Zwei Menschen sitzen vorm Wasser in der Wiese und sehen einander an
Was, wenn du im Sommer automatisch jeden Freitag frei hättest? Foto von Tatiana Rodriguez für Unsplash

/ Lisa Wölfl
/ 5. November

Wie viele Stunden würdest du arbeiten wollen, wenn dein Gehalt gleich bliebe? Die österreichischen ArbeitnehmerInnen antworteten im Durchschnitt: 32 Stunden.

Die Realität sieht anders aus. Wir arbeiten im Durchschnitt (Teilzeit und Vollzeit zusammengerechnet) rund 36 Stunden. Dazu kommt, dass im ArbeiterInnen und Angestellte im vergangenen Jahr durchschnittlich sieben Überstunden pro Woche gemacht haben. Viele davon unbezahlt.

Das ist eine Kluft, die unüberbrückbar scheint. Aber es geht auch anders. Immer wieder wagen Firmen in den vergangenen Jahren das Experiment der Arbeitszeitverkürzung.

Seit drei Jahren arbeiten MitarbeiterInnen der griechischen Firma Skroutz im Sommer weniger und das bei vollem Gehalt. "Im Sommer wollen die Menschen am Meer liegen, auf die Inseln fahren und sich entspannen. Sie sind erschöpft vom Arbeitsjahr", sagt Personalleiterin Roza Tapini gegenüber MOMENT. Deswegen haben die Angestellten in den heißen Monaten freitags frei. "So bleibt die Produktivität über das Jahr gleich und sinkt nicht, wie sonst im Sommer üblich", sagt Tapini.

Leichte Umstellung

Das Unternehmen bietet eine Online-Plattform für Preisvergleiche und wächst seit der globalen Finanzkrise. Mittlerweile arbeiten 260 Menschen dort, vor allem SoftwareentwicklerInnen. "Die einzigen, denen es am Anfang schwer gefallen ist, die Arbeit anders einzuplanen, waren die ManagerInnen. Aber auch das hat sich schnell gelegt", sagt Tapini.

Für kürzere Arbeitszeiten gibt es auch andere Modelle. In der deutschen IT-Firma Digital Enabler arbeiten die Angestellten fünf Stunden pro Tag, fünf Tage die Woche. Dafür gibt es kein Mittagessen und keine Kaffeepause.Tapini findet das Konzept interessant, meint allerdings, auch der Smalltalk an der Kaffeemaschine könne bedeutend sein. "Mir ist wichtig, mal am Gang nachzufragen, wie es den Kindern in der Schule geht", sagt sie. Sie wolle eine persönliche Verbindung zu den MitarbeiterInnen aufbauen.

Roza Tapini sieht direkt in die Kamera. Sie hat rote Haare und trägt ein rotes Oberteil

Roza Tapini ist Personalmanagerin bei Skroutz. “Im Sommer wollen die Menschen am Meer liegen, auf die Inseln fahren und sich entspannen", sagt sie.

Einen ganz ähnlichen Ansatz wie Skroutz hat die neuseeländische Firma Perpetual Guardian mit 240 Angestellten. 30 statt 37,5 Stunden Arbeit, gleicher Lohn und zwar das ganze Jahr. Ein Forschungsteam begleitete die ersten sechs Wochen und fand heraus, dass die Produktivität gleich hoch blieb. Die Angestellten waren zufriedener und hatten weniger Stress.

Nur Bürojobs?

In Österreich stieß das Frauen*volksbegehren die Diskussion an. Die Forderung nach einer schrittweisen Verkürzung auf 30 Stunden ist nach wie vor umstritten.

Ein oberösterreichisches Unternehmen zeigt, dass es auch hierzulande geht. Die Online-Marketing-Firma eMagnetix führte Ende November 2018 die 30-Stunden-Woche als Gleitzeit-Modell ein.

Bisher sind es vor allem Büroangestellte, die von einer kürzeren Arbeitszeit bei vollem Lohn profitieren. Sie sind es, die in 30 Stunden oft genauso viel schaffen wie in 40. Das geht nicht in allen Jobs. Ein Krankenpfleger etwa kann nicht an vier Tagen so viele Leute pflegen, dass am fünften keine mehr übrig sind. In diesen Branchen ist eine 30-Stunden-Woche bei vollem Lohn natürlich dennoch möglich. Dafür müssten mehr Menschen angestellt werden.

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