Hochrisikokinder: Ein Junge zieht sein Stofftier hinter sich her.
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  Natascha Strobl

/ 4. August 2021

Hochrisikokinder sind seit Beginn der Pandemie gefährdet. Vorbereitungen für den Herbst sucht man vergeblich, kritisiert Natascha Strobl:

Die (Hoch)Risikogruppen sind geschützt und es können sich ja sowieso alle impfen, die wollen. Dieses Argument wird gerne verwendet, wenn man nicht weiter Rücksicht nehmen möchte. Die Pandemie ist ja ohnehin vorbei. Und Kinder haben ja sowieso kein Risiko.

In all dem Eifer wird eine Gruppe nicht beachtet, die schon die gesamte Pandemie übersehen wird und die keine so einflussreiche Lobby wie Seilbahnen oder Bäckereiketten hat: Kinder, die zur (Hoch)Risikogruppe gehören.

Hochrisikokinder gibt es viele

In Österreich und Deutschland haben etwa 10 Prozent der Kinder Asthma, das sind circa 1,3 Millionen Kinder unter 14 Jahren in Deutschland und 128.000 in Österreich. 32.000 Kinder in Deutschland und 3000 Kinder in Österreich leiden an Typ 1 Diabetes. Jedes Jahr kommen in Deutschland 6000 und in Österreich 700 Kinder mit angeborenen Herzfehlern zur Welt. Das sind 72.000 Kinder in Deutschland unter 12 Jahren und 8400 in Österreich. Wir können diese Zahlenreihen mit COPD (eine schwere Lungenkrankheit), mit Krebserkrankungen, mit Autoimmunkrankheiten, mit Leberkrankheiten und Nierenschäden usw. weiterführen. Es sind viele Kinder. Sehr viele.

Die Vorstellung, dass (Hoch)Risikokinder abgeschottet ein erbärmliches Dasein fristen, ist so falsch wie verletztend. (Hoch)Risikokinder gehen genauso gerne in den Kindergarten und in die Schule wie andere Kinder, sie haben Freund:innen, sie spielen gerne draußen und führen einfach ihr Leben. Manche müssen ein paar mal öfter zur Ärztin, manche brauchen Hilfsmittel, viele haben schon längere Krankenhausaufenthalte oder sogar Operationen hinter sich. Eigentlich bedarf es keiner Rechtfertigung, warum ihr Leben schützenswert ist, in Pandemiezeiten steht dieser Schutz trotzdem immer wieder zur Disposition. Diese Kinder kann man nicht einfach hinausnehmen aus der Gemeinschaft und absondern, damit sie ja nicht zur Last für die Gesunden werden. Sie haben Familien und Geschwister, die im letzten Jahr sehr auf sich allein gestellt wochenlang in Unsicherheit und Isolation gelebt haben. Ein Armutszeugnis für Gesellschaft und Politik. Das darf sich nicht wiederholen.

Hochrisikokinder gehören ins Leben

Dementsprechend braucht es jetzt Maßnahmen und Ideen wie Kindergärten und Schulen sicher gestaltet werden können. Ohne Durchseuchungs-Experimente an Kindern, bei denen der Ausgang unklar ist. (Diese Durchseuchungs-Experimente darf es im Übrigen auch bei an sich gesunden Kindern nicht geben, da die Langzeit-Folgen auch bei ihnen unklar sind.)

Infektionsschutz und das Wohlergehen von Kindern sind keine lästige Privatangelegenheit von ein paar Familien, die es halt blöd erwischt haben. Eine Gemeinschaft misst sich immer noch daran, wie sie mit ihren Schwächsten umgeht. Das sind nicht irgendwelche unmotivierte Personen, die es nicht hinbekommen, eine FFP2-Maske zu tragen, sondern das sind Kinder. (Kinder, die in Wahrheit sehr stark sind und mehr durchgemacht haben als die meisten Wichtigtuer:innen, die sich jetzt als Opfer inszenieren.) Dazu braucht es Maßnahmen und Konzepte. Für Kindergärten, Schulen, für den Arbeitsplatz, für die Eltern. Es braucht Anlaufstellen, Beratung zu Off-Label-Impfung und es braucht Geld. Stellen wir diese Kinder und ihre Familien in den Mittelpunkt und garantieren ihnen Teilhabe, Bildung, Gemeinschaft, Gesundheit.

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