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Arbeitswelt

Start der Herbstlohnrunde: Warum der Metaller-KV für uns alle wichtig ist

Start der Herbstlohnrunde: Warum der Metaller-KV für uns alle wichtig ist
Mit dem Gesprächen um den Kollektivvertrag für die Metallindustrie beginnt Jahr für Jahr die Herbstlohnrunde. Aber was wird da überhaupt verhandelt und warum ist der Metaller-KV wichtig für alle Arbeitnehmer:innen in Österreich? Und was passiert mit den Löhnen, wenn alles teurer wird? Wir geben dir einen Überblick.

Was ist die Herbstlohnrunde?

In der Herbstlohnrunde werden Lohnerhöhungen verhandelt. Oft wird die Herbstlohnrunde auch Metaller-Lohnrunde genannt. Die Arbeitnehmer:innen (genauer: ihre Vertreter:innen der Gewerkschaft) verhandeln mit der Arbeitgeberseite der metallverarbeitenden Industrie einen neuen Kollektivvertrag. Für die Arbeitnehmer:innen sitzen die Produktionsgewerkschaft PRO-GE und die Gewerkschaft der Privatangestellten GPA am Verhandlungstisch. Ihnen gegenüber nehmen die entsprechenden Fachverbände der Wirtschaftskammer Platz. Sie verhandeln, wie stark die Löhne des Metaller-KV im kommenden Jahr steigen.

Warum ist die Herbstlohnrunde wichtig?

Jedes Jahr werden Hunderte Kollektivverträge neu verhandelt. Der Kollektivvertrag der Metaller ist besonders wichtig. Er gilt als richtungsweisend für andere Branchen, ist er doch der erste Kollektivvertrag, der im Herbst verhandelt wird. In der gesamten Metall-Branche arbeiten rund 190.000 Menschen. Und: Wer in der Metall-Industrie arbeitet, ist  besonders stark gewerkschaftlich organisiert. Das ist auch ein Grund, warum die Gehälter in der Metalltechnischen Industrie, der größten Gruppe der Branche, relativ hoch sind. Der im Kollektivvertrag festgelegte Mindestlohn beträgt derzeit knapp 2.090 Euro.

Wie laufen die Verhandlungen ab?

Die Lohnverhandlungen starten, wenn die beteiligten Gewerkschaften ihre Forderungen in der Wirtschaftskammer vorlegen. Kurz darauf präsentieren die Gewerkschaften öffentlich, um wieviel die Löhne für die Beschäftigten ihrer Ansicht steigen sollten. Die Seite der Arbeitgeber:innen präsentiert ihr „Gegenangebot“. Danach wird in meist mehreren Verhandlungsrunden gerungen, wie stark die Löhne im kommenden Jahr steigen. Am Ende steht immer ein Kompromiss zwischen dem, was Gewerkschaften fordern und die Industrieverbände bereit sind, Mitarbeiter:innen der Branche mehr zu zahlen.

Was fordern die Arbeitnehmer:innen in der Herbstlohnrunde?

Offiziell vorgestellt werden die Lohnforderungen der Metaller am Montag, den 19. September. Durchgesickert ist aber bereits, dass die Löhne um nicht weniger als die Inflation der vergangenen zwölf Monate steigen sollen. Diese Teuerung aller Waren und Dienstleistungen betrug im vergangenen Jahr 6,3 Prozent. Weniger sei für die Gewerkschaften „ausgeschlossen“, heißt es.

Was ist in diesem Jahr anders?

Die Inflation steigt seit Monaten rasant. Vor allem die Energiepreise gehen durch die Decke. Haushalte müssen auch für Lebensmittel immer mehr zahlen. Das spüren alle Arbeitnehmer:innen. Sie können sich immer weniger leisten. Die Inflation im August betrug bereits 9,3 Prozent. Und: Wie sehr die Preise im kommenden Jahr steigen, ist kaum vorhersehbar. Beispiel: Im Juni vergangenen Jahres rechneten die Expert:innen der Österreichischen Nationalbank OeNB für 2022 noch mit einer Inflationsrate von lediglich 2 Prozent. Die tatsächliche Teuerung beträgt inzwischen mehr als das Vierfache.

Woran orientiert man sich, wie stark Löhne steigen sollen?

Was Gewerkschaften bei Lohnverhandlungen fordern, schütteln sie nicht einfach so aus dem Ärmel. Sie orientieren sich einerseits an der Inflationsrate. Aber auch daran, um wie viel produktiver Arbeitnehmer:innen Waren herstellen und Dienstleistungen erbringen. Das ist die sogenannte Benya-Formel. Sie ist benannt nach dem Gewerkschafter und früheren ÖGB-Chef Anton Benya. Seit Anfang der 1970er Jahre orientieren Gewerkschaften ihre Lohnforderungen an der „Benya-Formel“. Laut Zahlen der Statistik Austria stieg die Produktivität je geleisteter Arbeitsstunde zwischen Juni 2021 und Juni 2022 um mehr als 10 Prozent. Seit 2015 arbeiten die Arbeitnehmer:innen in Österreich um mehr als 20 Prozentpunkte produktiver.

Braucht es höhere Löhne?

Steigen die Löhne nicht, können sich Arbeitnehmer:innen für ihren Lohn immer weniger leisten. Denn gleichzeitig steigen die Mieten, werden Lebensmittel teurer und explodieren die Kosten für Strom und Heizengeradezu. Um mit dieser Teuerung Schritt zu halten, müssen auch die Löhne regelmäßig steigen. Der sogenannte Reallohn ergibt sich daraus, wie stark der Lohn nominell steigt und wieviel der Lohnerhöhung die Teuerung abzwackt.. Beispiel: Im Jahr 2022 werden die Löhne real höchstwahrscheinlich sinken, weil die Preise so hoch sind. Erste Schätzungen belaufen sich auf ein Minus von 4 Prozent.

Heizen höhere Löhne die Inflation an?

Die Zahlen zeigen: Über das vergangene Jahr verloren Arbeitnehmer:innen real an Lohn. Ihre Lohnsteigerungen hielten bei weitem nicht Schritt mit der stattfindenden Teuerung. Höhere Löhne waren daher keine Preistreiber. Unternehmen dagegen schreiben teilweise Rekordgewinne aufgrund der gestiegenen Preise. Dazu kommt: Die jetzt geforderten Lohnerhöhungen orientieren sich an der Inflation der vergangenen 12 Monate. Was Arbeitgeber:innen an höheren Löhnen anbieten, gleicht oft nicht einmal die Teuerung aus.

 
Grafik: Entwicklung der Reallöhne seit 1960. Minus 4 Prozent für 2022 erwartet.

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