Ungleichheit
Demokratie

Warum auch Frauen immer öfter extrem rechts wählen: Ihr Frust steigt

Immer wird über die frustrierten jungen Männer als Wählerbasis der extremen Rechten geredet. Dabei wird eine Gruppe übersehen: Frauen. Warum die immer öfter extrem rechts wählen und was man dagegen tun kann, kommentiert Natascha Strobl.

Frauen reicht es. So könnte man die Gemengelage zusammenfassen, die sich Frauen zur Zeit bietet. Im Standard liefert Meinungsforscher Christoph Hofinger eine schonungslose Gesamtschau.  In dieser zeigt sich, dass Frauen in vielen relevanten Bereichen negativer eingestellt sind als Männer. Zu aller erst betrifft das die Teuerungen und ein allgemeines Krisengefühl, aber auch Einschätzungen zu Sicherheit und öffentlichen Leistungen. 

So sehen Frauen das Gesundheitssystem deutlich kritischer als Männer. Kein Wunder, von der einst versprochenen "Patientenmillarde" ist nicht nur nichts eingelöst worden, das Gesundheitssystem wird deutlich schlechter. Frauen spüren das genauso wie Männer.


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Frauen bemerken Probleme eher auch für andere mit

Frauen sind aber auch hauptsächlich für Kindererziehung und Pflege zuständig und merken es doppelt und dreifach an ihren Angehörigen. Kinderärzt:innen sind zum Beispiel rar und jene mit Kassenvertrag noch rarer (im ganzen steirischen Bezirk Deutschlandsberg gibt es etwa nur noch einen Kinderarzt). Wer kann weicht auf Wahlärzt:innen aus. Wer das nicht kann, muss schauen, ob er überhaupt noch genommen wird und sitzt in überfüllten Wartezimmern. Da reden wir noch gar nicht von spezialisierten Fachärzt:innen zu Psychiatrie und Psychologie. 

Gleichzeitig wird Strom, Gas und der Einkauf im Supermarkt immer teurer. Auch das trifft natürlich alle gleich, aber Frauen übernehmen mehr Arbeit im Haushalt und für die Familie. Damit liegt auch die Verantwortung für Einkauf und Kochen bei ihnen. Allein an diesen beiden Schlaglichtern sieht man, dass es kein Wunder ist, dass Frauen frustrierter werden und ein negativeres Bild auf die Zukunft haben.

Frust wendet sich nach rechts

Der Trend bei Frauen ist schneller und tiefgreifender als bei Männern. Gleichzeitig wissen wir, dass ein negatives Zukunftsbild viel stärker mit der Wahl extrem rechter Parteien einhergeht. So ist es wenig überraschend, dass Frauen in Österreich mittlerweile zu einem fast gleich hohen Anteil die extreme Rechte wählen wie Männer. Die fängt den verständlichen System-Frust nämlich derzeit auf. Der Geschlechter-Gap ist geschlossen.

Die größte Korrelation zur Wahl extrem rechter Parteien ist, wie frustriert man von der Gegenwart ist - und ob man glaubt, dass es absehbar besser wird. Hier liegt auch der Schlüssel für alle demokratischen Parteien. 

Antifaschismus bedeutet, Sorgen zu beseitigen

Wer wirklich antifaschistisch agieren möchte, sorgt dafür, dass sich die Sorgen der Gegenwart nicht die Zukunft fortsetzen. Gesundheitssystem und öffentliche Vorsorge müssen funktionieren. Das bedeutet auch, dass Menschen in diesen Systemen nicht ihre Würde verlieren, weil sie sich entnervt um Arzttermine für ihre kranken Kinder betteln müssen. Alles, was mit Kindern zu tun hat, Schule, Kindergärten, Freizeit, Sport, muss so breit und inklusiv wie möglich aufgestellt werden. Und die Leute, die in diesen Systemen arbeiten, anständig entlohnt werden. Das ist das Beste für die Kinder, aber auch ihre Hauptbezugspersonen - und das sind derzeit noch immer vor allem Frauen. 

Es bedeutet auch, Inflation zu bekämpfen und dafür zu sorgen, dass Kaufkraft nicht verloren geht. Ein durchschnittliches Gehalt muss für ein durchschnittliches Leben reichen. Das darf kein Leben von Gehalt zu Gehalt und mit Existenzsorgen sein. Wenn Frauen frustriert genug sind, wenden sie sich genauso von der Demokratie ab, wie Männer. Die Mittel gegen den Frust liegen auf der Hand, sie müssen nur umgesetzt werden.


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