Frauen verdienen weniger. Das muss nicht so sein - eine neue Folge Moment Mal mit Barbara Blaha
Frauen verdienen weniger? Ist halt so.
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/ 16. Oktober 2020

Frauen arbeiten Teilzeit, sie suchen sich schlechter bezahlte Berufe aus, klar verdienen sie weniger als Männer... Moment Mal!

Gleiche Arbeit, gleicher Lohn? 

Frauen bekommen für die gleiche Arbeit weniger bezahlt. Richtig: die GLEICHE Arbeit. Selbst wenn wir alles rausrechnen, wie Teilzeit, unterschiedliche Berufswahl, Erfahrung, Ausbildung und so weiter und so fort, bleibt immer noch eine große Lücke. Wobei ich mich ja frage: Warum rechnen wir das eigentlich alles raus? Ist es ein Naturgesetz, dass jeder Beruf, wenn er vorrangig von Frauen ausgeübt wird, schlechter bezahlt ist? Oder dass Frauen sich unbezahlt um Kinder und Großeltern kümmern und deshalb nur Teilzeit arbeiten? Dass wir die Einkommenslücke bei Frauen kleinrechnen, da beginnt das Problem ja eigentlich schon. Denn: Den Frauen ist die Statistik HINTER dem Lohnzettel vollkommen egal, sie müssen mit den paar Euros durchkommen, die AUF dem Zettel stehen.

Frauen verdienen weniger

Frauen bezahlen dafür, dass sie eine Frau sind. In allen Lebensbereichen: Denn am Lohnzettel und auf der Zahl, die da drauf steht, hängt eine ganze Menge anderer Dinge. Das Arbeitslosengeld, zum Beispiel: Ist ja klar, wer weniger verdient, trägt  auch weniger zur Versicherung bei, bekommt also weniger Arbeitslose. Frauen erhalten im Schnitt 870 Euro, Männer im Vergleich dazu 945 Euro. 

Die argen Einkommensunterschiede während des Arbeitslebens führen gleich doppelt zu mickrigen Pension: erstens gilt auch bei der Pension – wer mehr verdient, trägt mehr bei, kriegt später mehr raus. Und zweitens bleiben die Frauen wegen der niedrigeren Einkommen auch – Hallo, Kinder! – eher zuhause und sammeln so weniger Beitragsjahre. Das Ergebnis nennen wir “Pensionslücke”: Der Unterschied zwischen der mittleren Bruttopension von Frauen und Männern betrug 2018 satte 39,4 Prozent. Seit 20 Jahren schließt sich diese Lücke – aber sie bewegt sich dabei ungefähr so schnell wie Kontinentalplatten: Wenn es  in diesem Tempo weiter geht, erhalten Frauen im Jahr 2136 die gleiche Pension wie Männer.

Frauen erben weniger

Reich werden Frauen nur schwierig. Wer weniger verdient, kann schwerer ein Vermögen aufbauen. Okay, wir wissen ja, dass auch nur die allerwenigsten Männer sich ein Vermögen erarbeiten können. Reich wird man hierzulande vor allem, weil man in die richtige Familie geboren wurde. Doch auch hier zeigt sich: Frauen erben sogar weniger! Vergleicht man männliche und weibliche Single-Haushalte, die geerbt haben, sieht man, dass die durchschnittliche Erbschaft von Frauen um mehr als ein Drittel kleiner ist als die von Männern. So klappt es eben nicht mit dem Vermögensaufbau: 29 Prozent beträgt hier der Gap - das mittlere Nettovermögen der Frauen ist mit 30.600 Euro um knapp 12.300 Euro niedriger als das der Männer. 

Was es braucht?

  • Wenn wir wollen, dass Frauen und Männer die gleichen Möglichkeiten haben, dann dürfen Kinder nicht länger Frauensache sein: Familienarbeit muss gerecht verteilt werden. Das klappt, wenn beide gleich viel beitragen und zum Beispiel 30 Stunden arbeiten gehen.
  • Kinderbetreuung muss in ganz Österreich flächendeckend angeboten werden – und das ganztägig. Insbesondere in den ländlichen Regionen fehlt das an allen Ecken und Enden. 
  • Für die Pensionsberechnung müssen wir Kindererziehungs- und Pflegezeiten höher bewerten.
  • Es braucht gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit. Über alle Branchen hinweg. Damit die sogenannten Frauenberufen nicht länger schlechter als Männerberufe bezahlt werden.

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