nur anderes sind, als weniger wichtig, weniger wertvoll oder eben auch weniger „echt“ empfunden und dargestellt.

In letzter Konsequenz ist das auch ein gewichtiger Grund, warum Frauenberufe so viel schlechter bezahlt werden, als Männerberufe. Aber zurück zum Skifahren: Männer und Frauen haben unterschiedliche Bedingungen, die Leistungsunterschiede erklären. Sie haben aber natürlich auch andere körperliche Voraussetzungen. Klar gibt es Kurse, da sind Männer deutlich schneller als Frauen. Es gibt aber eben auch Kurse, da sind Frauen viel näher dran oder schneller als Männer. Es macht eben einen Unterschied, welchen Lauf man in welchem Hang wie in den Schnee setzt.

Ein Lauf, in dem Frauen schnell oder sogar schneller als Männer sind, ist nicht weniger „echt“ – er wird nur seltener gesetzt.

Bei dieser WM ist die Wahrheit: Der Unterschied waren 2 Sekunden.

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